# taz.de -- Shelly Kittleson: Journalistin in Irak entführt
       
       > Die italienisch-amerikanische Journalistin Shelly Kittleson wurde am
       > Dienstag in Bagdad entführt. Iraks Polizei sucht nach ihr.
       
 (IMG) Bild: Hier wurde Shelly Kittelson in Badgdad entführt
       
       Shelly Kittleson hatte Sicherheitstrainings gemacht, war gut vernetzt mit
       lokalen Quellen, kannte sich in gefährlichen Gebieten aus. Sie hat unter
       Bombenbeschuss aus Syrien berichtet und jahrelang in Bagdad gelebt. All das
       half ihr nicht, als sie am Dienstag von zwei Männern auf der Saadoun-Straße
       im Zentrum von Bagdad in ein Auto gezerrt wurde. Angehörige einer
       proiranischen Miliz in Irak sollen sie entführt haben.
       
       Kittleson arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten als Reporterin in der Region
       und berichtet ausführlich vor allem aus Syrien und Irak. Die
       italienisch-amerikanische Journalistin schrieb für internationale Medien,
       vor allem für das [1][renommierte arabisch-amerikanische
       Online-Nachrichtenportal Al-Monitor].
       
       Die 49-Jährige ist Tochter einer armen Familie aus dem US-Bundesstaat
       Wisconsin. Mit 19 verließ sie die USA, zog nach Italien, putzte Häuser,
       unterrichtete Englisch. Zum Journalismus kam sie, weil ihre Großmutter das
       Magazin National Geographic gesammelt hatte, welches sie gerne las. „Es war
       im Grunde der Wunsch, Geschichte in irgendeiner Form zu dokumentieren, und
       Krieg bestimmt nun mal den Lauf der Geschichte, also wollte ich daran
       teilhaben“, schrieb sie später über diese Zeit.
       
       Sie reiste nach Afghanistan, fuhr nach Taschkent: „Ich war allein auf dem
       Landweg gekommen, eine Amerikanerin, die hartnäckig den Rat der Experten
       ignorierte, der Sicherheit Priorität einzuräumen und die Reise gar nicht
       erst zu wagen.“
       
       ## „Man versucht, was man kann“
       
       Sie begann ihre journalistische Karriere, schrieb Reportagen aus Kabul.
       2012 reiste sie erstmals nach Syrien unter Assad. In den Folgejahren
       [2][traf sie] Familien in der von der Opposition kontrollierten Hauptstadt
       Aleppo, einen syrischen Rebellenkommandanten in der Südtürkei. Nach dem
       Machtwechsel in Syrien [3][interviewte] sie den neuen
       Verteidigungsminister.
       
       Weil sie Risiken einging, konnte sie von Orten berichten, die für eine
       Reporterin gefährlich sein können. „Man versucht eben, was man kann, aber
       die Arbeit ist ja schließlich auch wichtig“, sagte Kittleson 2018. „Was die
       Risikobewertung und so weiter angeht, denke ich natürlich, dass ich meine
       Instinkte sehr gut entwickelt habe, was sehr, sehr hilfreich ist.“ Sie
       erzählte, dass sie immer ein Erste-Hilfe-Set dabei habe, Trainings für
       Einsätze in Krisengebieten absolviert hatte.
       
       „Eine großartige Journalistin, der die Region sehr am Herzen liegt“, meinte
       Syrienexperte Charles Lister. „Shelly ist einer der liebenswertesten
       Menschen überhaupt“, [4][schreibt] ihr Freund und Notfallkontakt Alex
       Plitsas, ein nationaler Sicherheitsanalyst von CNN. Sie sei in Irak
       gründlich überprüft worden, auch die Dachorganisation aus überwiegend
       schiitischen Milizen in Irak (PMF) wüsste, dass sie Zivilistin ist.
       
       ## Erinnerungen an einen Fall aus 2025
       
       Das irakische Innenministerium teilte mit, Sicherheitskräfte hätten die
       Verfolgung der Entführer aufgenommen und ihr Auto, das beim Fluchtversuch
       südwestlich von Bagdad umkippte, beschlagnahmt und einen Verdächtigten
       festgenommen. Der US-Staatssekretär Dylan Johnson [5][schrieb auf X], der
       Verdächtige sei Mitglied der proiranischen Miliz Kata’ib Hisbollah. Die
       Journalistin soll in ein anderes Fahrzeug gezwungen worden sein, das mit
       mindestens einem Entführer entkam. Kittleson wird noch immer festgehalten.
       
       Der Fall erinnert an Elizabeth Tsurkov, russisch-israelische Doktorandin
       der US-amerikanischen Universität Princeton. Sie wurde 2023 in Bagdad
       entführt. Die Trump-Administration ermöglichte, dass sie im September 2025
       freikam. Auch sie gab an, von Kata’ib Hisbollah festgehalten worden zu
       sein.
       
       1 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://mediabiasfactcheck.com/al-monitor/
 (DIR) [2] https://deeply.thenewhumanitarian.org/refugees/articles/2016/08/18/hospital-attacks-worsen-syrias-medical-crisis-and-refugee-flight
 (DIR) [3] https://x.com/shellykittleson/status/1886495131223904395
 (DIR) [4] https://x.com/alexplitsas/status/2039074798999912682
 (DIR) [5] https://x.com/asdylanjohnson/status/2039068022451613858
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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