# taz.de -- Krieg im Iran: Die Iraner wollen nicht mit Gewalt befreit werden
> Krieg und äußerer Druck schwächen die iranische Gesellschaft und festigen
> autoritäre Strukturen. Demokratie kann nicht herbeigebombt werden.
(IMG) Bild: Ein Ersthelfer hält einen verletzten Jungen nach einem Angriff in Teheran
Als im März 2003 die USA und ihre Verbündeten den Irak angriffen, war ich
Schüler in einer Kleinstadt im Westen des Landes. Ich erinnere mich noch
genau daran, wie unser Schulleiter verkündete, dass auch wir uns auf einen
möglichen Angriff vorbereiten müssten. Der Iran gehörte damals zur
sogenannten „Achse des Bösen“. Die Angst blieb über Jahre bestehen, bis sie
schließlich Realität wurde.
Es wäre falsch, zivile Opfer lediglich als „Kollateralschäden“ zu
betrachten. Schon die Sanktionen der vergangenen Jahre haben vor allem die
Bevölkerung geschwächt, nicht die politische Führung. Auch der Krieg
verschärft diese Dynamik. In dicht besiedelten Städten bedeutet jeder
Angriff auf staatliche Ziele zugleich [1][Gefahr für die Zivilbevölkerung].
Familien leben in ständiger Angst, ihre Nachbarschaft könnte zum Ziel
werden. Laut der Menschenrechtsorganisation HRANA wurden bisher Tausende
Menschen getötet und Millionen innerhalb des Landes vertrieben.
Zugleich greift die Illusion zu kurz, das politische System im Iran könnte
von außen beseitigt werden. Staat und Gesellschaft sind enger miteinander
verwoben, als oft angenommen wird. Die [2][Islamische Republik ist nicht
einfach ein isoliertes Machtzentrum], denn ihre ideologischen Wurzeln
reichen tief in Teile der Gesellschaft hinein. Wer dies ignoriert,
unterschätzt die Komplexität des Landes und überschätzt die Wirkung
militärischer „Lösungen“.
Die Lehren aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan sind eindeutig: Der
Versuch, Demokratie durch militärische Interventionen durchzusetzen, hat zu
jahrelanger Instabilität, Gewalt und neuen Konflikten geführt. Eine weitere
Eskalation würde nicht nur das Land selbst, sondern auch die gesamte Region
destabilisieren. Wenn Europa und die USA die Demokratie im Iran
unterstützen wollen, sollten sie die richtigen Schlüsse daraus ziehen.
Krieg und äußerer Druck schwächen die Gesellschaft und festigen autoritäre
Strukturen.
29 Mar 2026
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