# taz.de -- Präsident der Ukraine besucht Syrien: Königlicher Empfang für Selenskyj in Damaskus
> Syriens Präsident rollt für seinen ukrainischen Amtskollegen den roten
> Teppich aus. Die beiden Staatsführer eint der Kampf gegen Russland und
> Iran.
(IMG) Bild: Sie verstehen sich: Wolodymyr Selenskyj und Ahmed al-Sharaa im syrischen Präsidentenpalast in Damaskus
Einen königlicheren Empfang, sagen Beobachter, hat Syriens
Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa noch keinem Staatsgast geboten.
Wolodymyr Selenskyj aus der Ukraine besuchte am Sonntag Syrien als erstes
europäisches Staatsoberhaupt seit dem Sturz der Assad-Diktatur und als erst
das zweite überhaupt nach dem Emir von Katar.
[1][Selenskyjs medienwirksame Landung] in einem türkischen
Regierungsflugzeug, die langen roten Teppiche, die Ehrengarde, die Flaggen
des freien Syrien und der freien Ukraine nebeneinander an den Straßen – all
dies war symbolträchtig für das Treffen der beiden Staatsführer, die beide
dem russischen Autokraten Wladimir Putin erfolgreich die Stirn geboten
haben – Scharaa als Bezwinger des von Russland unterstützten Assad-Regimes
in Syrien, Selenskyj als Präsident der nunmehr seit über vier Jahren einem
russischen Großangriff widerstehenden Ukraine.
„Wir bauen neue Beziehungen und neue Chancen und erweitern unsere
Bemühungen um Sicherheit“, [2][erklärte Selenskyj] laut ukrainischen Medien
nach dem Treffen. [3][Syriens Präsident erklärte], es gehe um
„Erfahrungsaustausch“ und „verstärkte Wirtschaftskooperation“. Syrien wolle
seine internationalen Beziehungen diversifizieren.
Laut Selenskyj fanden sowohl bilaterale Gespräche auf Präsidentenebene
statt als auch trilaterale auf Außenministerebene unter Einbeziehung der
Türkei. Deren Außenminister Hakan Fidan begleitete Selenskyj nach Damaskus,
nachdem dieser zuvor Gespräche in Istanbul geführt hatte.
## Ukraine bietet militärische Expertise
Zuvor hatte der ukrainische Präsident Saudi-Arabien, die Vereinigten
Arabischen Emirate und Katar besucht, die alle militärische Hilfe gegen
Iran suchen, das in Vergeltung für die Angriffe der USA und Iran ihre
Infrastruktur beschießt und ihre Ölexporte behindert. Die Ukraine sammelt
schon seit Jahren Erfahrungen damit, iranische Kampfdrohnen und Raketen
abzuwehren, die das Regime in Teheran in großen Mengen an Russland
geliefert hat beziehungsweise dort herstellen lässt.
Die dabei gewonnene technologische Expertise interessiert nun auch
arabische Staaten. Syrien besitzt keine eigene Luftabwehr, wie seit
Scharaas Machtübernahme mehrfach deutlich geworden ist, als Israel
ungehindert syrische Militäranlagen bombardieren konnte.
Im Gespräch ist nun, dass die Ukraine und die Türkei die neue syrische
Armee ausbilden. Al-Scharaa hatte vergangene Woche in London, wohin er nach
seinem Besuch in Berlin gereist war, die Umwandlung zweier ehemaliger
russischer Militärbasen in Syrien in syrische
„Armeeausbildungseinrichtungen“ angekündigt. Die Golfstaaten, die Scharaa
unterstützen, dürften hierfür die Finanzierung leisten.
Historisch war Syrien immer ein enger Verbündeter Moskaus, sowohl zu
Sowjetzeiten als auch unter Russlands Präsident Putin, sowie auch Teherans,
dessen Revolutionsgarden in Syrien jahrelang eine wichtige Rolle im Kampf
des Assad-Regimes gegen die eigene Bevölkerung spielten.
Ohne Russlands Militärintervention in Syrien ab 2015, mit Spezialkräften
und massiven Luftangriffen, hätte sich Assad nicht bis 2024 an der Macht
halten können, und die russischen Marine- und Luftwaffenbasen an der
syrischen Mittelmeerküsten waren ein wichtiger Teil der russischen
Militärpräsenz im Ausland.
6 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/AH_AlSharaa/status/2040847794534011175
(DIR) [2] https://www.pravda.com.ua/eng/news/2026/04/05/8028865/
(DIR) [3] https://x.com/AH_AlSharaa/status/2040847794534011175
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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