# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Steigende Ölpreise führen zu Angriffsstopp-Vorschlag
> Selenskyj hat Moskau einen Stopp der Angriffe auf Energieanlagen
> vorgeschlagen. Auch sprach er nach einem Drohnenvorfall mit dem
> finnischen Staatschef.
(IMG) Bild: Von Russland zersörtes Kraftwerk in der Ukraine: Selenskyj hat Moskau einen Stopp der Angriffe auf Energieanlagen vorgeschlagen
## Drohnenvorfall: Selenskyj spricht mit Finnlands Staatschef
dpa | Nach dem Absturz ukrainischer Drohnen in Finnland hat Präsident
Wolodymyr Selenskyj ein Telefonat mit seinem finnischen Kollegen Alexander
Stubb geführt. „Natürlich haben wir den Drohnenvorfall erwähnt, der sich
kürzlich auf dem Territorium Finnlands ereignet hat. Alex und ich sehen die
Situation auf gleiche Weise“, schrieb Selenskyj auf sozialen Netzwerken.
Kyjiw werde alle notwendigen Informationen bereitstellen.
Parallel dazu teilte das ukrainische Außenministerium mit, dass Kyjiw sich
für den Vorfall entschuldigt habe. „Wir können mit Sicherheit sagen, dass
auf keinen Fall ukrainische Drohnen in Richtung Finnland geflogen sind“,
sagte Außenamtssprecher Heorhij Tychyj Journalisten in Kyjiw. Die
wahrscheinlichste Variante sei, dass die Drohnen durch elektronische
Störsignale der russischen Flugabwehr vom ursprünglichen Kurs abgebracht
worden seien.
Tags zuvor waren mehrere ukrainische Drohnen östlich der finnischen Stadt
Kouvola abgestürzt. Helsinki hatte die Luftraumverletzung als ernste
Angelegenheit bezeichnet. Die Ukraine hatte zuvor mehrfach russische
Ostseehäfen im Gebiet Leningrad angegriffen, um den russischen Export von
Erdöl zu stören. Mehrere Drohnen waren dabei auch in den baltischen Staaten
Litauen, Lettland und Estland abgestürzt.
[1][Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe
gegen eine russische Invasion.] Dabei greift das ukrainische Militär mit
Drohnen und Raketen auch Ziele weit im russischen Hinterland an.
## Russland weist Diplomaten der britischen Botschaft aus
afp | Russland hat die Ausweisung eines Diplomaten der britischen Botschaft
wegen Spionagevorwürfen angeordnet. Der russische Geheimdienst FSB erklärte
am Montag, der Diplomat müsse Russland binnen zwei Wochen verlassen. Der
29-Jährige sei als zweiter Sekretär an der Botschaft in Moskau tätig und an
„subversiven nachrichtendienstlichen Aktivitäten beteiligt, welche die
Sicherheit Russlands bedrohen“.
Wegen der Vorwürfe bestellte das russische Außenministerium zudem die
britische Geschäftsträgerin Danae Dholakia ein. Das Ministerium
veröffentlichte Videoaufnahmen von ihrer Ankunft zu dem Termin.
Das Außenministerium in London wies die Spionagevorwürfe gegen den
Diplomaten als „völligen Unsinn“ zurück. Russland verbreite „böswillige und
völlig haltlose Anschuldigungen“ und betreibe eine „aggressive und
koordinierte Kampagne der Schikane“ gegen britische Diplomaten.
Die Beziehungen zwischen Großbritannien und Russland hatten nach dem Beginn
der russischen Offensive in der Ukraine vor mehr als vier Jahren einen
Tiefpunkt erreicht. Vielfach wurden in den vergangenen Jahren gegenseitig
Diplomaten ausgewiesen. Erst im Februar entzog das Außenministerium in
London einem russischen Diplomaten die Akkreditierung und reagierte damit
auf eine entsprechende Maßnahme der russischen Seite einen Monat zuvor.
## Kyjiw kritisiert Äußerungen von Rheinmetall-Chef
ap | Als abschätzig empfundene Äußerungen von Rheinmetall-Chef Armin
Papperger über die Herstellung von Drohnen in der Ukraine sind von der
Regierung in Kiew scharf kritisiert worden. Präsident Wolodymyr Selenskyj
bezeichnete Pappergers Aussagen am Montag als „eigenartig“. Der Chef des
deutschen Rüstungskonzerns hatte in einem Interview der Zeitschrift The
Atlantic gesagt, die Drohnenproduktion in der Ukraine komme eher dem
Legospielen gleich, und „Hausfrauen mit 3D-Druckern in der Küche“ würden
dort die Fluggeräte herstellen. „Das ist keine Innovation.“
„Wenn wirklich jede ukrainische Hausfrau Drohnen bauen kann, dann könnte
jede ukrainische Hausfrau auch Geschäftsführerin von Rheinmetall sein“,
sagte Selenskyj Reportern in einer Sprachnachricht auf WhatsApp. „Ich
gratuliere unserem Rüstungskomplex dazu, dass er ein so hohes Niveau
erreicht hat.“
Zuvor hatten auch schon viele in den sozialen Medien unter dem Hashtag
#MadeByHousewives (von Hausfrauen hergestellt) ihrer Empörung über die
Aussagen Pappergers Luft gemacht. Die ukrainische Ministerpräsidentin Julia
Swyrydenko würdigte die Rolle der ukrainischen Frauen beim Abwehrkampf
gegen Russland. „Die ukrainischen Frauen sind in der Tat ein wesentlicher
Bestandteil der Kriegsanstrengungen der Ukraine und der Sicherheit
Europas“, schrieb sie am Sonntagabend auf X. „Sie haben mutig viele
Bereiche betreten, die einst als männerdominiert galten, und bringen
Energie, Disziplin und Entschlossenheit mit.“
Auch Selenskyj-Berater Alexander Kamyschin schrieb auf X, die ukrainischen
Frauen trügen in der Rüstungsindustrie viel zum Kriegserfolg bei. „Sie
verdienen Respekt.“ [2][Rheinmetall] ruderte nach dem Interview zurück und
teilte am Sonntag auf X mit, das Unternehmen habe äußersten Respekt für den
Einsatz der Ukrainerinnen und Ukrainer bei der Verteidigung ihres Landes.
## Selenskyj schlägt Moskau Stopp der gegenseitigen Angriffe auf
Energieanlagen vor
afp | Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Moskau angesichts
des durch den Irankrieg ausgelösten Anstiegs der weltweiten Ölpreise einen
Stopp der gegenseitigen Angriffe auf Energieanlagen vorgeschlagen. Wenn
Russland zum Stopp seiner Angriffe auf ukrainische Energieanlagen bereit
sei, werde die Ukraine auch nicht mehr mit Angriffen auf den russischen
Energiesektor antworten, sagte Selenskyj am Montag vor Journalisten.
Der ukrainische Staatschef sagte, er habe kürzlich „Signale“ von einigen
Partnerländern erhalten, „dass wir unsere Angriffe gegen den russischen
Ölsektor reduzieren“ sollen.
Der inzwischen seit über vier Wochen andauernde US-israelische Krieg gegen
den Iran hat die Ölpreise in die Höhe schießen lassen. US-Präsident Donald
Trump hat deswegen die Sanktionen gegen Russland etwas gelockert.
Allerdings erlaubte er nur den Kauf russischen Öls, das sich bereits auf
dem Seeweg befindet – und dies bis zum 11. April.
Die Ukraine hatte in den vergangenen Wochen ihre Luftangriffe auf russische
Ölanlagen verstärkt. Russland attackiert im Zuge seines seit mehr als vier
Jahren andauernden Angriffskrieges gegen das Nachbarland immer wieder die
ukrainische Energie-Infrastruktur.
## Zentrum russischer Drohnenindustrie angegriffen
dpa | Die südrussische Stadt Taganrog, wichtig für die Moskauer
Drohnenkriegsführung, ist nach Behördenangaben massiv von ukrainischen
Kampfdrohnen angegriffen worden. Dabei habe es einen Toten und acht
Verletzte gegeben, berichtete Bürgermeisterin Swetlana Kambulowa der
staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge.
Sie sprach von Schäden an zahlreichen Wohnhäusern und drei nicht näher
bezeichneten Unternehmen. In der Stadt am östlichen Ende des Asowschen
Meeres gibt es ein Flugzeugwerk und zwei Fabriken, die Drohnen und
Drohnenteile herstellen. Telegramkanäle berichteten unter Berufung auf
Augenzeugen von einem stundenlangen Einsatz der Flugabwehr in Taganrog.
Auch eine Schule sei beschädigt worden.
Über Taganrog und sechs anderen Landkreisen des Gebietes Rostow seien in
der Nacht mehr als 60 Drohnen abgefangen worden, teilte Gouverneur Juri
Sljussar mit. Dazu zählte auch der Landkreis Millerowo. Von der dortigen
Luftwaffenbasis startet die russische Armee oft Kampfdrohen zu Angriffen
auf die Ukraine. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau teilte
mit, insgesamt seien in der Nacht 102 ukrainische Drohnen ausgeschaltet
worden.
## Ein Toter bei Drohnenangriff in Region Rostow
afp | Bei einem Drohnenangriff auf die Hafen- und Industriestadt Taganrog
in der Region Rostow im Südwesten Russlands an der Grenze zur Ukraine ist
nach Angaben der Bürgermeisterin Swetlana Kambulowa ein Mensch getötet
worden. Bei dem Angriff seien acht weitere Menschen verletzt und
Wohnhäuser, öffentliche Einrichtungen und Industrieanlagen durch
herabstürzende Trümmer einer Drohne beschädigt worden, teilte Kambulowa am
Montag im Onlinedienst Telegram mit.
In der südwestrussischen Stadt Krasnodar wurden dem Bürgermeister zufolge
drei Menschen bei Drohnenangriffen verletzt, darunter zwei Kinder. In der
westrussischen Grenzregion Belgorod wurden zwei Frauen in kritischem
Zustand ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem „Drohnen der ukrainischen
Streitkräfte“ Fahrzeuge getroffen hatten, wie der Regionalgouverneur
Wjatscheslaw Gladkow im Onlinedienst Telegram mitteilte. Die
Rettungsdienste würden eines der Fahrzeuge bei Tageslicht untersuchen, um
zu prüfen, ob sich weitere Menschen an Bord befanden, fügte er hinzu.
## Kreml-Sprecher: Keine Mobilmachung geplant
rtr | In Russland ist nach Angaben des Präsidialamts keine militärische
Mobilmachung geplant. „Diese Frage steht nicht auf der Agenda“, sagt
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Präsident Wladimir Putin hatte im September
2022 die erste Teilmobilmachung des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg
angeordnet. Der damalige Verteidigungsminister Sergei Schoigu sprach zu
dem Zeitpunkt von 300.000 Reservisten, die eingezogen werden sollten.
Daraufhin mehrten sich die Anzeichen für eine Absetzbewegung von Russen
im wehrfähigen Alter. Über eine weitere Mobilisierung in Russland ist
seitdem wiederholt spekuliert worden.
## Selenskyj: Offen für Oster-Waffenruhe
rtr | Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigt sich offen für
eine Waffenruhe über Ostern. Selenskyj erklärt dies in einem WhatsApp-Chat
mit Journalisten.
30 Mar 2026
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