# taz.de -- Russischer Drohenangriff auf Luzk: Terror gegen Zivilbevölkerung in der Westukraine
       
       > Russische Drohnen griffen am Mittwoch die Stadt Luzk an. In einem
       > Industriegebiet brachen Feuer aus, auch Wohnungen wurden zerstört.
       
 (IMG) Bild: Nun ist auch die Westukraine im Fadenkreuz der russisch gelenkten und aus iranischer Produktion stammenden Drohnen
       
       „Die Stadt ist voller Rauch. Die Anwohner werden gebeten, sich möglichst
       wenig im Freien aufzuhalten, Fenster und Türen fest zu schließen und bei
       Bedarf Schutzausrüstung zu verwenden“. So warnte die Stadtverwaltung von
       Luzk, keine 100 Kilometer von der EU-Außengrenze entfernt, seine gut
       200.000 Einwohner vor der Gefahr.
       
       Am Morgen des 1. April wurden die Luzker wieder einmal durch Luftalarm, das
       Heulen der Shahed-Drohnen und die Schüsse der Luftabwehr geweckt. Zehn
       russische Drohnen griffen das Industriegebiet der Stadt an. An mehreren
       Stellen brachen Feuer aus. Der größte ukrainische Postdienst, Nova Poshta,
       gab die Zerstörung seines Lagers bekannt. Zum zweiten Mal in diesem Jahr
       wurde ein Lagerhaus für Lebensmittel einer lokalen Supermarktkette
       getroffen. Die reagierte mit Humor und kündigte an, dass zum 1. April
       „schwarze Marken-Hamburger“ im Angebot seien, womit sie auf Brände und
       Rauch anspielten.
       
       In Luzk gab es diesmal keine Toten und Verletzten. Zwar ist die Stadt
       verrußt, doch das Leben geht weiter. Die Menschen arbeiten, gehen zur
       Schule, fahren Auto und betreiben Handel. Aber die Einwohner ziehen doch
       langsam ihre Lehren aus früheren russischen Terrorangriffen und gehen bei
       Luftalarm in die Schutzräume.
       
       ## Russischer Terror gegen ukrainische Zivilisten verstärkt
       
       [1][Bereits 2025 gab es in der Stadt ganz im Westen der Ukraine mehrere
       Raketen- und Drohnenangriffe]. Doch in diesem Jahr verschärften die Russen
       den Terror gegen die Zivilbevölkerung drastisch. [2][Am 24. März griffen
       mehrere hundert Drohnen der Russischen Föderation die Zentren anderer
       westukrainischer Städte wie Lwiw], Ternopil, Iwano-Frankiwsk und Winnyzja
       an.
       
       Die Journalistin der Zeitung Rayon.Lutsk, Iryna Dimitrova, ist bereits zum
       dritten Mal Opfer russischer Angriffe geworden. Trümmer einer
       abgeschossenen Drohne fielen auf den Balkon ihrer Wohnung. Glücklicherweise
       konnte das Feuer schnell gelöscht werden.
       
       2022 wurde ihre Wohnung in Donezk getroffen, das sie bereits früher
       verlassen hatte. 2024 gab es einen Angriff auf Kurachowe, eine Kleinstadt
       im Donbass, in der sie damals lebte. Und am 1. April überlebte sie mit
       ihrem Sohn in Luzk im Keller des Hauses, in dem sie eine Wohnung gemietet
       hat.
       
       „Den Schock habe ich noch nicht überwunden, es ist schwierig, in die
       Wohnung zu kommen oder dort gar zu schlafen. Vielleicht können wir bei
       Bekannten unterkommen. Ich rate sehr dazu, Luftschutzräume aufzusuchen“,
       sagt Iryna.
       
       ## Ziel ist die Zermürbung der Ukrainer
       
       Das ukrainische Militär geht davon aus, dass Drohnenangriffe dieser Art
       weitergehen werden. „Die Angriffe werden nicht auf militärische Ziele,
       sondern auf die Grundbedürfnisse der Zivilbevölkerung abzielen: Strom,
       Wasser, Wohninfrastruktur. Deshalb muss man auf alles vorbereitet sein. Wir
       halten durch, und ihr haltet auch durch. Passt auf euch auf, unterstützt
       eure Angehörigen, helft den Soldaten“, schrieb der Soldat Stanislaw „Osman“
       Bunjatow in seinem Telegram-Kanal.
       
       Seinen Worten zufolge seien die Kommandeure der russischen
       Besatzungstruppen „etwas nervös“. An der Front versuchen die Russen, die
       Frontlinie mit mechanisierten Vorstößen zu durchbrechen, im Hinterland
       hingegen die Angriffe auf die Zivilbevölkerung auszuweiten. Ziel sei, die
       Ukrainer zu zermürben, um sie dazu zu bringen, den Krieg um jeden Preis
       beenden zu wollen.
       
       Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den neuen massiven nächtlichen
       Angriff der Russen im Westen der Ukraine als Reaktion auf diplomatische
       Bemühungen.
       
       In seinen sozialen Netzwerken schrieb er: „Wir haben zu Ostern einen
       Waffenstillstand vorgeschlagen – sie antworten mit Shahed-Drohnen. Wir
       haben den Waffenstillstand besonders in Bezug auf Energieanlagen
       vorgeschlagen, aber die Russen ignorieren das und versuchen erneut, unsere
       Umspannwerke und Transformatoren anzugreifen.“
       
       Aus dem Ukrainischen Gaby Coldewey
       
       1 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Russische-Angriffe/!6096064
 (DIR) [2] /Drohnenangriff-auf-Lwiw/!6165731
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Juri Konkewitsch
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Luftangriffe
 (DIR) Drohnenangriffe
 (DIR) Infrastruktur
 (DIR) EU-Außengrenzen
 (DIR) GNS
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Feuerpause zu Ostern: 32 Stunden Pause, hoffentlich
       
       Russland will zum orthodoxen Ostern für kurze Zeit seine Angriffe auf die
       Ukraine aussetzen. Am Samstag kam es zu einem Austausch von
       Kriegsgefangenen.
       
 (DIR) Odessa unter den russischen Angriffen: Der Feind spricht Russisch. Ist Russisch ein Feind?
       
       Die ukrainische Metropole am Schwarzen Meer ist Ziel intensiver russischer
       Angriffe. Der Umgang mit allem Russischen ist Dauerstress. Oder doch nicht?
       
 (DIR) +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Russland ändert Taktik
       
       Das russische Militär fährt am Karfreitag einen großangelegten Luftangriff.
       Dabei sind in der Ukraine mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen.
       
 (DIR) Russische Verbrechen in der Ukraine: Viele kleine Butschas
       
       Vor vier Jahren massakrierten russische Soldaten Einwohner der Stadt
       Butscha. Russland macht bis heute weiter Jagd auf Zivilisten.
       
 (DIR) Krieg in der Ukraine: Selenskyj verkauft Drohnen an die Golfstaaten
       
       Die Ukraine schließt Abkommen für die Rüstungsindustrie in der Golfregion.
       Die Vereinbarungen sind auch eine Folge der schwierigen US-Beziehungen.
       
 (DIR) Drohnenangriff auf Lwiw: Unesco-Welterbe unter russischem Beschuss
       
       Eine russische Drohne schlug Dienstag im historischen Stadtzentrum von Lwiw
       ein. Es gab 27 Verletzte, ein Wohnhaus neben der St.-Andreas-Kirche stand
       in Flammen.