# taz.de -- Miss-Germany-Finalistin im Hijab: Demnächst in „AfD blue“
       
       > Büsra Sayed trägt Hijab und kam ins Miss-Germany-Finale. Eine Attacke der
       > AfD-Politikerin Beatrix von Storch kontert sie mit einem Gag im Internet.
       
 (IMG) Bild: Die neun Finalistinnen des Miss-Germany-Wettbewerbs 2026, im Vordergrund Büsra Sayed
       
       Büsra Sayed hat sich vorgenommen, Hass mit Liebe zu beantworten – und mit
       Humor. Entsprechend alt lässt die 27-jährige Modeunternehmerin die
       [1][AfD-Politikerin Beatrix von Storch] aussehen.
       
       Sayed, aufgewachsen im niedersächsischen Georgsmarienhütte, hat mit einem
       Video auf der Internetplattform Instagram auf eine Rede von Storchs im
       Bundestag geantwortet. Die AfD-Abgeordnete hatte das Menetekel einer
       Islamisierung Deutschlands an die Wand gemalt, weil zwei Teilnehmerinnen
       des diesjährigen Miss-Germany-Finales das Kopftuch trugen.
       
       Die AfD macht ja selbst gerne Reels und entsprechend wird von Storchs Rede
       präsentiert: „Wo das Kopftuch ist, sind die Jihadisten nicht weit“, beginnt
       der Ausschnitt und dann weiter: „Von neun Finalistinnen trugen zwei Hijab –
       Hijab im Miss-Germany-Finale“, empört sich von Storch.
       
       Den Hijab, der Kopf, Hals und einen Teil des Oberkörpers bedeckt, trug zwar
       nur Sayed, eine weitere bloß ein Kopftuch – aber sei’s drum. Storch fand,
       Sayeds ganze Bekleidung entspreche „komplett der Fatwa des islamischen
       Instituts für Forschung und Recht in Saudi-Arabien“, wonach auch die
       Gliedmaßen der Frau bedeckt sein müssten.
       
       ## Von Storchs düstere Prognose
       
       „Die Frau verschwindet in einem Sack“, warnte von Storch, um sich dann
       einer düsteren Prognose zuzuwenden: „Wenn im Jahr 2030 die erste Frau mit
       Burka Miss Germany wird, werden die Grünen über die Sichtbarkeit der
       muslimischen Frau im öffentlichen Raum jubeln.“
       
       So richtig angesehen hat sich Frau von Storch das Miss-Germany-Finale
       offenbar nicht. Denn Büsra Sayed – von Storch zufolge „eine echte
       Hijab-Aktivistin“ – betrat zwar vollständig bekleidet die Bühne, aber
       bemerkenswert elegant und durchaus körperbetont. Und eine Aktivistin ist
       Sayed tatsächlich: Sie hat aus dem Hijab ein Geschäft gemacht.
       
       Vor drei Jahren machte sie sich mit dem Kreieren und Verkaufen stylischer
       Hijabs selbstständig. Der Vertrieb läuft übers Internet, wo sie das Ganze
       mit lustigen Videos unterstützt, die an ihre Reels als Spaßvogel anknüpfen.
       
       Darin persifliert sie Doppelmoral und Diskriminierung – etwa als aus der
       Zeit gefallener Lehrer mit blondem Wallehaar, der Büsra wie
       selbstverständlich nicht korrekt als „Büschra“ ausspricht und der
       Kopfbedeckungen im Sportunterricht als Sicherheitsrisiko betrachtet, obwohl
       er selbst eine Kappe trägt.
       
       Dabei hat die Kunstfigur aber nicht mit dem Fitjab gerechnet. Neben den
       modischen hat Sayed auch einen funktionalen Hijab im Angebot für Frauen,
       „die beim Sport und im Alltag selbst entscheiden möchten, wie viel Halt und
       Komfort sie brauchen“ – atmungsaktiv, weich und elastisch. „Die Modebranche
       übersieht diese Nische“, sagte Sayed einem Interview mit dem NDR.
       
       Als Miss Germany habe sie sich beworben, „um zu zeigen: hey, eine deutsche
       Frau kann auch so wie ich aussehen“, sagte Sayed. [2][Bei dem Wettbewerb
       geht es seit einigen Jahren nicht mehr darum, eine Bikinifigur zu haben],
       sondern um das „Empowerment“ von Frauen, also darum Frauen dabei zu helfen,
       ihre Talente zu entfalten.
       
       Dafür gibt es die Kategorien mover, leader und founder, wo bei Sayed als
       Gründerin angetreten ist. Was es bedeute, Founder zu sein, sagte sie bei
       einer kurzen Präsentation im Wettbewerb. „Es ging mir nicht nur um
       Produkte, sondern darum Verantwortung zu übernehmen in einem System, das
       Frauen selten vertraut und noch seltener Fehler verzeiht.“
       
       Die Aufmerksamkeit der AfD dürfte ihrer „modest fashion“-Marke eher
       aufhelfen als schaden. „Meine Freundin Beatrice von der AfD macht zum
       ersten Mal Werbung für mich und meine Brand im Bundestag, deshalb seid
       gefälligst nett zu ihr“, [3][beginnt Sayeds Reel], in dem sie auf einem
       Laptop von Storchs Rede zeigt und gestenreich untermalt.
       
       Natürlich muss dabei auch was für sie herausspringen, wenn schon kein
       Geschäft, dann wenigstens ein Gag auf Storchs Kosten. „Das war ihre erste
       Kooperation“, sagt Sayed, „deshalb hat sie den Rabattcode vergessen: AfD
       10.“ Zehn Prozent Rabatt für alle Hijabs – „auch in der Lieblingsfarbe
       meiner Freundin [4][Alice 'AfD] blue'“.
       
       28 Mar 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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