# taz.de -- Verhandlungen zwischen USA und Iran: Der Mann mit den vielen Gesichtern
> Könnte er der Ansprechpartner bei möglichen Verhandlungen über ein
> Kriegsende sein? Irans Parlamentspräsident Ghalibaf gilt als pragmatisch
> – und brutal.
(IMG) Bild: Bei Anti-Regime-Protestierenden ist er nicht beliebt: Ghalibaf auf einem brennenden Poster, Israel, 14. Januar 2026
Mohammad Bagher Ghalibaf ist im iranischen Volksmund als Mann mit tausend
Gesichtern bekannt: Er war Kommandant der Revolutionsgarden, Pilot,
Universitätsprofessor, Sicherheitsexperte, Parlamentspräsident – und nun
vielleicht bald diplomatischer Unterhändler mit den USA.
Er stehe in Kontakt mit einem „hochrangigen Mann“, einer der
„angesehensten“ Personen des Landes, sagte US-Präsident Donald Trump
jüngst. Und meinte damit offenbar Ghalibaf. Über mögliche laufende
Gespräche zwischen den USA und Iran herrscht zwar weiter Unklarheit: Das
iranische Regime dementiert direkte oder indirekte Gespräche mit der
Trump-Regierung. Doch laut New York Times sowie israelischen Medien soll
Iran via der pakistanischen Regierung ein Plan für das Ende des Krieges
unterbreitet worden sein.
Wer ist der Mann, den die USA als potenziellen Gesprächspartner zu
betrachten scheinen? Ghalibaf stammt, [1][wie der getötete Oberste Führer
Ali Chamenei, aus Maschhad]. Darin liegt der Schlüssel seines Aufstiegs.
Zum Zeitpunkt der Revolution 1979 war er 17 Jahre alt und schloss sich
später zunächst den Basidsch an. Von dieser paramilitärischen Gruppe
wechselte er später zu den Revolutionsgarden. Studium oder Beruf kamen
damals nicht infrage: Es begann der achtjährige Krieg mit Irak, Ghalibaf
ging an die Front. Später führte er Krieg gegen die für ihre Autonomie
kämpfenden Kurden im Land.
Bei den Garden machte er schnell Karriere: Schon als Jugendlicher kannte er
Ali Chamenei, wich nie von seiner Seite, wurde schließlich einer seiner
treuesten Männer für heikle Momente. Auch mit [2][Ali Chameneis Sohn
Modschtaba, dem jetzigen Obersten Führer], ist er befreundet. Seine jetzige
Stellung als Parlamentspräsident verdankt er dem alten Chamenei.
## Ghalibaf ließ [3][Proteste in Iran brutal niederschlagen]
In der Bevölkerung ist er berüchtigt: Acht Jahre lang war er Polizeichef
Irans. Aus dieser Zeit stammt seine berühmt gewordene „Zangentaktik“, mit
der er die großen Studentenproteste von 1999 brutal niederschlug. Nach den
Protesten erklärte er im Jahr 2013 öffentlich: „Ich gehörte zu denen, die
auf der Straße Schläge austeilten, und darauf bin ich stolz.“
Dass die USA in Ghalibaf wohl trotzdem einen potenziellen
Verhandlungspartner erkennen, hat Gründe: Er ist kein Prinzipienreiter,
fähig zu vielen Kompromissen – wenn sie seine Stellung innerhalb des
Systems nicht zu sehr gefährden. Doch er ist kein guter Redner und wird
deshalb Schwierigkeiten haben, schmerzliche Zugeständnisse – die er
sicherlich machen müsste – öffentlich zu rechtfertigen.
## Verwirrung in Iran: Kommen die Verhandlungen?
Auf die Behauptung Trumps, es gebe Gespräche zwischen den USA und Iran,
sprach Ghalibaf von „Fake News“. Diese würden „genutzt, um [4][die Finanz-
und Ölmärkte zu manipulieren“.]
Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim schreibt:
Weil Trump unfähig sei, sein Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus
durchzusetzen, habe er eine verbale „Zeitbombe“ gezündet, um Verwirrung zu
stiften. Diese „Bombe“ über eine angeblich heimliche Verhandlung sei aber
fehlgeschlagen. Nicht nur, weil Ghalibaf, sondern auch andere Organe des
Landes dies dementiert hätten.
Doch die Verwirrung ist längst da. Ist Ghalibaf der Verhandler? Und wenn:
Hat er die Macht sich im Inneren durchzusetzen?
25 Mar 2026
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