# taz.de -- Machtmissbrauch im Heimatministerium NRW: Schwere Vorwürfe gegen NRW-Ministerin Ina Scharrenbach
       
       > Angst, Druck, Gebrüll: Der Führungsstil von NRW-Heimatministerin soll
       > krank machen. Das wird zunehmend zum Problem für Ministerpräsident
       > Hendrik Wüst.
       
 (IMG) Bild: Hier sieht alles friedlich aus: Ina Scharrenbach und Hendrik Wüst (beide CDU) im Plenum des Landtags
       
       Es ist kein leichter Gang, den Ina Scharrenbach am Freitag antreten muss:
       Die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung in
       Nordrhein-Westfalen muss sich ab 13.30 Uhr im Bauausschuss des Landtags
       quälenden Fragen stellen. Einziger Tagesordnungspunkt der Sondersitzung:
       „Machtmissbrauch im NRW-Heimatministerium – Diese Frau hat mich zerstört“.
       
       Unter diesem Titel hatte der Spiegel [1][über den Führungsstil Scharrenbach
       berichtet] – und seitdem hält die „Machtmissbrauchs-Affäre“ das politische
       Düsseldorf in Atem. Ein knappes Dutzend meist männliche Beamte berichteten
       von einer Ministerin, die sie anschreie, bloßstelle, Angst und Schrecken
       verbreite – und krank mache.
       
       Scharrenbach pflege „gesundheitsschädigende Umgangsformen“, sollen
       Mitarbeitende in einem dienstlichen Vermerk festgehalten haben, in dem sie
       um Hilfe bitten und der längst die Staatskanzlei von Scharrenbachs Chef,
       CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst, erreicht hat. Es bestehe die Sorge,
       manche könnten „dem Druck und der täglichen Angst nicht mehr lange
       standhalten“, sich gar „etwas antun“.
       
       Die Frage, seit wann genau Wüst und sein engster Mitarbeiter,
       [2][Staatskanzleichef Nathanael Liminski], von den Vorwürfen wissen und
       warum sich Scharrenbachs Führungsstil offensichtlich nicht ändern ließ,
       will die Landesregierung nicht beantworten. Klar ist aber: Auch
       Regierungschef Wüst kannte die Vorwürfe offenbar seit Monaten – oder gar
       Jahren.
       
       „Mit Ministerin Scharrenbach“ habe es „in dieser Legislaturperiode immer
       wieder einen Austausch seitens der Staatskanzlei und des
       Ministerpräsidenten unter anderem auch zu Eingaben oder Kritik von
       Beschäftigten oder Personalvertretern gegeben“, so ein Sprecher der
       Regierungszentrale. Dabei sei es „seitens der Staatskanzlei auch um
       Hinweise zum wahrgenommenen Führungsverhalten in der Hausleitung des
       Ministeriums“ gegangen.
       
       ## Scharrenbach übt sich in Selbstkritik
       
       Scharrenbach, die alle Vorwürfe zunächst rundweg abstreiten ließ, übt sich
       mittlerweile in Selbstkritik. Sie habe hohe Ansprüche vor allem an sich
       selbst, schreibt die Ministerin in einer hausinternen Intranet-Meldung an
       ihre Mitarbeitenden. „Umso betroffener“ hätten sie die „Vorwürfe zur
       Führungskultur in meinem Haus gemacht“. Sie nehme dies „sehr ernst“,
       schreibt sie weiter: „Ich nehme diese Kritik an.“
       
       Völlig zur Unzeit kommt für die Christdemokratin deshalb ein Brief des
       Präsidenten des Landesbetriebs Information und Technik Nordrhein-Westfalen
       (IT.NRW), Oliver Heidinger, an Scharrenbachs Staatsseketär Daniel Sieveke.
       Die Darstellung der Ministerin, sie habe mit ihrem harschen Führungsstil
       nur das Landeswohl im Blick gehabt, sei „blanker Hohn“, schreibt der als
       belastbar geltende Ex-Offizier des Sanitätsdiensts der Bundeswehr.
       
       Vielmehr habe Scharrenbach selbst externen Dienstleistern gegenüber
       kundgetan, dass „sie mich als Präsident des Landesbetriebs IT NRW scheitern
       sehen will, damit sie mich endlich absetzen könne“, klagt Heidinger. Dazu
       seien Anwälte auf seine Arbeit angesetzt, Budgets gekürzt und Rechnungen
       nicht bezahlt worden, so der Spitzenbeamte.
       
       Scharrenbach, als Landesparteivize, Chefin der Frauen-Union NRW und
       Mitglied des CDU-Bundespräsidiums bestens vernetzt, ist damit längst zum
       [3][Problem für Ministerpräsident Wüst geworden.] Sein Image als Chef einer
       effektiv und harmonisch arbeitenden schwarz grünen Koalition gilt als
       zerstört – stattdessen bietet seine Regierung zumindest auf Arbeitsebene
       das Bild tiefster Zerrüttung.
       
       Zwar hält Wüst derzeit noch an Scharrenbach fest. Doch die oppositionelle
       SPD fordert längst einen Sonderermittler, der die Affäre untersuchen soll –
       bis dahin solle die Ministerin „ihr Amt ruhen lassen“, sagt die
       parlamentarische Geschäftsführerin der Sozialdemokraten, Ina Blumenthal –
       und droht mit einem Untersuchungsausschuss des Landtags. Unterstützung
       bekommt sie davon auch von FDP-Fraktionsvize Ralf Witzel: „Je mehr jetzt
       ans Tageslicht kommt, umso wahrscheinlicher wird die Notwendigkeit, sich in
       einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss darüber zu unterhalten.“
       
       26 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/nrw-ministerin-ina-scharrenbach-mitarbeiter-klagen-ueber-machtmissbrauch-diese-frau-hat-mich-zerstoert-a-f1d5891c-34a5-45ab-87b7-7a03f9aa671f
 (DIR) [2] /Regierungsbildung-in-NRW/!5864655
 (DIR) [3] /Kommunalwahl-in-Nordrhein-Westfalen/!6113686
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Wyputta
       
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