# taz.de -- Vorwürfe gegen NRW-Ministerin: Hat sie gemobbt – oder nur zu selten Danke gesagt?
       
       > Im Landtag weist NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach jeden
       > Machtmissbrauch-Vorwurf zurück. Die Christdemokratin will um ihr Amt
       > kämpfen.
       
 (IMG) Bild: Ina Scharrenbach (CDU) bei der Sondersitzung des Bauausschusses im Landtag Nordrhein-Westfalen
       
       Ina Scharrenbach spricht leise, kaum verständlich, scheint den Tränen nah:
       In einem emotionalen Auftritt hat Nordrhein-Westfalens CDU-Ministerin für
       Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung im Düsseldorfer Landtag
       sämtliche [1][Mobbing- und Machtmissbrauchs-Vorwürfe] gegen sich selbst
       zurückgewiesen. „Wer mich kennt“, flüstert Scharrenbach fast, „weiß, dass
       ich noch nie in meinem Leben einen Menschen habe scheitern sehen wollen.“
       Und: „Ich fühle das nicht, ich denke das nicht, ich handele danach nicht“,
       presst die als selbstbewusst geltende 49-Jährige heraus.
       
       Kontern will Scharrenbach damit unter anderem die Vorwürfe des Präsidenten
       des Landesbetriebs Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW),
       Oliver Heidinger. Der Spitzenbeamte wirft seiner Vorgesetzten vor, seine
       Arbeit gezielt torpediert und an seinem beruflichen Aus gearbeitet zu
       haben. Externen Dienstleistern gegenüber habe die Christdemokratin erklärt,
       dass „sie mich als Präsident des Landesbetriebs IT NRW scheitern sehen
       will, damit sie mich endlich absetzen könne“, klagt Heidinger in einem
       Brief an Scharrenbachs Staatssekretär Daniel Sieveke.
       
       Dazu kommen massive Klagen eines knappen Dutzends Beamter, über die zuerst
       der [2][Spiegel] berichtet hatte: Scharrenbach verbreite in ihrem
       Ministerium ein Klima von Angst und Schrecken, brülle herum, stelle
       Mitarbeitende bloß. In einem dienstlichen Vermerk an die Staatskanzlei von
       Scharrenbachs Chef, [3][CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst], sei von
       „gesundheitsschädigenden Umgangsformen“ berichtet worden, die so gravierend
       seien, dass Mitarbeitende sich „etwas antun“ könnten.
       
       Doch von Mobbing und Machtmissbrauch will Scharrenbach am Freitagnachmittag
       vor dem im SPD-Fraktionssaal tagenden Bau-Fachausschuss des Landtags nicht
       sprechen. Immer wieder flüchtet sie auf die Sachebene, spricht über die
       Wichtigkeit der digitalen Vernetzung der Landesverwaltung. Zumindest
       indirekt zeichnet sie damit das Bild träger Beamter, die ihren Ansprüchen
       nicht schnell genug folgen wollten.
       
       ## Zu wenig Danke gesagt
       
       Ausdrücklich dankt Scharrenbach ihrem neben ihr sitzenden Staatssekretär
       Daniel Sieveke, der wie sie selbst wegen der Vorwürfe nicht mehr schlafe.
       Dass Sieveke, von ihr zum „Chief Information Officer“ des Landes ernannt,
       im Jahresbericht 2025 des Landesrechnungshofs als machtlose Marionette
       charakterisiert wird, die „keine eigenständigen Entscheidungen treffen“
       könne, erwähnt die Ministerin nicht.
       
       Wüsts Regierungszentrale bestätigt schriftlich, dass Scharrenbach vom Chef
       der Staatskanzlei, Nathanael Liminski, und auch von Wüst selbst immer
       wieder auf ihr Führungsverhalten angesprochen worden sei. Fragen danach
       weicht Scharrenbach aus. Auch den dienstlichen Vermerk mit dem Hilferuf an
       Wüst, nach dem Oppositionsabgeordnete wie der Sozialdemokrat Christian Dahm
       im Laufe der Sitzung immer wieder fragen, will sie nicht kennen.
       
       Man spreche in der Landesregierung „regelmäßig miteinander“, sagt die
       Ministerin stattdessen: „Das ist doch völlig normal“, wiegelt die
       Christdemokratin ab – und tritt im Verlauf der Ausschusssitzung zunehmend
       offensiver auf: „Es wäre besser gewesen, Sie würden einmal zuhören“, fährt
       sie die SPD-Abgeordneten an.
       
       „Im täglichen Doing“, sage sie vielleicht „zu wenig Danke“, räumt
       Scharrenbach ein. Suizidale Gedanken ihrer Mitarbeitenden seien dagegen nie
       Thema in Gesprächen mit dem Ministerpräsidenten gewesen. Die hätten sie auf
       jeden Fall alarmiert, versichert Scharrenbach, die sich als „gläubige
       Christin“ beschreibt – schließlich sei sie davon in ihrer „Familie selbst
       betroffen“.
       
       Der Opposition reicht das nicht. SPD und FDP drohen mit einem
       parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Die Sozialdemokraten haben dem
       Ministerpräsidenten außerdem ein Ultimatum gesetzt: Bis zum Ende der
       Osterferien solle Wüst zustimmen, dass ein „Sonderermittler“ die
       Machtmissbrauchsvorwürfe untersucht – bis dahin müsse Scharrenbach ihr Amt
       ruhen lassen. „Niemand“, sagt der SPD-Abgeordnete Dahm, „kann Aufklärer in
       eigener Sache sein.“
       
       29 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Machtmissbrauch-im-Heimatministerium-NRW/!6166216
 (DIR) [2] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/fall-ina-scharrenbach-staatskanzlei-von-hendrik-wuest-weiss-seit-mehr-als-einem-jahr-bescheid-a-00bf90c8-5c4b-43bc-8c95-d155d06a9a42
 (DIR) [3] /Hendrik-Wuest/!t5810297
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Wyputta
       
       ## TAGS
       
 (DIR) NRW
 (DIR) Nordrhein-Westfalen
 (DIR) Hendrik Wüst
 (DIR) Mobbing
 (DIR) NRW
 (DIR) FDP
 (DIR) Mobbing
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Affäre um Machtmissbrauch in NRW: SPD beharrt auf Aufklärung
       
       CDU-Regierungschef Wüst will trotz Mobbingvorwürfen an seiner Ministerin
       Ina Scharrenbach festhalten. Die SPD droht mit einem
       Untersuchungsausschuss.
       
 (DIR) Chaostage bei der FDP: Das liberale Finale kommt Ende Mai
       
       Im Streit um die künftige Führung der FDP will Wolfgang Kubicki plötzlich
       doch die Partei retten – und trifft auf NRW-Landtagsfraktionschef Höne.
       
 (DIR) Machtmissbrauch im Heimatministerium NRW: Schwere Vorwürfe gegen NRW-Ministerin Ina Scharrenbach
       
       Angst, Druck, Gebrüll: Der Führungsstil von NRW-Heimatministerin soll krank
       machen. Das wird zunehmend zum Problem für Ministerpräsident Hendrik Wüst.