# taz.de -- Affäre um Machtmissbrauch in NRW: SPD beharrt auf Aufklärung
> CDU-Regierungschef Wüst will trotz Mobbingvorwürfen an seiner Ministerin
> Ina Scharrenbach festhalten. Die SPD droht mit einem
> Untersuchungsausschuss.
(IMG) Bild: Ministerin Ina Scharrenbach im März auf einer Sondersitzung in Düsseldorf zu Vorwürfen zu ihrem Umgang mit Mitarbeitern
Nach [1][massiven Mobbingvorwürfen gegen Nordrhein-Westfalens
CDU-Heimatministerin Ina Scharrenbach] beharrt die oppositionelle SPD auf
umfassender Aufklärung. „Ausdrücklich“ erneuere ihre Fraktion die
„Forderung nach Einsetzung einer unabhängigen Sonderermittlerin oder eines
unabhängigen Sonderermittlers“, heißt es in einem Brief der
Parlamentarischen Geschäftsführerin der SPD im Landtag, Ina Blumenthal, an
CDU-Regierungschef Hendrik Wüst. Bis zur Klärung der Vorwürfe müsse
Scharrenbach „ihr Amt ruhen lassen“, erklärte Blumenthal auf taz-Nachfrage
am Mittwoch.
Die Heimatministerin, die auch die Bereiche Kommunales, Bau und
Digitalisierung verantwortet, könne sich dazu von ihrem Staatssekretär
Daniel Sieveke „oder einer anderen Ministerin, einem anderen Minister“
vertreten lassen. Doch Ministerpräsident Wüst will an Scharrenbach, die als
Landesparteivize, Chefin der Frauen-Union NRW und Mitglied des
CDU-Bundespräsidiums bestens vernetzt ist, festhalten – und hat die
SPD-Forderungen durch den Chef seiner Staatskanzlei, Nathanael Liminski,
zurückweisen lassen.
Schließlich habe Scharrenbach „die geäußerte Kritik zum Anlass genommen,
konkrete Maßnahmen zu ergreifen“, heißt es in einem Schreiben Liminiskis,
das der taz vorliegt. Diese Kritik hat es in sich: Scharrenbach verbreite
Angst und Schrecken, brülle herum, mache krank. So stellte es ein knappes
Dutzend meist männlicher Beamter in anonymisierter Form dar, [2][zuerst
hatte der Spiegel berichtet].
Die 49-jährige Ministerin pflege „gesundheitsschädliche Umgangsformen“,
soll es in einem dienstlichen Vermerk heißen, der auch an Wüsts
Staatskanzlei gegangen sein soll. Auch der Chef des Landesbetriebs IT.NRW,
zuständig für die Digitalisierung der Landesverwaltung, hatte in einem
Brief an Staatssekretär Sieveke geklagt, Scharrenbach habe selbst gegenüber
externen Dienstleistern erklärt, sie wolle ihn „scheitern sehen“.
## Wer wusste wann was?
Scharrenbach hatte in einem tränenreichen Auftritt im Landtag zwar
Selbstkritik geübt, aber erklärt, [3][sie kenne die konkreten Vorwürfe
nicht]. Gleichzeitig kündigte sie an, das Arbeitsklima in ihrem Ministerium
verbessern zu wollen. Bei einer Personalversammlung versprach sie deshalb
etwa die Einführung eines anonymen Beschwerdetools und eine
Führungskräfteklausur.
Der SPD allerdings reicht das nicht. Sie will wissen, wann Wüst selbst oder
seine Staatskanzlei von wem über welche Vorwürfe informiert wurde. Dabei
seien sich die Sozialdemokrat:innen der „persönlichen Situation der
betroffenen Ministerin vollumfänglich bewusst“, schreibt die
Parlamentarische Geschäftsführerin Blumenthal an Wüst. Scharrenbach, die an
Krebs erkrankt ist, hatte dies [4][in einem Interview mit der Bunten]
selbst bekannt gemacht und mit den Worten „the show must go on“
kommentiert.
Die SPD wolle Aufklärung, aber „nicht eskalieren“, sagte Blumenthal –
deshalb sei genau die Forderung nach einer Sonderermittlerin angemessen.
Die Sozialdemokratin kontert damit auch Kritik des aus NRW stammenden
Parteifreunds und Bundestagsabgeordneten Serdar Yüksel. Der Chef der
Bochumer Sozialdemokrat:innen hatte [5][in der Westdeutschen
Allgemeinen] wohl auch mit Blick auf Scharrenbachs Erkrankung zu Fairness
aufgerufen und erklärt, „auch in einer harten politischen
Auseinandersetzung“ dürften „Respekt, Menschlichkeit und Anstand nicht
verloren gehen“.
Yüksel, bis 2025 Landtagsabgeordneter, sei mittlerweile „weit weg in
Berlin“, so Blumenthal dazu. Die SPD droht weiter mit einem
Parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Doch ob der die Vorwürfe
umfassend aufklären kann, ist fraglich: Im kommenden Jahr wird in NRW
gewählt – und damit würde auch die Arbeit des Ausschusses enden. Alternativ
könnten Wüst und sein Staatskanzleichef Liminski etwa in den Hauptausschuss
des Landtags zitiert werden.
16 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Machtmissbrauch-im-Heimatministerium-NRW/!6166216
(DIR) [2] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/nrw-ministerin-ina-scharrenbach-mitarbeiter-klagen-ueber-machtmissbrauch-diese-frau-hat-mich-zerstoert-a-f1d5891c-34a5-45ab-87b7-7a03f9aa671f
(DIR) [3] /Vorwuerfe-gegen-NRW-Ministerin/!6166928
(DIR) [4] https://www.bunte.de/panorama/politik/ina-scharrenbach-der-krebs-ist-ein-absolutes-biest_fb0d51b3-93c3-4184-9d1a-5901d71bbf0a.html
(DIR) [5] https://www.waz.de/politik/article411698146/fall-scharrenbach-spd-politiker-kritisiert-entwuerdigenden-umgang-mit-ministerin.html
## AUTOREN
(DIR) Andreas Wyputta
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