# taz.de -- Olympische Spiele in Hamburg: Olympia-Werbung des Senats verfängt nicht
       
       > Es gibt derzeit keine Mehrheit für eine Bewerbung. Auch die Fraktionen
       > haben ihre Haltung veröffentlicht und siehe da: Die Grünen haben ein
       > Problem.
       
 (IMG) Bild: Künstliche Stimmung für eine Olympia-Bewerbung: Drohnenshow über dem Hamburger Hafen
       
       Soll sich Hamburg um die Austragung Olympischer Spiele bewerben? Für ein
       Referendum, das diese Frage am 31. Mai beantworten soll, haben die
       Fraktionen der Bürgerschaft jetzt ihre Stellungnahmen vorgelegt.
       Unterdessen hat eine [1][repräsentative Meinungsumfrage des NDR ergeben],
       dass die Mehrheit eine Bewerbung „eher schlecht“ findet.
       
       Der rot-grüne Senat will in das Rennen um die Spiele 2036, 2040 oder 2044
       gehen. Dabei müsste sich Hamburg auf nationaler Ebene zunächst gegen
       München, Berlin und Rhein-Ruhr durchsetzen. In München sprachen sich im
       Oktober bei einem Ratsbegehren 66 Prozent für die Spiele aus. In Hamburg
       hingegen finden nur 41 Prozent der im Auftrag des NDR Befragten Spiele in
       Hamburg „eher gut“, 50 Prozent „eher schlecht“.
       
       Unter den Gründen für die Ablehnung rangieren mit fast 80 Prozent Nennung
       die hohen Ausgaben und fehlendes Geld für andere Bereiche an erster Stelle.
       Nur etwa halb so viele nannten jeweils den Bau unnötiger Infrastruktur,
       Übertourismus und Verkehrschaos sowie steigende Wohnkosten.
       
       ## Hoffnung auf moderne Verkehrsinfrastruktur
       
       Unter den Befürwortern nannten etwas mehr als die Hälfte die Modernisierung
       der Verkehrsinfrastruktur als Argument für die Spiele. Mit geringem Abstand
       folgen die Ankurbelung der Wirtschaft, gesteigertes internationales
       Ansehen, die Sanierung von Quartieren und Sportstätten sowie der Tourismus.
       
       Unter den Parteianhängern finden sich mehrheitlich Befürworter bei SPD und
       CDU, mehrheitlich abgelehnt werden die Olympischen Spiele von Anhängern der
       Grünen, der AfD und besonders der Linken. Bei den Grünen führt das zu einer
       Dissonanz zwischen Parteiführung und Basis. Die nächste
       Landesmitgliederversammlung am 18. April dürfte daher interessant werden.
       
       In der Broschüre zur Volksbefragung treten SPD und Grüne Seit an Seit auf,
       schließlich sind sie ja auch Koalitionspartner. Neben den Konterfeis der
       Fraktionsvorsitzenden stehen ein paar knappe Sätze: „Es geht [2][nicht nur
       um ein Sportereignis. Es geht um unsere Stadt].“ Mit den Spielen könnten
       die Hamburger gemeinsam Großes möglich machen. Jetzt habe der Norden die
       Chance. Die Knappheit dürfte auch dem geschuldet sein, dass der Senat an
       anderer Stelle in der Broschüre seine Argumente auf acht Seiten darstellen
       kann.
       
       Auch die CDU wirbt für ein Ja und führt an erster Stelle die Chance ins
       Feld, Hamburg international bekannt zu machen. Sie verspricht eine
       beschleunigte Stadtentwicklung, Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze. Mit
       dem Zuschlag für die Spiele lasse sich die „Sport-Milliarde“ des Bundes
       anzapfen. Zudem werde ganz Hamburg barrierefrei ausgebaut und dann seien
       die Spiele ja auch ein Fest der Begegnung: „Menschen aus aller Welt feiern
       Freundschaft und Zusammenhalt.“
       
       Die Linke hält das für Quatsch: „Alles, was versprochen wird – Wohnungen,
       Parks, Bahnlinien – ist längst beschlossen und kommt auch ohne Olympia“,
       heißt es in ihrer Stellungnahme. Dagegen drohten steigende Mieten. Der
       Senat unterschlage in seinem Finanzierungskonzept wichtige Kostenpunkte.
       Fazit: Das Sportfest sei „in Wirklichkeit ein milliardenschweres
       Kommerz-Spektakel, von dem nur ganz wenige etwas haben“.
       
       Die AfD nutzt ihre Stellungnahme, um dem Senat eins mitzugeben: „Hamburg
       kann Olympia- der rot-grüne Senat nicht.“ Denn dessen Großprojekte
       zeichneten sich ja „konsequent“ durch Verzögerungen und Kostenexplosionen
       aus.
       
       ## Werbe-Aktivität sorgt für Unmut
       
       Für Unmut bei der Nolympia-Kampagne sorgen die Werbe-Aktivitäten des
       Senats. Der schaltete in Kiel Werbeplakate im Hamburger Corporate Design
       und mit dem Slogan „Ein Start-Kiel-Sieg für Olympia“. Kiel wäre auch bei
       Spielen in München und Rhein-Ruhr mit von der Partie – sollten [3][die
       Kieler bei einem Bürgerentscheid am 19. April] zustimmen. Laut einer
       repräsentativen Umfrage, die das Institut für Markt- und Politikforschung
       dimap vom 4. bis 6. März im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbunds
       durchführte und deren Ergebnisse am Donnerstag veröffentlicht wurden,
       sprechen sich 70 Prozent der wahlberechtigten Kieler*innen für eine
       Bewerbung aus.
       
       Eine solche „Abstimmung sollte den Willen der betroffenen Bevölkerung
       ausdrücken und nicht das Ergebnis einer professionellen Werbekampagne der
       finanzstärkeren Nachbarstadt sein, die versucht, ihre überregionalen
       Interessen durchzusetzen“, findet Eckart Maudrich, Sprecher von
       [4][Nolympia Hamburg]. Wenn Hamburg in Kiel Werbung mache, stelle sich die
       Frage, wo die Grenzen politischer Einflussnahme in einer föderalen
       Staatsorganisation verliefen.
       
       [5][Auch mit Blick auf die Schulen wirft Nolympia] dem Senat
       Übergriffigkeit vor. Mitte März schickte die Innenbehörde den Schulen
       Unterrichtsmaterial zur Olympia-Bewerbung. Es enthielt Vorschläge zur
       inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema und auch zum Referendum und
       dessen Grundlagen. Nolympia warf der Behörde dabei eine
       Pro-Olympia-Schlagseite bei den vorgeschlagenen Recherche-Quellen vor.
       
       ## Unter Indoktrinationsverdacht
       
       Die Schulbehörde teilte der taz auf Anfrage mit, sie habe das Material
       geprüft und für weitergabefähig befunden. Aus Sicht der Behörde werde das
       Indoktrinationsverbot eingehalten. „Auf Grundlage der vorliegenden
       Materialien und Quellen sowie eigener Recherche können und sollen
       Schülerinnen und Schüler zu einem eigenen Urteil gelangen“, versicherte ein
       Sprecher.
       
       Das Unterrichtsmaterial verweist auf die Olympia-Seite des Senats und einen
       abwägenden ARD-Bericht zu den Spielen in Paris. Zudem wird empfohlen, die
       Positionen der Bürgerschaftsparteien zu recherchieren. Gegenwärtig prüfe
       die Bildungs- mit der Innenbehörde, wie auch olympiakritische Positionen
       zur Geltung kommen könnten, teilte der Sprecher mit.
       
       Als die Materialien versandt wurden, habe noch nicht formell festgestanden,
       dass die Unterschriftenkampagne von Nolympia Erfolg hatte. Mit der Kampagne
       erreichte die Initiative, dass auch ihre Gegenargumente in das Begleitheft
       zum Referendum aufgenommen werden müssen. (Mitarbeit: Kaija Kutter)
       
       26 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/ndr-hamburgtrend-viele-sehen-olympia-bewerbung-kritisch,hamburgtrend-102.html
 (DIR) [2] /Hamburger-Olympiabewerbung/!6162660
 (DIR) [3] /Deutsche-Olympiabewerbung/!6159839
 (DIR) [4] https://www.nolympia-hamburg.de/
 (DIR) [5] /Jugend-indoktriniert-fuer-Olympia/!6163352
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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