# taz.de -- Hamburgs Olympia-Finanzplanung: Die Pippi-Langstrumpf-Spiele
> Hamburgs Finanzierungskonzept für Olympische Spiele ist künstlich
> kleingerechnet. So wird der Senat die knauserigen Hanseat:innen kaum
> überzeugen.
(IMG) Bild: Eine Chance für Nahverkehr, Fernverkehr – schlicht: für alle soll Olympia sein. Und ohne Olympia? Keine Chance
Hamburgs Senat hat seinen [1][Plan für die Finanzierung Olympischer Spiele]
vorgelegt. Zwei Monate vor dem [2][Referendum über eine Bewerbung] ein
guter Schritt, denn die unklare Finanzierung [3][gilt als Hauptgrund
dafür], dass die Hamburger:innen die vorige Olympia-Bewerbung 2015
abgelehnt haben.
Damals hatte die Stadt so getan, als werde das Gros der Kosten der Bund
übernehmen, aber bis zur Abstimmung keine Belege dafür gebracht. In der
jetzigen Kalkulation steht der Bund nur noch mit jämmerlichen 200 Millionen
Euro. Das ist entwaffnend ehrlich.
Doch was als Beruhigung skeptischer Bürger:innen gedacht ist, könnte
durchaus eine gegenteilige Wirkung entfalten. Finanzsenator Andreas Dressel
(SPD) hat ausrechnen lassen, dass Hamburg bei einem Budget von 4,8
Milliarden Euro sogar einen kleinen Gewinn machen könnte – jedenfalls, wenn
man die Spiele zu heutigen Kosten veranstalten könnte. Da es aber um die
Spiele 2036, 2040 oder 2044 geht, müsste eine seriöse Kalkulation
Kostensteigerungen einkalkulieren.
Da springt Dressels Parteifreund und Sportsenator Andy Grote gern bei:
„Dann werden auch die Einnahmen wachsen, und wenn das nicht reicht, dann
müssen wir die Ausgaben ein Stück weit reduzieren.“ Das klingt nach Pippi
Langstrumpf: „Ich mach’ mir Olympia, widdewidde wie es mir gefällt.“
Dass Baukosten in den vergangenen Jahren deutlich rasanter gestiegen sind
als die allgemeinen Preise, spricht gegen die Annahme, die Einnahmen würden
im selben Maße mitwachsen. Und in Hamburg stimmt die Erfahrung mit
Bauprojekten der öffentlichen Hand nicht gerade optimistisch, was das
Reduzieren von Ausgeben angeht.
Die meisten Baukosten sind in der Rechnung ohnehin nicht enthalten. Bauten
wie das Olympische Dorf verbucht der Senat nämlich einfach auf der
Habenseite – mit dem Argument, sie würden ohnehin gebraucht. Das
Volksparkstadion will die Stadt dem privaten Eigentümer HSV [4][angeblich
ohnehin neu bauen lassen], weil es keine 40 Jahre nach Errichtung ein
wirtschaftlicher Totalschaden sein werde.
Nur mit solchen Taschenspielertricks ist es gelungen, den Kostenansatz
unter 5 Milliarden Euro zu drücken – weniger als die Hälfte als bei der
vorherigen Kampagne, obwohl seitdem elf Jahre Inflation ins Land gegangen
sind.
## Finanzsenator droht mit Infrastruktur-Stillstand
Dass die Kosten für die Sicherheit im Finanzkonzept komplett fehlen, ist
ebenfalls peinlich. Vor allem Grote, der ja im Hauptberuf Innensenator ist,
dürfte das Thema nicht komplett fremd sein. In Paris sollen es 1,4
Milliarden Euro gewesen sein, also fast ein Drittel des Hamburger
Gesamtbudgets. Und die Weltlage bietet derzeit wenig Anlass zu der Annahme,
dass es künftig billiger wird.
Wirklich dreist ist aber, wie Dressel versucht, die öffentliche Meinung für
die Spiele zu drehen: Er wirft Infrastrukturprojekte wie die U-Bahn-Linie
5, die S-Bahn-Linie 6 und die [5][Erweiterung des Hauptbahnhofs] in die
Waagschale, die längst als vereinbart galten. Dressel behauptet nun,
Bundesmittel dafür würden bei einer erfolgreichen Bewerbung „gezielter und
schneller nach Hamburg fließen“ – und nicht nach München oder in die
Rhein‑Ruhr‑Region. Wer eine U-Bahn will, müsste demnach für Olympia
stimmen.
Klingt seltsam aus dem Mund eines Finanzsenators, vor allem, was die U5
betrifft: Das [6][teure Prestigeprojekt] ist ja längst in Bau. Und wer
hätte wohl dafür sorgen müssen, dass die Finanzierung steht?
12 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Hamburgs-Olympia-Finanzplanung/!6162075
(DIR) [2] /Referendum-ueber-Hamburgs-Bewerbung/!6156026
(DIR) [3] /Kommentar-gescheiterte-Olympiakampagne/!5256081
(DIR) [4] /HSV-gruendet-Genossenschaft/!6155754
(DIR) [5] /Hamburger-Hauptbahnhof/!5814599
(DIR) [6] /Strassenbahn-Debatte-in-Hamburg/!5946583
## AUTOREN
(DIR) Jan Kahlcke
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
(DIR) Hamburg
(DIR) Nolympia
(DIR) Andy Grote
(DIR) SPD Hamburg
(DIR) Finanzen
(DIR) Paralympische Spiele
(DIR) Infrastruktur
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Olympiabewerbung
(DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
(DIR) Olympia-Attentat in München
(DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
(DIR) Köln
(DIR) Kiel
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Hamburger Olympiabewerbung: Grün verpackt
Jetzt auch noch ökologisch: Hamburgs rot-grüner Senat stellt sein
verfeinertes Olympiakonzept vor, mit dem er beim anstehenden Referendum
gewinnen will.
(DIR) Jugend indoktriniert für Olympia: Hamburgs Polizeisenator überwältigt Schüler*innen
Andy Grote (SPD) will in Schulen Stimmung pro Olympia verbreiten. Er
bedient sich dafür der undemokratischen Methode der Indoktrination.
(DIR) Fragwürdiges Finanzkonzept vorgestellt: Hamburg rechnet sich Olympia schön
Hamburg legt ein Finanzkonzept für die Olympia-Bewerbung vor, das es so
noch nicht gegeben hat: Mit Olympia würde die Stadt sogar Gewinn machen.
(DIR) Olympiabewerbung Nordrhein-Westfalens: „Söder zeigen, was eine Harke ist“
Auf einer Informationsveranstaltung in Köln wird für die Olympischen Spiele
und positives Denken geworben. Kritische Nachfragen gibt es kaum.
(DIR) Deutsche Olympiabewerbung: Olympia wird für Kiel ein Selbstläufer
Ziemlich günstig soll es werden, falls in Kiel wieder Olympia stattfindet,
sagt die Politik. Im April stimmt die Bevölkerung über eine Bewerbung ab.