# taz.de -- Sommerbad Olympiastadion: Sieht aus wie eine Baustelle, ist aber keine
       
       > In den Plänen zur Olympiabewerbung Berlins taucht die Austragungsstätte
       > der Schwimmwettbewerbe von 1936 manchmal auf, manchmal nicht. Ein
       > Rundgang.
       
 (IMG) Bild: Sieht beim Rundgang etwas trostlos aus: das Berliner Olympiaschwimmbecken von 1936 mit eingerüsteter Tribüne
       
       Ob das einer braucht, weiß nicht einmal der Senat. „Sommerbad
       Olympiastadion“ heißt das Freiwasserbecken, das sich unmittelbar neben dem
       viel zu großen Fußballstadion befindet, in dem Hertha auch dieses Jahr
       nicht aufsteigt. In den Plänen zu einer erneuten Olympiabewerbung Berlins
       taucht die Austragungsstätte der Schwimmwettbewerbe von 1936 manchmal auf,
       manchmal nicht.
       
       Die Helle Panke, [1][der Berliner Ableger der Rosa-Luxemburg-Stiftung], hat
       sich am vergangenen Samstag das Sommerbad vorgenommen. Sogar der
       eingeladene Experte, der etwa 30 Leute durch das Gelände führt, meint, das
       Schwimmbad sei ja eines der langweiligsten Aspekte des großen
       Olympiakomplexes. Wolfgang Schäche heißt er, ist Architekturhistoriker und
       ausgewiesener Kenner des Olympiageländes.
       
       Tatsächlich scheint einiges gegen das Sommerbad zu sprechen, als sich die
       Interessierten am großen Olympischen Platz treffen. Nicht nur das kalte
       März-Wetter. Der Weg führt rechts vom großen Stadioneingang mit seinen
       Kassenhäuschen. Baustellenzäune markieren ihn, und hinter ihnen liegt
       abgeworfener Schutt.
       
       Seit über einem Jahr sieht das Schwimmbad aus wie eine Baustelle. Die
       Tribünen sind mit einer Gerüstkonstruktion abgedeckt, denn sie sind völlig
       baufällig. Aber es ist keine Baustelle, hier passiert nichts. Aus den
       Tribünen wieder etwas zu machen, wo sich Tausende Besucher und
       Besucherinnen aus aller Welt hinsetzen, um 2036 oder 2040 Schwimmsport der
       olympischen Weltklasse anzugucken, dürfte eine sehr große Aufgabe werden.
       
       ## So baut man heutzutage nicht mehr
       
       Da ist der Denkmalschutz zu berücksichtigen, aber auch die menschliche
       Entwicklung: So wie man 1936 noch auf Holzbänken saß, mit ganz wenig Platz
       für die Beine, baut man heutzutage nicht mehr. Kein Wunder, dass niemand so
       recht etwas mit dem Olympiabad anfangen kann.
       
       Außer die Leute, die gerne sportlich schwimmen und weder auf die Tribüne
       wollen noch an eine Olympiateilnahme denken. Allzu viele weitere Bäder gibt
       es in Berlin nämlich nicht, in denen Menschen, ohne im Schwimmverein zu
       sein, ihre Bahnen ziehen können. Derzeit gehört auch das Olympiabad nicht
       dazu, denn es macht erst am 1. Juni auf – um dann im Herbst wieder zu
       schließen.
       
       Claudia Engelmann von der Linkspartei ist am Samstag auch da. Sie spricht
       über die Kosten, die für das Bad anfallen, das ja gar nicht so stark
       genutzt wird. Sie spricht über geschlossene Schwimmbäder in Lichtenberg
       oder Neukölln und dass dort ein Drittel der Schüler und Schülerinnen nicht
       schwimmen kann. Sind das Argumente, das Olympiabad zu modernisieren? Schwer
       zu sagen.
       
       ## Alt, aber nicht von 1936
       
       Was die Gruppe der Interessierten zu sehen bekommt, ist alt, aber nicht von
       1936. Im Jahr 1978 fanden in diesem Schwimmbad die Weltmeisterschaften
       statt – dass Westberlin die WM für die Bundesrepublik ausrichtete, war ein
       von DDR und Sowjetunion ungewolltes Politikum –, und damals wurden die
       Umkleiden und Duschen neu gemacht.
       
       Die Gruppe von Helle Panke wird auch auf einen Platz geführt, den Schwimmer
       und Schwimmerinnen üblicherweise nicht betreten dürfen: Hinter einem Zaun
       ist eine Brachfläche, wo Schutt und Grasschnitt abgeworfen werden und ein
       Container steht – und Max Schmeling, nämlich eine Bronzestatue, die der
       Nazi-Bildhauer Josef Thorak geschaffen hat. Aufrecht steht er, der frühere
       Boxweltmeister, und nicht, wie es diese Stadt mit Lenin-Denkmälern macht,
       irgendwo abgelegt oder vergraben.
       
       Im 1930er-Schwimmstadion ist immer noch einiges zu entdecken, auch wenn die
       möglichen Funde gut versteckt sind. Gebraucht wird es also, das Olympiabad.
       Es ist nur unklar, wozu genau.
       
       30 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.helle-panke.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martin Krauss
       
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