# taz.de -- Hamburger Olympia-Referendum: Begeisterung sieht anders aus
       
       > Wenige Junge, murrende Ältere: Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD)
       > tingelt durch die Stadt und macht Olympia-Wahlkampf. Das klappt eher
       > mäßig.
       
 (IMG) Bild: Für die Skeptiker:innen in Dulsberg hat der Bürgermeister nur Rosiges im Gepäck: ein paar U-Bahn-Linien zum Beispiel
       
       Die „vielen jungen Gesichter“, über die sich Hamburgs Bürgermeister Peter
       Tschentscher (SPD) am Mittwochabend beim Einlauf in die Schule Alter
       Teichweg zur Begrüßung freut – sie sind beim Blick durch die Stuhlreihen
       selbst mit größtem Wohlwollen kaum zu erkennen. Erwartet hatte er es
       vielleicht, hier im Stadtteil Dulsberg, wo Hamburgs „Eliteschule des
       Sports“ ansässig ist. Wo derzeit junge sportliche Talente lernen und
       trainieren, die vielleicht in 10, 14 oder 18 Jahren an Olympischen Spielen
       teilnehmen könnten – und dann nach dem Willen von Tschentschers rot-grünem
       Senat: in Hamburg.
       
       Von dieser Idee erst noch begeistert werden müssen die jüngeren
       Hamburger:innen nachweislich [1][aktueller Umfragen eigentlich nicht.]
       Zuletzt sprachen sich knapp zwei Drittel der 16- bis 29-Jährigen für eine
       Hamburger Bewerbung aus. Aber die bloße Sympathie genügt nicht. Am 31. Mai
       muss diese Alterskohorte, die das in der Regel deutlich seltener als die
       Älteren macht, schon noch zur Wahlurne gehen. Beim Referendum entscheidet
       sich, ob Hamburg wirklich in den erst bundesweiten und dann vielleicht
       internationalen Wettbewerb um die Ausrichtung der Spiele 2036, 2040 oder
       2044 einsteigt.
       
       Das erklärt wohl, warum Tschentscher in den ersten Minuten seines rund
       75-minütigen Olympia-Vortrags dafür wirbt, überhaupt an der Wahl
       teilzunehmen. Dem überwiegend älteren Publikum braucht er das eigentlich
       nicht zu erklären, es geht schließlich deutlich häufiger zu Wahlen. Das ist
       ja hier und will sich [2][vor dem Referendum] vom Bürgermeister anhören,
       wie er sich das mit Olympia vorstellt. Aber die Älteren sind, den Umfragen
       zufolge, deutlich skeptischer: Bei den über 60-Jährigen liegt die
       Zustimmung zu einer Bewerbung nur bei 34 Prozent.
       
       Für die Skeptiker:innen hat der Bürgermeister nur Rosiges im Gepäck:
       Anders als bei früheren Austragungen würde bei den „moderneren“ Spielen
       nicht mehr eine ganze Stadt umgekrempelt werden; „nichts neu und extra für
       Olympia“ würde in Hamburg gebaut werden, wenn die Spiele hier stattfänden.
       Paris habe vor zwei Jahren sogar gezeigt, dass die Einnahmen den Kosten
       entsprechen können – ganz so, wie sich der Senat das auch mit seinem
       Finanzkonzept vorstellt.
       
       ## Inklusion gibt es nur mit Olympia
       
       Und ein schönes Bild nach dem anderen hat der Bürgermeister auf dem
       Bildschirm neben ihm projiziert: Wie aus dem geplanten olympischen Dorf
       anschließend ein „günstiger“ Wohnort für glückliche Familien wird; wie die
       Eröffnungsfeier auf schwimmenden Pontons auf der Binnenalster aussehen
       würde; wo neue S- und U-Bahn-Linien verlaufen würden, die man von nun an
       eigentlich „Olympia-Linien“ nennen könnte.
       
       Durch alle sieben Hamburger Bezirke tourt der Bürgermeister derzeit – eine
       Einladung an die Hamburger:innen, „sich von der Idee Olympischer und
       Paralympischer Spiele in Hamburg überzeugen zu lassen“. Lange überließ er
       das Werben dem zuständigen Sportsenator Andy Grote (SPD) und dessen mit 18
       Millionen Euro ausgestattetem Projektteam. Doch je näher das Referendum
       rückt, umso häufiger und drängender mischt sich der Bürgermeister ein.
       
       [3][Es sei sogar ein „Muss“], dass sich Hamburg bewerbe, sagte er kürzlich.
       Denn sonst kämen viele städtische Projekte wohl gar nicht, da doch die
       Stadt von Fördermitteln abhängig sei – da stehe man hintenan, falls
       München, Berlin oder die Region Rhein-Ruhr den Olympia-Zuschlag erhalte. Ob
       man das schon als eine Art sanfte Erpressung verstehen mag – wer nicht für
       Olympia ist, ist auch gegen andere sinnvolle Entwicklungsprojekte -, sei
       dahingestellt.
       
       In Dulsberg versucht es Tschentscher aber auch bei einem anderen Punkt mit
       dieser Art Argumentation: Richtig barrierefrei soll die Stadt zu Olympia
       werden, Inklusion dann in Hamburg verwirklicht, beschreibt Tschentscher das
       Konzept. Nur um an späterer Stelle festzustellen: „Wer sich gegen
       Olympische Spiele entscheidet, spricht sich auch gegen Paralympische Spiele
       aus.“ Ist also behindertenfeindlich, wer gegen die Hamburger Bewerbung ist?
       
       ## Gereiztheit im Saal steigt
       
       Von solchen kurzen Mahnungen abgesehen – es klingt alles so rosig in
       Tschentschers Worten, dass mit voranschreitender Zeit die Gereiztheit im
       Saal steigt. Immer häufiger halten Zuschauer:innen ihre Hände in die
       Luft, weil sie etwas sagen wollen. Auf den ersten Hinweis eines älteren
       Herrn scheint der Bürgermeister nur gewartet zu haben – [4][die
       Kostenfrage.]
       
       Das ist ja das „heißeste Eisen“, so Tschentscher, das wisse er natürlich.
       Aber das sei solide durchgerechnet worden; nicht von Politiker:innen
       wohlgemerkt, sondern von Leuten, die sich mit Zahlen auskennen.
       
       Aber die kritischen Fragen wollen nicht aufhören. Zuletzt versucht es noch
       eine Frau – Tschentscher würgt sie etwas unwirsch ab: Wer kritische
       Anregungen habe, mit dem könne man jetzt gern noch „im direkten Austausch“
       diskutieren. Das war’s, auf Wiedersehen.
       
       9 Apr 2026
       
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