# taz.de -- Abstimmung über Olympia: Ungleicher Kampf um Stimmen
> Das Bündnis „NOlympia Köln“ versucht gegen Spiele in NRW mobilzumachen.
> Der Wahlkampf gegen die Kampagne der Stadt Köln ist schwierig.
(IMG) Bild: Unermüdliche Werber gegen Olympia in NRW: Jörg Detjen (l.) und Roland Schüler
Wochenmarkt St. Aposteln in der Kölner Innenstadt Ende März. Zwischen
Obstständen und Kaffeewagen erledigen die Kölnerinnen und Kölner ihre
Besorgungen. Auf dem Weg dorthin nicht zu übersehen: Digitale Werbetafeln
für die Kampagne der Olympia-Bewerbung Nordrhein-Westfalens. Bis zum 19.
April können etwa vier Millionen Menschen per Briefwahl abstimmen, ob sich
ihre jeweilige Stadt für die Austragung der Olympischen Spiele bewerben
soll.
Köln führt die NRW-Bewerbung an. 16 Kommunen wollen mitziehen. Zieljahre:
2036, 2040 oder 2044. [1][München], [2][Berlin] und [3][Hamburg] wollen
sich ebenfalls bewerben um die Spiele, der Deutsche Olympische Sportbund
(DOSB) will im Herbst darüber entscheiden, welche Stadt er ins Rennen
schickt. Wann das Internationale Olympische Komitee entscheidet, ist
unklar.
„Köln hat sich mit der Oper schon übernommen“, macht eine Frau mittleren
Alters deutlich, „deswegen lehne ich eine Olympia-Bewerbung ab. Das Geld
dafür wird woanders gebraucht.“ Ein etwa gleichaltriger Mann pflichtet ihr
bei: „Es gibt sowieso schon zu viele Baustellen hier in der Stadt.“ Eine
Frau echauffiert sich: „Die Stadt ist pleite, und jetzt plant sie eine
Großveranstaltung? Das ist doch verrückt.“ Für 2026 prognostiziert die
Stadt ein Haushaltsdefizit von mehr als 500 Millionen Euro.
Zwei sportbegeisterte Jugendliche zeigen sich auf Nachfrage allerdings
schon fast euphorisch: „Es wäre doch cool, den Spitzensport nach Köln zu
holen, das würde auch die internationale Strahlkraft hier erhöhen.“ Eine
ältere Frau erinnert sich an die Fußball-WM 2006: „Das war toll, Sport
bringt Zusammenhalt, also warum nicht?“
Aus der Masse heraus stechen zwei Männer mit orangefarbenen Warnwesten.
„Wir sagen Nein! – NOlympia Köln“ steht darauf. Jörg Detjen, bis 2025
Mitglied im Stadtrat für Die Linke, hat ein drei Meter großes Banner mit
derselben Aufschrift mitgebracht. Mit dem Lindenthaler Bezirksbürgermeister
Roland Schüler ist Detjen Teil des Zusammenschlusses mehrerer
Gruppierungen, die sich gegen die Bewerbung aussprechen – darunter etwa die
Grüne Jugend oder das Bündnis Verkehrswende.
## Kritik an der Diskussionskultur
„Wir waren in den vergangenen Wochen auf Wochenmärkten in der ganzen Stadt
aktiv und haben versucht, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen“, sagt
Schüler, „aber das Ding ist gelaufen. Der Wahlkampf ist vorbei und wir
dringen nicht mehr durch.“ Als Gegenpol zu den Informationsständen der
Stadt Köln sei es zu schwierig gewesen.
Der 72-jährige Detjen bemängelt die Diskussionskultur rund um die
Olympia-Bewerbung. „Wir sind zu keiner einzigen Informationsveranstaltung
oder Podiumsdiskussion eingeladen worden, dabei wäre es wichtig gewesen,
kritische Positionen und einen offenen Diskurs zuzulassen.“ Von Seiten der
Stadt seien zu viele Aspekte miteinander vermischt worden.
Als ehemaliger Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses der Stadt
hatte sich der Linken-Politiker vor allem mit dem geplanten [4][neuen
Stadtteil Kreuzfeld] beschäftigt. „Dazu sind bereits Beschlüsse gefasst
worden, die Planungen sind fertig. Durch die Olympia-Bewerbung verschiebt
sich alles nach hinten, dabei wird Wohnraum in Köln jetzt schon dringend
gebraucht.“
Laut dem Bewerbungskonzept sollen in Kreuzfeld zuerst ein temporäres
Leichtathletikstadion und das Olympische Dorf entstehen. In der Folge
sollen dort mehr als 10.000 Menschen leben können. „Das Gelände ist in
öffentlicher Hand, doch ohne einen externen Investor beauftragt von der
Stadt würde es nicht funktionieren“, kritisiert Detjen und schüttelt den
Kopf: „Für das gesamte Infrastruktur-Projekt rund um Olympia gilt: Es ist
unmöglich, eine Kostenplanung 20 Jahre im Voraus aufzustellen.“
Sein Mitstreiter Schüler hat eine NRW-Karte herausgeholt, sein Hauptthema
ist der Verkehr. „Hier wird ein Märchen verkauft: Es ist jetzt und in
Zukunft nicht machbar, alle Austragungsorte in NRW binnen 60 Minuten zu
erreichen, wie es vom IOC gefordert wird. Die Verkehrsinfrastruktur, die
noch über Jahre saniert werden muss, gibt das einfach nicht her.“
Und außerdem: „Die Stadt Köln müsste stattdessen diejenigen Probleme
angehen, die den gegenwärtigen Alltag der Menschen betreffen. Schwimmbäder,
Sporthallen, solche Sachen gehören zur öffentlichen Daseinsvorsorge und
hier ist so vieles marode.“
Zuletzt waren beide als Vertreter [5][des Bündnisses „NOlympia Colonia“] in
anderen Städten unterwegs. In Essen, Duisburg und anderswo stellte sich für
Detjen und Schüler heraus, dass die Ruhrpottler „sauer“ seien. Der Grund:
Köln als Leading City ist keine gemeinsame Entscheidung gewesen,
Staatskanzlei und die Rheinmetropole seien vorgeprescht. Und für eine
landesweite NOlympia-Bewegung habe die Zeit nicht gereicht, die
Organisation wäre zu aufwendig gewesen.
13 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Bewerbung-fuer-Olympia/!6124690
(DIR) [2] /Olympia-Bewerbung-Berlin/!6150081
(DIR) [3] /Olympische-Spiele-in-Hamburg/!6166214
(DIR) [4] https://www.stadt-koeln.de/artikel/68620/index.html
(DIR) [5] https://nolympia-colonia.de/
## AUTOREN
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