# taz.de -- Fusionsreaktor in Deutschland: Wenn Fusion spaltet, nicht verschmelzt
       
       > Die Bundesregierung will den ersten Fusionsreaktor der Welt in
       > Deutschland haben. Die SPD wirft der Regierung bayerische Klientelpolitik
       > vor.
       
 (IMG) Bild: Versuchsanlagen zur Entwicklung von Fusionsreaktoren im Max-Planck-Institut in München
       
       Das Versprechen der Energieforscher: „In 40 Jahren läuft das
       Fusionskraftwerk“, ist längst zum „Running Gag“ geworden. Es wird jedes
       Jahr wie ein Mantra wiederholt, ohne der Realisierung näherzukommen. Mit
       der Aufschieberitis will [1][Bundesforschungsministerin Dorothee Bär] nun
       Schluss machen, ist sie doch regierungsamtlich für die Einlösung eines
       anderen Versprechens zuständig: „Der erste Fusionsreaktor der Welt soll in
       Deutschland stehen“. So steht es im Koalitionsvertrag der Merz-Regierung.
       
       Vor diesem Hintergrund hatte die CSU-Ministerin in dieser Woche zu einem
       Fusionskongress nach Berlin eingeladen, auf der die erste nationale
       Innovations-„Roadmap“ für die Entwicklung der Fusionsenergie im Rahmen der
       [2][„Hightech-Agenda“] der Bundesregierung präsentiert wurde. Erstellt
       hatte den Forschungsfahrplan, in dem die technischen Hürden und
       Zwischenziele auf dem Weg zum Fusionskraftwerk definiert werden, die
       Münchner Akademie für Technikwissenschaften „acatech“. Eine Kernaussage der
       Roadmap: Bei deutlicher Beschleunigung könne Deutschland bis etwa 2045 ein
       erstes Fusionskraftwerk realisieren.
       
       Die Gewinnung von Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen statt ihrer
       Spaltung findet immer mehr Befürworter, zeigte sich auf dem Kongress. „Wenn
       wir bei der Fusion jetzt vorangehen, dann können wir eine Industrie
       aufbauen, die uns unabhängiger von fossilen Rohstoffen macht, unabhängiger
       von Energieimporten und unabhängiger von den Wirren der Weltpolitik“, hob
       Ministerin Bär hervor.
       
       Bis 2029 will das Bundesministerium für Forschung, Technologie und
       Raumfahrt (BMFTR) 2,4 Milliarden Euro in die Fusionsforschung, industrielle
       Kooperationen und den Aufbau eines Fusionsökosystems investieren. Insgesamt
       will die Hightech-Agenda mit 18 Milliarden Euro sechs Schlüsseltechnologien
       fördern, in denen Deutschland zur Weltspitze aufstoßen soll. Dazu zählen
       Künstliche Intelligenz (KI), Quantentechnologie, Mikroelektronik und
       Biotechnologie.
       
       ## Söder will das Fusionskraftwerk in Bayern
       
       Einen eigenen Fahrplan hat dagegen CSU-Parteifreund [3][Markus Söder], der
       bayerische Ministerpräsident. Er stellte kürzlich seinen Plan vor, am
       Standort Garching, wo sich das frühere „Atom-Ei“ befand, einer der ersten
       Forschungsreaktoren für die Kernspaltung, künftig auch den ersten
       Fusions-Forschungsreaktor zu platzieren. Das Bundesland Bayern plant, sich
       mit mindestens 400 Millionen Euro zu beteiligen, weitere Mittel sollen von
       privaten Investoren und Industriepartnern kommen, aber auch von der
       Bundesregierung.
       
       Bei der SPD-Bundestagsfraktion traf der bayerische Vorstoß auf heftige
       Kritik: „Wir erwarten vom Bundesforschungsministerium, dass eine nationale
       Technologieagenda nicht zur Standortförderung einer Regionalregierung
       wird“, protestierten die Sozialdemokraten. Politisch spaltet das
       Fusionsthema derzeit eher, als Positionen zu verschmelzen.
       
       26 Mar 2026
       
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