# taz.de -- Wichtigster deutscher Forschungspreis: Knochenarbeit, die Geschichte schreibt
> Der Leibniz-Preis wird auch als „deutscher Nobelpreis“ bezeichnet. Am
> Mittwochabend wurden die Gewinner bekannt gegeben.
(IMG) Bild: Barbara Vetter ist eine der PreisträgerInnen des Leibniz-Preises 2026 – sie untersucht, wie der Mensch Unmögliches denken kann
Forschung ist Knochenarbeit. Für den Biochemiker Johannes Krause vom
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ist das keine
Metapher, sondern Realität. Aus den Knochen von Pestopfern des Mittelalters
identifizierte er das Bakterium „Yersinia pestis“ als Erreger des Schwarzen
Todes und begründete so das neue Forschungsfeld der Archäogenetik, das
mittels DNA-Analyse auch andere historische Pandemien untersucht.
Für seine Leistungen wurde Krause am Mittwochabend als einer von zehn
Wissenschaftlern in Berlin mit dem Leibniz-Preis der [1][Deutschen
Forschungsgemeinschaft] (DFG), dem höchstdotierten Wissenschaftspreis in
Deutschland, ausgezeichnet. „Johannes Krauses Arbeiten geben uns Einblicke,
wie Infektionskrankheiten die Geschichte der Menschheit begleitet haben“,
erklärte DFG-Präsidentin Katja Becker in ihrer Würdigung.
Den jeweils mit 2,5 Millionen Euro dotierten „Förderpreis im Gottfried
Wilhelm Leibniz-Programm“, der auch als „deutscher Nobelpreis“ bezeichnet
wird, [2][vergibt die DFG an herausragende Forscher], die frühzeitig
exzellente grundlegende Leistungen auf ihren Arbeitsgebieten erbracht
haben. Die Preisträger waren zuvor von einem Auswahlausschuss aus 144
Vorschlägen ausgewählt worden. Sie können das Preisgeld bis zu sieben Jahre
lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für
ihre Forschungsarbeit verwenden.
Die Auswahl der in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
ausgezeichneten Wissenschaftler bot einen Querschnitt durch alle
Forschungsdisziplinen. Die Philosophin Barbara Vetter von der FU Berlin
untersucht, wie der Mensch Unmögliches denken kann. Der
Maschinenbauprofessor Christian Hasse von der TU Darmstadt entwickelt
neuartige Verbrennungsprozesse zur klimaneutralen Energiegewinnung mittels
„reaktiver thermofluidischer Prozesse“ im Wärme- und Stofftransport.
Der Berliner Physiker und Informatiker Klaus-Robert Müller von der
Technischen Universität Berlin erhielt die Auszeichnung für seine
„herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz und des
Maschinellen Lernens“, wie es hieß. Müller habe in seiner Forschung in
außergewöhnlicher Weise formales mathematisches Denken mit einem stark
anwendungsorientierten Vorgehen verbunden, so die Begründung.
Drei der Preisträger kommen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, zwei
aus den Lebens- und drei aus den Naturwissenschaften sowie zwei aus den
Ingenieurfächern. Ostdeutsche Standorte waren mit je zwei Preisträgern aus
Thüringen und Berlin überdurchschnittlich vertreten, was nicht immer
vorkommt. Auch Baden-Württemberg brachte zwei Heidelberger Forscher
siegreich ins Ziel. Mit jeweils einem Forscher können Hamburg, Hessen,
Bayern und Nordrhein-Westfalen punkten.
19 Mar 2026
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(DIR) Manfred Ronzheimer
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