# taz.de -- Wissenschaftspolitik: Forschungsdebatte nur im Geheimen
> Mit der neuen Legislatur tagt der Forschungsausschuss ohne
> Öffentlichkeit. Journalisten müssen nun auf eine Notlösung zurückgreifen.
(IMG) Bild: Tagt nur noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Der Forschungsausschuss unter Vorsitz des SPD-Abgeordneten Karl Lauterbach
Die deutschen Wissenschaftsjournalisten haben es gerade schwer mit dem
Bundestag, der parlamentarischen Volksvertretung. Denn das zuständige
Fachgremium für die Themen Wissenschaft und Hochschule, der
Forschungsausschuss unter Vorsitz des SPD-Abgeordneten Karl Lauterbach,
tagt seit Beginn der Legislatur nur noch unter Ausschluss der
Öffentlichkeit. Damit ist ein wichtiger Informationskanal für die
Fachjournaille blockiert.
Dabei lief es in der Ampel-Ära genau andersherum. Dort hatte der grüne
Ausschuss-Vorsitzende Kai Gehring eingeführt, dass alle Interessierten an
den Beratungen im Paul-Löbe-Haus direkt teilnehmen oder sich über das
Bundestags-TV zuschalten konnten.
Gegen die Info-Barrikade protestierten die Journalisten über ihren
Berufsverband, die Wissenschaftspressekonferenz (WPK), mit zwei [1][offenen
Briefen]. „Forschungspolitische Weichenstellungen betreffen zentrale
Zukunftsfragen – von Innovation, Transfer-Fragen über Technologiepolitik
bis zur internationalen Wissenschaftskooperation“, begründen sie die
Notwendigkeit von Öffentlichkeit. „Diese Themen gehen weit über Fachkreise
hinaus und berühren das öffentliche Interesse in besonderem Maße“, schreibt
die WPK.
## Antworten nur von Grünen und Linken
Nur die Oppositionsfraktionen von Grünen und Linkspartei haben auf die
Briefe geantwortet. Die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD mauerten auch
hier. Bis heute gibt es keine offizielle Begründung für die Geheimhaltung.
Hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt, man wolle der AfD mit der
Ausschuss-Öffentlichkeit keine Gelegenheit für „Schaufensterreden“ geben.
Aber dafür die Pressefreiheit in dieser Weise beschränken?
Um doch noch an Informationen aus dem Ausschuss zu kommen, haben die
WPK-Journalisten jetzt eine „Notlösung“ installiert. An jedem Mittwoch
laden sie nach dem Parlamentarier-Meeting zu einer eigenen
Onlinepressekonferenz, in der sie mit einzelnen Abgeordneten über die
Themen des Tages sprechen. Bisher, an diesem Mittwoch zum zweiten Mal,
beteiligen sich nur die forschungspolitischen Sprecherinnen der Opposition.
Mit erkennbar schlechtem Gewissen hatte die SPD, die ihren
Koalitionspartner nicht vergrätzen will, am Tag zuvor schon zu einem
separaten Hintergrundgespräch über [2][Forschungspolitik] eingeladen,
während sich die Union weiterhin keinen Millimeter in Richtung Transparenz
bewegt.
Die Ausschussthemen, die auf diesem Wege doch noch publik wurden, waren die
Anhörung der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), die
Hightech-Agenda der Bundesregierung und ein Sonderprogramm zur
[3][Sanierung von Hochschulgebäuden]. Besprochen wurde auch der „EU Space
Act“, das europäische Raumfahrtgesetz, sowie ein Antrag der Grünen zu
Infrastrukturen für Innovationen und ein Bericht der Bundesregierung zur
Mikroelektronik-Strategie.
7 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://wpk.org/blog/update-offener-brief-an-die-bundestagsfraktionen-von-cdu-csu-spd-buendnis-90-die-gruenen-und-die-linke-zur-rueckkehr-der-grundsaetzlichen-oeffentlichkeit-der-sitzungen-des-forschungsausschusses/
(DIR) [2] /Wissenschaftsrat/!6158143
(DIR) [3] /Marode-Hochschulen-in-Berlin/!6156774
## AUTOREN
(DIR) Manfred Ronzheimer
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