# taz.de -- Linke Zeitung „Birgün“ in der Türkei: Ein weiterer Investigativjournalist hinter Gittern
> İsmail Arı gilt als einer der bekanntesten Journalisten der
> regierungskritischen Tageszeitung „Birgün“. Der 29-Jährige recherchierte
> zu Korruption.
(IMG) Bild: Türkische Journalist:innen, die im Umfeld der Präsidentenfamilie recherchieren, gehen ein hohes Risiko ein
İsmail Arı, einer der bekanntesten Journalisten der linken [1][Tageszeitung
Birgün,] wurde am Dienstag von einem Haftrichter ins Gefängnis gesteckt.
Arı gehört zur jüngeren Garde bekannter Investigativjournalisten von
Birgün, einer der letzten Zeitungen der Türkei, die sich überhaupt noch
traut, über Missstände innerhalb der Regierung von Präsident Recep Tayyip
Erdoğan oder ihr nahestehender Institutionen zu recherchieren.
Der 29-jährige Arı wurde am Wochenende bei einem Besuch seiner Eltern in
der Schwarzmeer Provinzstadt Tokat festgenommen. Von dort brachte man ihn
in ein Polizeigefängnis in Ankara, wo er dann zwei Tage später in ein
Gefängnis gesteckt wurde.
Angeblich wird ihm die Verbreitung von „Falschinformationen“ vorgeworfen.
İsmail Arı sagte dazu, es handele sich offenbar um ein drei Monate altes
Video, aber genaues wisse er auch nicht. Allerdings glaubt er, dass er
schon länger im Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft war, das schloss
er aus diversen Äußerungen im Internet.
Wie auch der erst kürzlich verhaftete Journalist der Deutschen Welle,
[2][Alican Uludağ,] befasste Arı sich mit Korruptionsermittlungen.
Besonders im islamistischen Milieu ist er verhasst, weil er immer wieder
darauf hingewiesen hat, dass religiöse Orden verdeckt große Geldmittel vom
Staat bekamen.
## Hohes Risiko
Dabei ging es auch um religiöse Vereine, die unter der Schirmherrschaft von
Bilal Erdoğan, dem Sohn von Präsident Erdoğan stehen. Türkische
Journalisten, die im Umfeld der Präsidentenfamilie recherchieren, wissen,
dass sie damit ein hohes Risiko eingehen.
Kollegen und Freunde von İsmail Arı haben vor dem Gericht in Ankara
demonstriert, um auf das Schicksal ihres Kollegen aufmerksam zu machen.
Längere Zeit war die Justiz gegen Birgün hauptsächlich mit Geldstrafen
vorgegangen, um die Zeitung finanziell zu ruinieren. Wenn Reporter
festgenommen wurden, kamen sie meist nach ein, zwei Tagen unter Auflagen
wieder frei.
Das diente hauptsächlich der Einschüchterung. Mittlerweile mehren sich aber
Gefängnisstrafen. Alican Uludağ sitzt jetzt seit Ende Februar im Knast,
Proteste aus der Chefredaktion der Deutschen Welle und der deutschen
Politik verpufften wirkungslos. So wird sich Arı wohl auf eine längere Zeit
im Knast einstellen müssen. „Sie hassen ihn“, sagte ein Kollege von Birgün,
„wir haben Angst um ihn.“
25 Mar 2026
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(DIR) Wolf Wittenfeld
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