# taz.de -- Pressefreiheit in der Türkei: DW-Korrespondent Alican Uludağ sitzt nun in U-Haft
       
       > Die Türkei wirft dem Journalisten unter anderem die Beleidigung des
       > Präsidenten vor. Deutsche Politiker fordern Uludağs Freilassung – und aus
       > Ankara kommt keine Reaktion.
       
 (IMG) Bild: Will gegen die Verhaftung ihres Reporters vorgehen: Die Deutsche Welle
       
       Der türkische Korrespondent der Deutschen Welle, Alican Uludağ, sitzt im
       Gefängnis. [1][Er wurde am Donnerstagabend in Ankara festgenommen] und
       einen Tag später in Istanbul von einem Haftrichter wegen angeblicher
       Fluchtgefahr in U-Haft gesteckt. Seit Freitagabend sitzt er nun in einem
       Gefängnis in Istanbul. Die Anwälte der Deutschen Welle haben gegen die
       U-Haft Widerspruch eingelegt.
       
       Uludag arbeitet seit 18 Jahren als Journalist und hat bislang keine
       Vorstrafen. Er selbst bezeichnet seine Verhaftung als politisch motiviert
       im Rahmen eines „Säuberungsprozesses gegen kritische Stimmen“. Alican
       Uludağ arbeitet seit einigen Jahren für die DW aus Ankara. Schon vor seiner
       Zeit bei dem deutschen Sender hatte er sich als Investigativjournalist
       einen Namen gemacht. Er ist gut vernetzt und hat sowohl als
       Gerichtsreporter wie auch als kritischer Beobachter der Regierungspartei
       immer wieder brisante Themen aufgebracht. Seine Arbeit, sagen Kollegen von
       ihm, hat die Regierung wohl häufiger verärgert.
       
       Warum er aber ausgerechnet jetzt verhaftet wurde, ist unklar. Die
       offizielle Begründung bezieht sich auf Posts von ihm auf X, in dem er
       angeblich den Präsidenten beleidigt und falsche Nachrichten verbreitet
       haben soll. Allerdings sind diese Posts bereits anderthalb Jahre alt. Seine
       Verhaftung könnte aber mit dem vor zwei Wochen neu ernannten Justizminister
       Akin Gürlek zusammenhängen, der zuvor Generalstaatsanwalt in Istanbul war
       und sich besonders bei der [2][Verfolgung der Opposition und anderer
       Regierungskritiker] hervorgetan hatte.
       
       Alican Uludag ist der erste Korrespondent eines deutschen Mediums, der seit
       2017, als der damalige Welt-Korrespondent [3][Deniz Yücel] ins Gefängnis
       gesteckt wurde, nun wieder verhaftet wurde. Allerdings war damals die
       Stimmung zwischen Deutschland und der Türkei sowieso sehr angespannt.
       
       ## Die Webseite der Deutschen Welle ist schon länger gesperrt
       
       Davon kann heute keine Rede sein. Friedrich Merz hat bei seinem
       Antrittsbesuch als Kanzler in der Türkei im vergangenen Jahr jede Kritik an
       Präsident Recep Tayyip Erdoğan vermieden und den Ausbau der Zusammenarbeit,
       insbesondere im Sicherheitsbereich angekündigt. Türkische Soldaten nehmen
       gerade an einem Nato-Manöver teil, bei dem geübt wird, Streitkräfte aus dem
       Süden Europas schnellstmöglich über Deutschland an eine imaginäre Front im
       Nordosten zu transportieren. Umso erstaunlicher ist die jetzige Verhaftung
       Uludağs.
       
       Die türkische Ausgabe der Deutschen Welle gilt der Regierung schon lange
       als gegnerischer Oppositionssender. Die türkische Webseite ist deshalb
       schon seit Jahren in der Türkei gesperrt. Die Intendantin der Deutschen
       Welle, Barbara Massing, nannte die Vorwürfe gegen Uludag „haltlos“ und
       seine Verhaftung zeige, wie massiv die türkische Regierung „die
       Pressefreiheit unterdrückt“. Die Bundesregierung hat, vertreten durch
       Kulturstaatssekretär Wolfram Weimar, die Verhaftung von Uludag ebenfalls
       scharf kritisiert. „Journalismus ist kein Verbrechen“, sagte Weimar und
       forderte die sofortige Freilassung des DW-Korrespondenten.
       
       Danach sieht es aber im Moment nicht aus – sonst wäre Uludağ wohl erst gar
       nicht in der U-Haft gelandet. Öffentlich hat sich noch kein türkisches
       Regierungsmitglied zu den deutschen Forderungen geäußert. Doch wie im
       Umkreis von Erdoğan gedacht wird, konnte man der Ausgabe der Zeitung
       Hürriyet von Sonntag entnehmen. Da antwortet der Chefredakteur und
       Erdogan-Vertraute Ahmet Hakan Weimar sinngemäß: [4][Wer selbst
       Demonstranten und Kritiker der israelischen Gaza-Politik unterdrücken und
       einsperren würde,] solle sich zur Verhaftung von Ali Uludağ lieber nicht
       allzu weit aus dem Fenster lehnen.
       
       22 Feb 2026
       
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