# taz.de -- Pressefreiheit und Militär in der Türkei: Neugierige Journalisten verhaftet
       
       > Greifen die USA Iran auch aus der Türkei heraus an? Wegen zu großem
       > Interesse am Luftwaffenstützpunkt İncirlik wurden zwei Journalisten
       > verhaftet.
       
 (IMG) Bild: Startendes Militärflugzeug auf dem Luftwaffenstützpunkt İncirlik in Adana, 21. Januar 2016
       
       Istanbul taz | In der Türkei sind drei Journalisten verhaftet worden, weil
       sie allzu großes Interesse an dem Luftwaffenstützpunkt İncirlik, im Süden
       des Landes gezeigt haben. [1][İncirlik] ist der größte US-Stützpunkt in der
       Türkei. Selbstredend ist das Interesse daran groß, ob amerikanische Bomber
       von İncirlik aus Ziele im [2][Iran] angreifen.
       
       Um diese Frage zu beantworten, schickte die einzige unabhängige
       Nachrichtenagentur Anka am Samstag gleich zwei Kollegen einer
       Produktionsfirma aus Adana, der Großstand, die İncirlik nahe liegt, vor
       Ort, um dort Filmaufnahmen zu machen. Den beiden Journalisten Sergen Ölcer
       und Mehlika Bilen von Koza TV gelang es tatsächlich in İncirlik zu filmen
       und Bilder an Anka in Ankara zu schicken. Dann wurden sie festgenommen.
       Ebenfalls verhaftet wurde der Chefredakteur von Anka, Kenan Sener. Die
       Staatsanwaltschaft von Adana, die die Ermittlungen leitet, begründet die
       Festnahmen damit, dass Aufnahmen von Militäreinrichtungen die nationale
       Sicherheit gefährden würden.
       
       Kenan Sener sagte gegenüber der Staatsanwaltschaft, es sei sozusagen ein
       journalistischer Reflex gewesen, nach den Meldungen über die Angriffe auf
       den Iran am Samstagmorgen gleich ein Team nach İncirlik zu schicken. Er
       bereue das, die Bilder wurden von der Anka-Website entfernt. Dennoch werden
       Kenan Sener und die beiden Kollegen von Koza-TV weiter in Haft gehalten.
       Offenbar eine Abschreckungsmaßnahme, weil die Regierung von Präsident Recep
       Tayyip Erdoğan die absolute Kontrolle über die Berichterstattung zum Krieg
       im Iran haben will.
       
       Tatsächlich sieht sich Präsident Erdoğan in einer heiklen Situation. Er hat
       vor dem Krieg gemeinsam mit anderen arabischen Ländern versucht,
       US-Präsident Donald Trump von einem Angriff auf den Iran abzuhalten. Jetzt
       will er verhindern, dass die Türkei in den Konflikt hineingezogen wird. Er
       hat zwar den Iranern wegen des Todes ihres geistlichen Führers Chamenei
       kondoliert, will aber keine Position beziehen und Trump auf keinen Fall
       verärgern.
       
       Anders als verschiedene arabische Staaten, die schon vor Kriegsbeginn
       gesagt haben, sie würden ihre Stützpunkte nicht für Angriffe der USA zur
       Verfügung stellen, hat die Türkei dies nicht öffentlich getan. Ob der
       Luftwaffenstützpunkt İncirlik, der in den Kriegen gegen den Irak eine
       wichtige Rolle gespielt hat, nun von den USA für den Krieg gegen den Iran
       genutzt wird, ist nicht bekannt.
       
       ## Bei Neugier kommt der Staatsanwalt
       
       Für den Versuch, diese Frage zu klären, müssen nun der Chefredakteur von
       Anka und die beiden Journalisten von Koza TV einen hohen Preis bezahlen.
       Angesichts der Gefahr, dass sich der Krieg weiter ausbreiten könnte, ist
       die Regierung in Ankara hochnervös. Erdoğan hat am Sonntag noch einmal mit
       Trump telefoniert, die Bemerkung des US-Präsidenten, die Angriffe auf Iran
       könnten noch Wochen anhalten, dürfte für weitere Unruhe gesorgt haben.
       
       Die türkische Regierung bereitet sich darauf vor, iranische Flüchtlinge an
       der Grenze im Osten des Landes in Empfang zu nehmen. Außerdem schaut man
       höchst besorgt auf den [3][Ölpreis]. Preissteigerungen werden die schwache
       türkische Wirtschaft hart treffen. Inflation und Preise würden wieder
       steigen, die Lebenshaltungskosten für sowieso gestresste türkische Familien
       erneut zulegen.
       
       Alles Gründe, warum die Berichterstattung in den türkischen Medien unter
       Kontrolle bleiben soll und allzu neugierige Journalisten noch stärker als
       zuvor schon mit dem Staatsanwalt rechnen müssen.
       
       2 Mar 2026
       
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