# taz.de -- DW-Korrespondent in der Türkei verhaftet: Alte Vorwürfe, massive Maßnahmen
> Der Journalist Alican Uludağ ist in Ankara von 30 Polizisten festgenommen
> worden. Die DW-Intendantin sieht darin eine gezielte Einschüchterung.
(IMG) Bild: Alican Uludağ, Korrespondent der Deutschen Welle in der Türkei
dpa/taz Ein seit mehreren Jahren für die Deutsche Welle (DW) in der Türkei
tätiger Korrespondent ist in Ankara festgenommen worden. Alican Uludağ sei
vor den Augen seiner Familie von etwa 30 Polizisten abgeführt worden,
teilte der deutsche Auslandssender am Abend mit. Er wurde in den Hauptsitz
der höchsten Polizeibehörde Istanbuls gebracht, wo der
Investigativjournalist heute dem Haftrichter vorgeführt werden soll.
DW-Intendantin Barbara Massing forderte seine umgehende Freilassung.
Vorgeworfen werden ihm laut DW „Verbreitung irreführender Informationen an
die Öffentlichkeit“, „[1][Beleidigung des Präsidenten“] sowie „Beleidigung
der türkischen Nation, des Staates und der Institutionen“. Die Vorwürfe
bestätigten auch türkische Medien und beriefen sich dabei auf die
Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft.
Die DW erklärte, Uludağs Wohnung sei durchsucht und IT-Geräte mitgenommen
worden. Die Vorwürfe beziehen sich demnach auf einen etwa eineinhalb Jahre
alten Post auf der Plattform X.
Darin habe Uludağ Maßnahmen der Regierung kritisiert, die mögliche
Terroristen des Islamischen Staates freigelassen habe. Der Regierung habe
er Korruption vorgeworfen. Als langjähriger Gerichtsreporter berichtet
Uludağ laut DW über Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsfälle und
Prozesse.
## DW-Intendantin: Vorwürfe sind haltlos
DW-Intendantin Massing bezeichnete die Vorwürfe gegen Uludağ der Mitteilung
zufolge als haltlos. Er sei sehr gut vernetzt und habe Zugang zu wichtigen
Quellen. Damit könne er der Regierung – aus deren Sicht – gefährlich
werden. „Dass ein Journalist wie ein Schwerverbrecher von 30 Polizisten
abgeführt und direkt nach Istanbul gebracht wird, dient der gezielten
Einschüchterung und zeigt, wie massiv die Regierung Pressefreiheit
unterdrückt.“
Im Jahr 2021 war Uludağ in Deutschland mit dem [2][Raif Badawi Preis] für
mutigen Journalismus ausgezeichnet worden. Mit der Auszeichnung werde die
Arbeit des Justizkorrespondenten in einer Zeit gewürdigt, in der
unabhängiger Journalismus in der Türkei stark unter Druck stehe, teilte die
Friedrich-Naumann-Stiftung damals mit.
Uludağ deckte den Angaben zufolge mit seinen Artikeln Korruption in
Regierungskreisen auf und recherchiert zur Arbeit von Strafverfolgungs- und
Sicherheitsdiensten.
Unzählige Journalisten sitzen laut Deutschem Journalisten-Verband (DJV) in
der Türkei in Haft. Die Türkei belegt in der Rangliste der
[3][Pressefreiheit] von Reporter ohne Grenzen Platz 159 von 180 Staaten.
Ein Großteil der Medien in der Türkei steht unter direkter oder indirekter
Kontrolle der Regierung.
20 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schwedischer-Reporter-in-tuerkischer-Haft/!6088803
(DIR) [2] /Saudischer-Blogger-Raif-Badawi-aus-Haft/!5840922
(DIR) [3] /Neuer-Haftbefehl-gegen-Deniz-Yuecel/!5935461
## TAGS
(DIR) Türkei
(DIR) Pressefreiheit in der Türkei
(DIR) Recep Tayyip Erdoğan
(DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
(DIR) Deutsche Welle
(DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
(DIR) Anfeindungen gegen Journalisten
(DIR) Pressefreiheit in der Türkei
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Türkischer Journalist zu Medienfreiheit: „Fotografieren gilt in der Türkei als politischer Akt“
Yasin Akgül wurde im März 2025 festgenommen, weil er einen Protest
fotografierte, nun ist er freigesprochen. Dennoch sei das ein Einschnitt,
sagt er.
(DIR) Schwedischer Reporter in türkischer Haft: Joakim Medin ist wieder frei
Ministerpräsident Kristersson bezeichnet die Rückkehr des Journalisten nach
Schweden als Erfolg diskreter Verhandlungen. Der Journalist äußerte sich am
Samstag öffentlich zu seiner Zeit im Gefängnis.
(DIR) Neuer Haftbefehl gegen Deniz Yücel: Er nennt Erdoğan „Putschisten“
Dem „Welt“-Korrespondenten wird unter anderem Beleidigung des türkischen
Präsidenten vorgeworfen. Ein türkisches Gericht hat nun Haftbefehl
erlassen.