# taz.de -- IWF senkt Wachstumsprognosen: Nahost-Krieg vor allem bei Inflation spürbar
       
       > Der Internationale Währungsfonds senkt die Wachstumsprognosen für
       > Deutschland und weltweit. Der Irankrieg habe den Ausblick „abrupt
       > verdüstert“.
       
 (IMG) Bild: Wenn amerikanische Bomben fliegen steigt die Inflation
       
       dpa/rtr | Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit einem etwas
       schwächeren Wachstum der Weltwirtschaft als bislang. „Erneut droht die
       Weltwirtschaft aus der Bahn zu geraten“, heißt es anlässlich des neuesten
       Ausblicks der Organisation. Waren es vergangenes Jahr noch „höhere
       Handelsbarrieren und verstärkte Unsicherheit“ – das dürfte eine milde
       Umschreibung für die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump sein –
       belasten jetzt das eingebrochene Angebot von Rohstoffen infolge der
       blockierten Straße von Hormus und die Unsicherheit durch den Krieg. „Der
       globale Ausblick hat sich abrupt verdüstert“, sagte IWF-Chefökonom
       Pierre-Olivier Gourinchas.
       
       Bei vielen Nationen korrigierte der IWF seine Prognosen nach unten – die
       Annahmen seien allerdings nur dann gültig, sofern der Krieg in Dauer,
       Intensität und Umfang begrenzt bleibe und die wirtschaftlichen Störungen
       bis Mitte 2026 abklingen würden.
       
       Für Deutschland bedeutete dies nur ein Vierteljahr nach der jüngsten
       Anhebung wieder eine Korrektur nach unten: 2026 dürfte die deutsche
       Wirtschaft nun um 0,8 Prozent wachsen – noch im Januar hatten die
       Konjunkturexperten ihre Erwartungen auf 1,1 Prozent nach oben gehievt. Die
       0,3 Prozentpunkte weniger bedeuten die stärkste Korrektur unter den großen
       Volkswirtschaften der Euro-Zone. Deutschland ist im Energiebereich
       anfälliger als andere Staaten.
       
       Die Bundesregierung dürfte nachziehen und zeitnah ihre Erwartungen
       herunterschrauben: Bisher erwartet Berlin in diesem Jahr ein Wachstum von
       1,0 Prozent. Die Frühjahrsprojektion bildet die Grundlage für die
       Steuerschätzung.
       
       Führende Forschungsinstitute hatten bereits ihre Prognose für das
       Bruttoinlandsprodukt 2026 auf 0,6 Prozent korrigiert. Der
       „Energiepreisschock“ im Zuge des Iran-Kriegs treffe die Erholung der
       deutschen Wirtschaft hart, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
       Denn die Blockade der Meerenge Straße von Hormus und das dadurch fehlende
       Angebot an Rohstoffen führen weltweit zu einem dramatischen Anstieg von Öl-
       und Gaspreisen – das macht sich auch an den Tankstellen bemerkbar.
       
       Die teureren Energiepreise und die höhere Inflation dürften derweil auch
       die Entwicklung 2027 bremsen: Der IWF erwartet mittlerweile in Deutschland
       ein Plus von 1,2 Prozent – 0,3 Prozentpunkte weniger als bislang.
       
       ## Auch Prognosen für Eurozone und Weltwirtschaft betroffen
       
       Für die Weltwirtschaft erwartet die Organisation in diesem Jahr ein
       Wachstum von 3,1 Prozent (Januar: 3,3 Prozent). 2027 soll die
       Weltwirtschaft weiterhin um 3,2 Prozent zulegen. Damit würde sich die
       Konjunktur langsamer entwickeln als in den Jahren zuvor.
       
       IWF-Chefin Kristalina Georgiewa warnte bereits: „Selbst im besten Fall wird
       es keine saubere und reibungslose Rückkehr zur Vorkriegssituation geben.“
       Das Wachstum werde langsamer ausfallen – „selbst wenn der neue Frieden von
       Dauer ist“.
       
       So dürfte sich das Konjunkturwachstum mittelfristig auf dem neuen Niveau
       einpendeln und damit deutlich unter dem Durchschnitt von 3,7 Prozent
       zwischen 2000 und 2019 liegen.
       
       ## IWF: Inflation könnte deutlich nach oben springen
       
       Die IWF-Chefin verwies zudem auf kurzfristige Risiken für ein Hochschnellen
       der Inflation infolge des Krieges. Die Erwartungen für die Teuerungsrate in
       den USA und in der Eurozone seien bereits deutlich gestiegen.
       „Glücklicherweise haben sich die längerfristigen Erwartungen nicht
       verändert – das ist sehr gut und sehr wichtig“, sagte Georgiewa.
       
       2026 dürfte die Gesamtinflation weltweit bei 4,4 Prozent liegen und im
       kommenden Jahr auf 3,7 Prozent abschmelzen. Damit würden die Werte deutlich
       über dem Zielwert von 2,0 Prozent liegen, den viele Zentralbanken auf dem
       Zettel haben.
       
       Zentralbanken wie die Federal Reserve oder die EZB sieht Georgiewa bislang
       nicht in Zugzwang. „Derzeit ist es sinnvoll, abzuwarten und die Lage zu
       beobachten“, hieß es weiter. Zentralbanken sind in den USA und der EU
       gesetzlich beauftragt, die Inflation stabil zu halten. Steigt diese, können
       die Banken mit Zinserhöhungen diese bremsen – das allerdings kann die
       Wirtschaftsleistung abwürgen.
       
       ## Auch etwas weniger Wachstum für Eurozone und USA
       
       Für die Eurozone rechnet der IWF in diesem Jahr nunmehr mit einem Plus von
       1,1 Prozent (Januar: 1,3 Prozent). Für 2027 erwartet die Organisation ein
       Konjunkturplus von 1,2 Prozent statt bislang 1,4 Prozent.
       
       Auch für die USA als eine der unmittelbar involvierten Kriegsparteien im
       Konflikt mit dem Iran wird der IWF etwas vorsichtiger: Die Wirtschaft in
       dem Land dürfte 2026 nun um 2,3 Prozent wachsen (Januar: 2,4 Prozent).
       Kommendes Jahr rechnen die Experten dagegen mit einem Plus von 2,1 Prozent
       und damit etwas mehr als bislang (2,0 Prozent).
       
       Ein Profiteur des Nahost-Krieges ist Russland. Die dortige ⁠Wirtschaft
       dürfte nun 2026 und 2027 um jeweils 1,1 Prozent zulegen. Das sind 0,3
       beziehungsweise 0,1 Punkte mehr als bisher geschätzt.
       
       14 Apr 2026
       
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