# taz.de -- Trumps Griff nach dem Norden: Am Rand der Welt, im Zentrum der Krisen
> Das Eis der Arktis taut und mit ihm alte Gewissheiten. In Tromsø suchen
> Wissenschaftler, Politiker und Indigene nach einer neuen Ordnung für
> die Polarregion.
(IMG) Bild: Wollen ihr Land nicht verkaufen: Protestierende vor dem US-Konsulat in Nuuk, Grönland
Sie wollte eigentlich gar nicht mit ihm reden. Nicht so, nicht unter diesen
Umständen. Aber er war eben auch in diesem Studio beim norwegischen
Fernsehen, heute Morgen, als sie nacheinander beide interviewt wurden.
„Kein Interesse“, hatte [1][Aaja Chemnitz Arnatsiaq Larsen] ihm im
Vorbeigehen gesagt. Und dann sei dieser unglaubliche Satz gefallen: „Der
Scheck ist in der Post.“
Zwölf Stunden später, am Dienstagabend sitzt die grönlandische
Parlamentsabgeordnete in einem gediegenen, holzgetäfelten Salon in der
Innenstadt von [2][Tromsø], der nördlichsten Großstadt der Welt. „Schluss
mit kolonialen Praktiken, Stärkung der Zusammenarbeit mit Grönland“ heißt
die Veranstaltung, der Saal ist überfüllt. Larsen, die die linke Partei
Inuit Ataqatigiit im dänischen Parlament vertritt, ist der Stargast auf der
Bühne. Sie muss nur einen Namen fallen lassen, die Menge buht: „[3][Tom
Dans]“. Den kennen alle hier als „Trumps Greenland-Guy“: Der
Investmentbanker Dans soll für US-Präsident Donald Trump einen Grönlanddeal
abschließen Mit Geld – wie es der „Scheck“-Satz nahelegt. Dass sich Trump
die Insel sonst womöglich nicht doch noch mit Gewalt holt, da sind sich
viele hier nicht so sicher.
Am Morgen waren Larsen und Dans beim „Nyhetsmorgen“, dem
Frühstücksfernsehen, und Dans hatte behauptet, die Grönländer:innen
seien „niemals frei“ gewesen. „Wir Amerikaner haben uns vor 200 Jahren von
den Briten befreit. Sie sind seit 250 Jahren unter dänischer Herrschaft.“
Das könne nun ein Ende haben, dank Trump, dem „mächtigsten Individuum der
Erde“ und „Dealmaker-in-Chief“.
Über 1.000 Politiker:innen und Wissenschaftler:innen sind in
dieser Woche nach Tromsø gekommen, ganz in den Norden Norwegens. Auf der
„Arctic Frontiers“-Konferenz diskutieren sie darüber, wie es angesichts von
Klimawandel und der zunehmenden Aggressivität der Großmächte in der
Polarregion weitergehen soll. „Die Arktis ist heiß“, das sagte Norwegens
Außenminister Espen Barth Eide zum Auftakt. [4][Die Region heizt sich
viermal schneller auf als der Rest der Welt]. In dieser Woche ist es in
Tromsø, 350 Kilometer nördlich des Polarkreises, teils fünf Grad wärmer als
in Berlin. Das große Tauen eröffnet potenziell neue Möglichkeiten für
Handel, Rohstoffabbau und Landwirtschaft – und weckt entsprechende
Begehrlichkeiten.
Und so war Eidens Satz nicht nur auf den Klimawandel gemünzt. Allen stecken
Trumps Drohungen gegen Grönland der vergangenen Wochen in den Knochen. Sein
Emissär Dans ist gekommen, um seine Sicht der Dinge zu verbreiten. Auf
einem Konferenzpodium sprechen darf er nicht, eine Interviewanfrage der taz
beantwortet er nicht.
## „Wir sind alle erschöpft“
Trump habe die [5][Grönländer:innen in Angst versetzt,] sagt Larsen.
„Lehrer sagen mir, dass die Schulkinder verlangen, während des Unterrichts
das Radio laufen zu lassen, damit sie gleich erfahren, wenn es einen Krieg
gibt. Ich werde wirklich wütend, wenn ich das höre.“ Am Mittag hatte sie
vor Journalist:innen gesagt: „Heute geht die größte Gefahr von den USA
aus, nicht von Russland und China.“ Trumps Aggression müsse auch andere
Länder besorgen. Es sei „wichtig, darüber nachzudenken, wer der Nächste
sein könnte. Unsere Sicherheit ist eure Sicherheit“, sagt sie. Es ist das
gleiche Argument, mit dem die Ukraine um Unterstützung bittet.
Larsens Partei hatte sich einst für die Unabhängigkeit von Dänemark
eingesetzt. Davon ist keine Rede mehr. „Haben wir Dinge mit Dänemark zu
klären? Ja.“ Aber auch in einer Ehe lasse „man sich nicht gleich scheiden,
nur weil es mal kompliziert wird“. Die US-Regierung habe Lügen verbreitet
und über Grönland einfach als ein „großes Stück Eis“ gesprochen, die
Menschen ignoriert. „Beleidigend“ sei das. Die Grönländer:innen lebten
in letzter Zeit in einer „surrealen Situation“, sagt sie. „Ich wache auf,
und dauernd gibt es Breaking News, das ist ein Albtraum.“ Die USA seien so
lange ein enger Verbündeter gewesen. „Es ist schwierig, zu verstehen, was
da jetzt geschehen ist. Wir sind alle erschöpft.“
Tromsø ist der Sitz des [6][Arktischen Rats], der dieser Tage 30 Jahre alt
wird. Das Forum aus acht Arktisanrainern galt lange als Symbol für das, was
auf der „Arctic Frontiers“-Konferenz immer wieder „arktischer
Exzeptionalismus“ genannt wird: der Umstand, dass nördlich des Polarkreises
der Kalte Krieg nicht so durchgeschlagen hatte wie anderswo. Entrückt von
der übrigen Welt gab es hier lange ein eher kooperatives Verhältnis
zwischen USA, UdSSR und den übrigen Anrainerstaaten. Erinnert wird gern an
den Eisbärenschutzvertrag von 1973. Und auch nach 1990 sei die
Zusammenarbeit rund um den Nordpol ein „Leuchtfeuer“ internationaler
Kooperation gewesen, das wird hier gern betont.
Doch das ist passé. Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine ist die
Zusammenarbeit mit Moskau im Arktischen Rat ausgesetzt. Die verbleibenden
Staaten verfolgen Putins Expansionsbestrebungen im Eismeer mit zunehmender
Sorge. Gefolgert hatten sie daraus bis vor Kurzem vor allem die
Notwendigkeit, die Nato in der Polarregion zu stärken. Doch seitdem auch
Trump droht, ist unklar, wie es weitergehen soll.
## Partner, trotz allem?
Auf dem Podium an Dienstagabend sitzt neben Larsen Mike Sfraga, ein
Universitätsprofessor aus Fairbanks in Alaska. Unter Joe Biden war er
US-„Botschafter für Arktische Angelegenheiten“: „Wenn du jemals von Dans
einen Scheck kriegst, zerreiß ihn“, sagt er, zu Larsen gebeugt. „Es tut mir
weh, was geschieht. Denkt dran: Ihr habt auch in den USA Freunde – in
beiden Parteien.“ Die Umfragen zeigten: „Die Mehrheit der Amerikaner will
das nicht.“
Mittwoch dann wird die republikanische US-Abgeordnete Lisa Murkowski aus
ihrem Büro in Washington auf die „Arctic Frontiers“-Hauptbühne
zugeschaltet. Trumps Rhetorik habe „der Kooperation die Luft zum Atmen
genommen,“ sagt Murkowski. „Ihr habt Verbündete, auch im US-Kongress.“
Es gibt eine Fraktion hier, die auf Stimmen aus den USA baut. Sie fürchtet
Russland und will deshalb von den Amerikanern als Partner nicht lassen,
trotz allem.
Zu ihr gehört zum Beispiel der [7][norwegische Außenminister Espen Barth
Eide]. Er nennt es einen „Segen“, dass dank Schweden und Finnland nun „mehr
Arktis in der Nato und mehr Nato in der Arktis ist“. Auf der Konferenz wird
das Video einer jungen Frau aus dem norwegischen Kirkenes abgespielt. Sie
fragt, wie sie „sicher leben“ soll, wenn nur 100 Kilometer entfernt,
jenseits der Grenze zu Russland, das „größte Atomwaffenarsenal der Erde“
liegt.
Oder die litauische Außenministerin Baiba Braže. Mit Blick auf das
US-Gebaren gegenüber Grönland sagt sie: „Alle Differenzen in der Nato
können unter Partnern im Dialog gelöst werden.“ Denn man dürfe nicht
vergessen: Die „größte Gefahr ist Russland“. Schließlich drohe auch anderen
Ländern ein Schicksal wie der Ukraine.
Samu Paukkunen ist Direktor des Finnischen Instituts für Internationale
Politik. „Die russische Aggression zwingt allein die nordischen Staaten zu
Mehrausgaben im zweistelligen Milliardenbereich“, sagt er. Gegen Russlands
hybride Attacken helfe „keine Diplomatie“, nur Aktionen wie die jüngst
angelaufene [8][Nato-Ostseemission Baltic Sentry].
## Russische Nadelstiche
Doch nicht nur die unmittelbaren Nachbarn warnen vor Russland. Am Montag
spricht der grüne Ex-Vizekanzler Robert Habeck in Tromsø. Er [9][arbeitet
jetzt am Dänischen Institut für Internationale Studien in Kopenhagen]. Es
sei auffällig, wie sehr die Rhetorik der russischen Regierung zur Arktis
heute der Weise gleiche, mit der sie früher über die Ukraine gesprochen
habe, sagt Habeck. „Das Gerede von einer ‚Roten Arktis‘, Bilder russischer
Flaggen am Nordpol, die Vorstellung, dass dies eine natürliche Region für
den besonders harten russischen Menschen ist, und der historische Bezug auf
die Arktisexpeditionen, die Zar Peter der Große anstieß“ – genauso habe
Russlands Regierung einst den Überfall auf die Ukraine propagandistisch
vorbereitet, sagt Habeck. „Und wir alle haben das übersehen.“
Ihn treibe die Sorge um, dass die zunehmenden, provokativen Umtriebe
russischer Schiffe im Eismeer oder der Ostsee auf kurz oder lang zu einem
Zwischenfall führen könnten, den Putin zum Anlass für eine Eskalation
nähme. „Dann kann schnell auch Norwegen oder Polen hineingezogen werden –
und dann gehen wir dunklen Zeiten entgegen.“ Und wer garantiere, dass Trump
und Putin die Region nicht einfach untereinander aufteilen – Grönland für
die USA, das zu Norwegen gehörende Spitzbergen für Russland etwa? „Was
dann? Steigen wir dann wirklich in einen Krieg ein?“
Neben Habeck auf dem Podium steht Gunhild Hoogensen Gjørv. Die Professorin
unterrichtet Geopolitik an der Arktischen Universität in Tromsø. „Nach der
Annexion der Krim 2014 haben viele gedacht, wenn wir in der Arktis nett zu
Russland sind, geht es vielleicht irgendwie“, sagt Gjørv. Heute aber werde
die Polarregion „bombardiert“ mit hybriden Attacken, hinter denen Moskau
stehen dürfte. „Elektronische Sabotage, Spionage, Hacking, Spoofing,
Rekrutierung von Informanten, verschwundene Unterseekabel, die U-Boote,
Schattenflotte – alles da“, sagt sie.
[10][2024 hat eine Arbeitsgruppe unter Gjørvs Leitung einen Bericht über
die russischen Nadelstiche rund um den Norden Norwegens vorgelegt.] Es
seien Aggressionen „unterhalb militärischer Gewalt“, sagt sie. Sie sollten
Misstrauen in der Gesellschaft säen. „Wenn das gelingt, dann werden hybride
Aktivitäten zu einer Gefahr, dann desintegrieren sie unsere Gesellschaft“,
sagt Gjørv. Vertrauen sei deshalb die wichtigste Gegenwehr.
## „Doomed to fix our shit“
Wie weit Russland geht, das hat Gjørv selbst zu spüren bekommen. Der
russische Agent Mikhail Mikushin kam 2021 getarnt als brasilianischer
Gastwissenschaftler an die Uni in Tromsø – und versuchte sie auszuspähen.
Nach seiner Verhaftung wurde er [11][2024 in Ankara mit sieben weiteren
russischen Häftlingen vom Westen gegen 16 westliche Gefangene Putins
ausgetauscht].
Auch Gjørv hält es für denkbar, dass Moskau es auf das auch von Russen
besiedelte Spitzbergen abgesehen haben könnte. „Die Insel gehört zu
Norwegen. Punkt. Aber Russland verbreitet dauernd Behauptungen, dass der
Spitzbergenvertrag von 1920 auch irgendwie anders interpretiert werden
könnte.“ Denn klar sei, dass es steten Druck und Kampagnen gebe, um
Einfluss auf die lokale Bevölkerung zu nehmen. „Die Menschen sollen offener
gegenüber Russland werden.“
„Wer nicht mit am Tisch sitzt, der landet auf dem Teller“ – das ist der
wenig subtile Titel des Panels, das der Frage nachgehen soll, wie sich die
EU in dieser neuen, aufgeheizten Welt positionieren soll. Dabei zeigt sich,
wie sehr die Idee einer Allianz der liberalen Mittelmächte, [12][die der
kanadische Regierungschef Mark Carney im Januar beim Weltwirtschaftsforum
in Davos umrissen hatte], einen Nerv trifft. Island, die Schweiz, Norwegen
mögen der EU beitreten, heißt es in Tromsø immer wieder. Eine neue Achse
der „Mittelmächte“ als Schutzgemeinschaft gegen die enthemmten Supermächte
– diese Perspektive erschein vielen hier naheliegend.
„In Schweden und Finnland war die militärische Neutralität auch Teil der
Identität, und trotzdem sind sie der Nato beigetreten“, sagt der Grüne
Robert Habeck. Schließlich sei es – die bekannten Sorgen um die
Gasvorkommen und Fischereirechte hin oder her – der norwegischen
Bevölkerung kaum zu vermitteln, dass fast alle EU-Entscheidungen Norwegen
betreffen, ohne dass das Land dabei mitreden könne, ähnlich wie die
Schweiz. Die wenigen verbleibenden liberalen Demokratien seien „doomed to
fix our shit“, sagt Habeck. Denn sicher sei, dass die künftige globale
Konfliktlinie zwischen liberalen und autokratischen Staaten verlaufe. „Auch
wenn in den USA wieder ein Demokrat Präsident werden sollte, wird es nie
wieder sein wie vorher.“
## Das Los der Kolonisierung
Wie sich manche hier etwas Neues vorstellen – das zeigt sich am Abend, beim
Empfang der [13][indigenen Völker] Skandinaviens im nordnorwegischen
Kunstmuseum, einem neobarocken Bau am Hafen von Tromsø. Es gibt ein
spanisches Tapasbüfett, und auf der Bühne im Foyer steht Sandra Márjá West,
das Oberhaupt des [14][Samischen Parlaments]. Sie trägt das blaue, Gákti
genannte Kleid der Sami mit bunten Borten und begrüßt die Anwesenden. Diese
mögen die Gastfreundschaft genießen, auch wenn die Welt sich dieser Tage
„anfühlt wie ein Angst einflößender Ort“, so West. Zu „unseren Freunden in
Kalaallit Nunaat“ – in Grönland – sagt sie: „Wir hören euch, wir sehen
euch, wir unterstützen euch.“ Denn einmal mehr sei das
Selbstbestimmungsrecht der Indigenen des hohen Nordens in Gefahr. Es drohe,
so sehen es die Menschen an diesem Abend hier, eine neue Kolonisierung.
In der ersten Reihe vor der Samibühne sitzt [15][Mary Simon], eine von
Adjutanten umringte, schwer bewachte ältere Dame. Sie ist die
Generalgouverneurin von Kanada, die dortige Commonwealth-Vertreterin des
Königs von England. Simon wurde von Justin Trudeau als erste Inuk, erste
Indigene, in dieses höchste Amt des Staats eingesetzt.
Sie ist in Kangiqsualujjuaq aufgewachsen, der nordöstlichsten Inuitsiedlung
der arktischen Provinz Nunavik. Als Kind sei sie „Hundeschlitten und Kanu
gefahren, meine Familie hat sich von Lachs und gesammelten Beeren“ ernährt,
und manchmal habe die Großmutter im Radio Lieder aus Grönland empfangen
können. „Das sind unsere Verwandten“, habe die Oma dann gesagt. „Wir sind
ein Volk, und wir teilen das Los der Kolonisierung“, sagt Simon in ihrer
Rede am folgenden Tag. Simon hatte als Botschafterin 1996 den Arktischen
Rat mitgegründet.
Simons Besuch heute ist eine gezielte diplomatische Geste. Vor ihrer
Abreise nach Tromsø erklärte Simons Büro, sie werde „das Engagement Kanadas
für die Arktis hervorheben“. Ihre Visite in Tromsø, Dänemark und Grönland
solle „die engen historischen und kulturellen Bindungen zwischen den Inuit
in Kanada und in Grönland stärken“.
Dass jemand wie Simon heute in Kanada ein solches Amt bekleiden kann, das
bestärkt hier viele in ihrer Auffassung, mit dem nordamerikanischen Land
eine neue Allianz liberaler Demokratien aufbauen zu können. Die Kanadier
seien „Ehrenskandinavier“, schmeichelt Norwegens Ministerpräsident Jonas
Gahr Støre. Kanada sei „das europäischste Land außerhalb Europas“, sagt
Habeck.
Simons Biografie und ihre Betonung der Rolle der Inuit passen gut dazu, wie
Europa sich mit seinen Ansprüche in der Arktis als normatives Gegenmodell
zu Trumps MAGA-Ideologie positioniert: progressive, geläuterte
Ex-Kolonialisten mit „Werten“. Dass etwa Norwegens Reichtum auf dem Verkauf
gigantischer Mengen fossiler Brennstoffe beruht, die die Erhitzung der
Arktis befeuert haben, tritt da schnell in den Hintergrund.
## Etwas woker
Tone Huse leitet das Osloer Institut für Urbane Studien. Die junge
Professorin hat mit ihren Kindern in Grönland gelebt. Am Dienstagabend
sitzt sie neben der Abgeordneten Larsen auf dem Podium. Die „Mehrheitsdänen
und Mehrheitsnorweger“ hätten nur sehr zögerlich die eigene Rolle als
Kolonialisten eingeräumt, sagt sie. „Und dann haben wir uns gleich damit
entschuldigt, dass wir aber die guten Kolonialisten waren – ‚seht euch nur
die Briten an!‘“ Sie schaut ins Publikum. „Wir kennen die Indigenen, mit
denen wir Territorium teilen, nicht gut“, sagt sie. „Sie aber kennen uns
sehr gut, denn wir haben eine aggressive Agenda der Assimilation
vorangetrieben.“ Nun sei der Moment zu erkennen „dass unser Wissen begrenzt
ist, demütig zu sein, zu fragen, wie wir gute Verbündete sein können“. Man
dürfe nicht länger denken: „Wir wissen schon was gut für euch ist, kommt
schon, was wollt ihr, ein paar Eisbrecher, Klimawissenschaftler,
Investitionen? Los, sagt schon!“
Damit spricht Huse aus, was sich als Tenor durch alle Debatten in Tromsø
zieht. Dekolonisierung ist als Thema allgegenwärtig. Auf der großen Bühne
hakt eine amerikanische Starreporterin bei Vertreter:innen der Samen
aus Schweden und der Inuit aus Kanada immer wieder nach, ob sie sich
ignoriert, übergangen, missachtet fühlten. Sei es der kanadische
Biologieprofessor, der in Tromsø den Wissenschaftspreis bekommt, der
norwegische Ministerpräsident oder andere Redner:innen – kaum eine:r
lässt das Lobpreisen der „Träger indigenen Wissens“ oder ein Eingeständnis
kolonialer Schuld gegenüber den Indigenen des Nordens aus. Und vor allem
die Jüngeren im Publikum nicken dabei stets demonstrativ mit.
Es scheint, als hätten Trumps Aggressionen die Welt hier etwas woker
gemacht.
6 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://arcticparl.org/about/ms-aaja-chemnitz/
(DIR) [2] /Paradies-des-Nordens/!5189362
(DIR) [3] https://www.arctictoday.com/obscure-u-s-group-american-daybreak-central-to-controversial-greenland-visit/
(DIR) [4] /Arktis-erhitzt-sich/!6067578
(DIR) [5] /Groenland-in-Zeiten-von-Trump/!6147029
(DIR) [6] https://arctic-council.org/
(DIR) [7] /Norwegens-Aussenminister/!6006051
(DIR) [8] /Meduza-Auswahl-39-April/!5957591
(DIR) [9] https://research.diis.dk/en/persons/robert-habeck/
(DIR) [10] https://www.hybridcoe.fi/wp-content/uploads/2024/03/20240327-Hybrid-CoE-Working-Paper-30-Security-and-geopolitics-in-the-Arctic-WEB-corr.pdf
(DIR) [11] /Die-ausgetauschten-Gefangenen/!6027619
(DIR) [12] https://www.youtube.com/watch?v=flsgJe8mN-A
(DIR) [13] /Nationale-Minderheiten-in-Norwegen/!5938226
(DIR) [14] https://sametinget.no/about-the-sami-parliament/
(DIR) [15] /Indigene-Generalgouverneurin-in-Kanada/!5784409
## AUTOREN
(DIR) Christian Jakob
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Kanada
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Grönland in Zeiten von Trump: Willkommen in surrealen Zeiten
Trumps Gebietsansprüche sorgen für Unbehagen. Sie konfrontieren die
Menschen auch mit ihrer Geschichte der früheren Kolonialmacht Dänemark.
(DIR) Indigene Generalgouverneurin in Kanada: Inuktitut im höchsten Staatsamt
Mary Simon wird als erste Inuk zur Vertreterin der kanadischen Monarchie
ernannt. Sie will die Bevölkerungsgruppen des Landes versöhnen.