# taz.de -- Drogen per Taxi: Kaltakquise per Briefkasten
       
       > Wenn der Drogentaxi-Flyer scheinbar wahllos in einem Briefkasten in
       > Weißensee landet: Auch Dealer haben Öffnungszeiten.
       
       „Schau mal, Papa. War im Briefkasten.“ Marie reicht mir einen Flyer. Es ist
       Samstagvormittag. Sie war gerade beim Bäcker und hat Brötchen geholt.
       MORITZ steht da in großen goldenen Buchstaben, umrahmt von einem
       Lorbeerkranz. Links unten das grüne Whatsapp-Symbol, daneben eine
       Handynummer und ein QR-Code. Was dieser Moritz wohl anzubieten hat?
       Neugierig drehe ich die Karte um.
       
       „Oh, krass“, sage ich. „Zeig mal“, sagt Johanna. Ich gebe ihr die Karte.
       Marie stellt die Brötchentüte auf den Tisch. Johanna schüttelt den Kopf.
       „Mutige Kaltakquise. Eine Zielgruppenanalyse hat er nicht gemacht. Wir sind
       in Weißensee. Hier leben Familien und Rentner. Nicht unbedingt
       Hauptabnehmer von Drogen.“
       
       „Vielleicht haben gerade die besonderen Bedarf“, sage ich. Flora kommt im
       Pyjama aus ihrem Zimmer geschlurft. „Ob die Nachbarn das auch im
       Briefkasten hatten?“, fragt Marie. „Ich stelle mir gerade vor, wie Frau
       Noack von oben eine Wochenbestellung aufgibt“, sagt Johanna: „‚Damit sie
       nicht jeden Tag kommen müssen, junger Mann.‘“
       
       „Worüber redet ihr?“, fragt Flora. Johanna schiebt ihr die Karte hin. „Ui“,
       sagt Flora. „Das ist crazy.“ Dann liest sie vor. „Open 12:00 – 03:00 Uhr.
       Coke, Ketamin, Weed, Speed, Hash. Mindestbestellwert 50 Euro.“ „Weed und
       Speed reimt sich“, sagt Marie. „Ein Gedicht ist das aber nicht“, sagt
       Johanna. „Was ist Ketamin eigentlich genau?“, frage ich.
       
       ## Ungeklärte Frage nach Familienrabatt
       
       Johanna zuckt mit den Schultern. „Ein Schmerz- und Narkosemittel“, sagt
       Flora. „Aber auch eine Partydroge. Ruft Halluzinationen hervor.“ „Du kennst
       dich ja aus“, sage ich verblüfft. „Drogenpräventionstag in der Schule.“
       
       „Was machen wir jetzt damit?“ Marie tippt auf den Flyer. „Anrufen“, sagt
       Flora. Ich sehe Johanna an. „Warum nicht?“ Sie wählt die Nummer und stellt
       auf Lautsprecher. Wir lauschen gespannt: The person you have called is
       temporarily not available.
       
       „Es ist noch nicht 12“, sage ich. „Du rufst außerhalb der Öffnungszeiten
       an.“ „Schade“, sagt Marie. Flora nickt. „Ich hätte auch gern mitbekommen,
       wie Mama beim Frühstück versucht, einen Familienrabatt auszuhandeln.“
       
       24 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Klaus
       
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