# taz.de -- Konzertbesuche Ü50: Die letzten der Ausgeher
> Auf Berliner Konzerten fallen die älteren Semester auf. Doch wie nur kann
> man sich ihnen anschließen?
Ich habe eine Theorie, die mir immer dann in den Sinn kommt, wenn ich zu
einem Konzert gehe, bei dem die meisten anderen Zuschauer*innen deutlich
jünger sind als ich. Sie geht so:
Es gibt unter meinesgleichen einen geheimen Ring von Greisinnen und
Greisen, die diebische Freude daran haben, zu Konzerten zu gehen, auf denen
sie unbestritten die Ältesten sind. Sie begreifen es als eine Art Sport.
Inzwischen halte ich strategisch Ausschau nach diesen Menschen.
Ich meine, sie am auf der Stelle wippenden Tanz zu erkennen und am minimal
versetzten Schritt auf dem Parkett. An der, prozentual gesehen, etwas zu
farbenfrohen Kleidung und ihren Mützen, die wirklich aus den 1980er Jahren
kommen.
Sie haben den Absprung in die Adoleszenz nicht verpasst, sie wollen das
Greisentum ignorieren. Zumindest nehme ich das an. Im Grunde sind diese
Menschen Held*innen für mich. Wenn ich mal groß bin, will ich auch so
sein wie sie. Nur, um schnell zu erkennen, dass ich auch diese Basecaps
trage und mein Bart genauso weiß ist, wie der von dem Typ rechts neben mir
neulich in der Max-Schmeling-Halle.
Auch, dass ich so ein Wort wie neulich nicht nur denke, sondern sage, passt
zu meiner These. Während ich also davon träume, selbst gern Teil dieses
elitären Konzertgeher*innenrings werden zu wollen, erkenne ich ein
Problem: Ich weiß nicht, wie sie sich organisieren. Gibt es eine besondere
App, in der sie ihre stolzen Erlebnisse posten? Haben sie eine geschlossene
Gruppe bei Facebook, oder muss ich einzig zu diesem Zweck einen
Ü50-Volkshochschulkurs absolvieren oder gar die geheime Hintertür im Keller
eines Abrisshauses finden? Gibt es einen Fitnesslevel, den ich nachweisen
muss? Ich wäre optimistisch, ich trainiere!
Aber vielleicht muss ich einfach nur beim nächsten Konzert jemanden fragen.
Ich wette, Zartmann bietet sich an.
25 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Klaus Esterluss
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