# taz.de -- Von der Leyen in Canberra: EU will Handelsdeal mit Australien abschließen
> Die EU-Kommissionspräsidentin ist seit Montag in Australien, um letzte
> Details auszuhandeln. Die EU erhofft sich Zugang zu Rohstoffen wie
> Lithium.
(IMG) Bild: Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission, nimmt an einer traditionellen Rauchzeremonie der Aborigines teil, 23.3.2026
Es könnte das dritte große Handelsabkommen werden, das
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dieses Jahr unterzeichnet.
Nach Abschluss der Verhandlungen mit den südamerikanischen
[1][Mercosur-Staaten] sowie [2][Indien] drängt von der Leyen auf ein
Abkommen mit Australien.
Dafür ist sie am Montag in der australischen Hauptstadt Canberra gelandet,
wo sie Regierungschef Anthony Albanese trifft. Das Handelsabkommen sei Teil
von Europas Streben nach strategischer Unabhängigkeit, schrieb von der
Leyen in einem Gastbeitrag am Montag, den mehrere europäischen Zeitungen
veröffentlichten.
„Es bedeutet sicherzustellen, dass kein Land den Zugang zu Energie,
Halbleitern oder Seltenerdmineralien als Waffe nutzen kann, um unsere
Wirtschaft als Geisel zu nehmen“, so von der Leyen. Die EU will damit
unabhängiger von China werden, das den Großteil der Rohstoffimporte in die
EU abdeckt.
Australien ist der weltweit größte Lithiumlieferant und baut weitere
seltene Erden ab, die für Elektromobilität oder Solartechnik benötigt
werden. Deutsche Wirtschaftsverbände forderten am Montag einen schnellen
Abschluss der Verhandlungen. „Angesichts wachsender geopolitischer
Spannungen ist eine vertiefte Partnerschaft mit Australien strategisch
sinnvoll und bietet gerade in den Bereichen Rohstoffe, Digitalisierung und
Weltraum große wirtschaftliche Chancen“, sagte Außenhandelschef der
Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) Volker Treier.
Der Industrieverband BDI betont Vorteile für deutsche Exporteure von Autos,
Maschinen und Konsumgütern. Auch die Chemieindustrie zählt zu den großen
Exporteuren nach Australien. Für Australien ist Europa der drittgrößte
Handelspartner. Für die EU macht der Handelsverkehr mit Australien aber nur
etwa 1 Prozent des Gesamthandels aus. Europa importiert vor allem Rohstoffe
und Agrarprodukte.
## Streitpunkt: Fleischimporte
Die EU verhandelt seit knapp zehn Jahren einen Handelsdeal mit Australien.
[3][2023 scheiterten Gespräche], weil die EU eine Obergrenze für
australische Rind- und Schaffleischexporte festlegen wollte, um die eigenen
Landwirte zu schützen – so wie sie es in dem Mercosur-Abkommen verhandelte.
Auch beim Handelsabkommen mit Südamerika reichte das den Landwirten
allerdings nicht. Im Vorfeld der Reise von Ursula von der Leyen warnte der
europäische Bauernverband Copa-Cogeca, die Landwirtschaft dürfe „nicht
schon wieder als Verhandlungsmasse dienen, um Vorteile in anderen Sektoren
zu erzielen“.
Die EU kritisiert eine australische Steuer auf europäische Luxusautos.
Australien wehrte sich zuletzt auch dagegen, verbindliche Zusagen zum
Klima- und Umweltschutz in das Handelsabkommen aufzunehmen, wie es die
Kommission fordert. Die Brüssel Denkfabrik European Institute European
Environmental Policy (IEEP) gab [4][in einer Analyse von 2023] zu bedenken,
das Australiens Exportwirtschaft hohe Emissionen verursacht. Australisches
Schafsfleisch etwa erzeuge 36 Prozent mehr CO2 als europäisches. Höherer
Bedarf an Rohstoff müsse außerdem mit der Verankerung von Umwelt- und
Sozialstandards beim Abbau einhergehen. Nach Unterzeichnung des Deals
folgen die rechtlichen Details. (mit Agenturen)
23 Mar 2026
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(DIR) [1] /Freihandelsabkommen-mit-Mercosur/!6147421
(DIR) [2] /Neues-Freihandelsabkommen/!6148418
(DIR) [3] /Kein-EU-Handelsabkommen-mit-Australien/!5966753
(DIR) [4] https://ieep.eu/publications/pre-fta-briefing-eu-australia/
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
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