# taz.de -- Parteispitze zu Freihandelsabkommen: Grüne wollen nicht mehr „auf jedes Komma achten“
       
       > Hauptsache gegen Trump: Nach der umstrittenen Mercosur-Abstimmung im
       > EU-Parlament wollen die Grünen bei künftigen Abkommen nicht mehr so genau
       > hinschauen.
       
 (IMG) Bild: „… lassen Sie mich das ganz klar sagen: Wir stehen zu Mercosur“, sagte Parteichefin Franziska Brantner am Montag am Rande in Berlin
       
       Die Grünen sind jetzt wirklich für Freihandel: Fünf Tage nach der
       umstrittenen Mercosur-Abstimmung im Europaparlament bemüht sich die Spitze
       der deutschen Grünen weiterhin, das zu beweisen. „Es braucht weitere
       Handelsabkommen und lassen Sie mich das ganz klar sagen: Wir stehen zu
       Mercosur“, sagte Parteichefin Franziska Brantner am Montag am Rande einer
       Vorstandsklausur in Berlin.
       
       Ihr Co-Vorsitzender Felix Banaszak ergänzte, die europäische Antwort auf
       Donald Trump müsse „auch eine wirtschaftliche“ sein. Aus dem Parlament in
       Straßburg seien am letzten Mittwoch „leider nicht die Signale europäischer
       Geschlossenheit und Entschlossenheit (…) gesendet worden, die aus unserer
       Sicht notwendig gewesen wären“. Es sei eine „recht euphemistische
       Formulierung gewesen“, [1][als er nach der Abstimmung sagte, über das
       Ergebnis sei er „nicht happy“.]
       
       Das EU-Parlament hatte am Mittwoch mit knapper Mehrheit [2][eine kritische
       Resolution zum Mercosur-Abkommen] zwischen der EU und lateinamerikanischen
       Staaten beschlossen. Das Abkommen wird damit nicht aufgehalten, aber zur
       rechtlichen Überprüfung an den Europäischen Gerichtshof übersandt. Dafür
       stimmten Abgeordnete diverser Fraktionen – [3][aus Deutschland unter
       anderem Linke], Grüne und Rechtsextreme, nicht aber Konservative und
       Sozialdemokraten.
       
       Lob für die Entscheidung gab es von Organisationen wie Greenpeace, die
       Details des Abkommens kritisieren. Die Grünen-Spitze macht jetzt aber klar:
       Wiederholen soll sich ein solcher Vorgang nicht. Beispielsweise sei ein
       derzeit geplantes Freihandelsabkommen mit Indien „in unserem Interesse“, so
       Banaszak am Montag. „Seien Sie sich sicher: Die grüne Fraktion im
       Europäischen Parlament wird da nicht auf jedes Komma achten, wenn es darum
       geht, unsere Stärke zu sichern.“
       
       ## Auch Merz und Franzosen schuld
       
       Allerdings taten die Grünen-Vorsitzenden auch nicht ausschließlich Buße.
       Brantner verwies auf die massive Ablehnung, die es gegen das Abkommen
       fraktionsübergreifend von Abgeordneten aus Frankreich und Polen gab. Im
       Europäischen Rat hatten zuvor schon die nationalen Regierungen beider
       Länder gegen das Abkommen gestimmt. Für Brantner war das die Schuld von
       Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der nicht die „Extra-Meile“ gegangen
       sei, um einen „gemeinsamen Kompromiss“ zu finden.
       
       Banaszak nahm vor diesem Hintergrund die eigenen Leute im EU-Parlament auch
       in Schutz. Auch in der Grünen-Fraktion dort gebe es „Menschen
       beispielsweise aus Frankreich, die vor dem Hintergrund ihrer nationalen
       Debatten ihre Entscheidung getroffen haben“. Die acht deutschen Grünen, die
       mit ihnen für die Resolution stimmten, haben ihm zufolge im Sinne des
       Fraktionsfriedens gehandelt: Man solle jetzt, so der Parteichef, nicht den
       Stab über denen brechen, „die versucht haben, die europäische Fraktion (…)
       zusammenzuhalten“.
       
       26 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Gruene-streiten-ueber-Mercosur/!6147877
 (DIR) [2] /Freihandelsabkommen-mit-Mercosur/!6147421
 (DIR) [3] /Mercosur-Abstimmung-im-EU-Parlament/!6148325
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Schulze
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
 (DIR) Mercosur
 (DIR) Europaparlament
 (DIR) Freihandel
 (DIR) Felix Banaszak
 (DIR) Franziska Brantner
 (DIR) GNS
 (DIR) Ursula von der Leyen
 (DIR) Mercosur
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Neues Freihandelsabkommen: Die EU setzt auf Indien
       
       Beim Indien-EU-Gipfel sollen ein Handelsabkommen und eine neue
       Sicherheitspartnerschaft auf den Weg gebracht werden. Auch wenn Differenzen
       bleiben.
       
 (DIR) Mercosur-Abstimmung im EU-Parlament: „Das Gegenteil von rechter Politik“
       
       Gemeinsame Sache mit der AfD? Die Linke verwahrt sich gegen die Kritik, die
       Brandmauer gebrochen zu haben. Nur Heidi Reichinnek klingt nachdenklich.
       
 (DIR) Grüne und Linke nach Mercosur-Abstimmung: Brandmauer für Anfänger*innen
       
       Vielleicht haben Grüne und Linke im EU-Parlament nur aus Versehen mit der
       AfD gestimmt. Die Folgen für die Zukunft der Brandmauer sind trotzdem
       enorm.