# taz.de -- Havarierter russischer LNG-Tanker: Schattenkriege im Mittelmeer
       
       > Seit Wochen treibt ein Tanker der russischen „Schattenflotte“ vor Libyens
       > Küste. Nun soll er abgeschleppt werden. Moskau spricht von einem Angriff
       > der Ukraine.
       
 (IMG) Bild: Der stark beschädigte russische Tanker „Arctic Metagaz“ auf offener See zwischen Malta und der italienischen Insel Lampedusa
       
       Der auf dem Mittelmeer treibende und schwer beschädigte russische
       [1][LNG-Tanker „Artic Metagaz“] hielt wochenlang die Behörden auf Malta und
       der kleinen italienischen Insel Linosa in Atem. Nun soll er nach Angaben
       des staatlichen libyschen Ölkonzerns NOC mithilfe des italienischen
       Ölkonzerns Eni nach Libyen abgeschleppt werden. Zuletzt hatte man in
       Westlibyen und auf der tunesischen Insel Djerba eine Umweltkatastrophe
       befürchtet. Am 3. März waren mehrere mit Flüssiggas (LNG) gefüllte Tanks
       des 277 Meter langen Schiffs vor der libyschen Küste explodiert.
       
       Die Leitstelle für Rettungseinsätze in der libyschen Küstenstadt Sirte
       meldete zunächst, die „Arctic Metagaz“ sei gesunken. 30 russische Seeleute
       wurden von der libyschen Küstenwache gerettet, zwei Besatzungsmitglieder
       liegen mit Brandwunden in einer Klinik in Bengasi. Seitdem ist das Schiff
       über 400 Kilometer durch die Strömung Richtung Westen getrieben worden.
       
       Von einem Flugzeug der italienischen Küstenwache aufgenommene Bilder zeigen
       ein riesiges Loch auf der linken Seite des Schiffs, das vom Deck bis zum
       Wasserspiegel reicht. Die libyschen Behörden gehen davon aus, dass die
       „Arctic Metagaz“ zum Zeitpunkt der Explosion 62.000 Tonnen LNG
       transportierte, dazu 900 Tonnen Diesel und eine unbekannte Menge Benzin.
       LNG-Gas wird zum Transport in Spezialtanks auf Minus 160 Grad
       heruntergekühlt.
       
       Das Schiff sei eine Zeitbombe, zitiert die Nachrichtenagentur Ansa die
       italienischen Behörden. „Ein Auseinanderbrechen des Schiffs würde zu einem
       erneuten Feuer, dem Entweichen giftiger Gase und der Verseuchung der
       Unterwasserwelt führen“, warnt das WWF. Die „Arctic Metagaz“ befindet sich
       in einem für seine Biodiversität bekannten Abschnitt des Mittelmeers.
       
       ## Eine der wichtigsten Schiffsrouten der Welt
       
       Das Drama um das in Südkorea gebaute Spezialschiff wirft ein Licht auf
       einen schwelenden Konflikt auf einer der meistbefahrenen Schifffahrtsrouten
       zwischen Gibraltar und dem Suez-Kanal. Das südliche Mittelmeer ist durch
       die iranische [2][Blockade der Straße von Hormus] einer der wichtigsten
       Transportwege für russische Öl- und Gastransporte geworden.
       
       Genau in dem betroffenen Seegebiet rund 240 Kilometer vor Sirte fand kurz
       zuvor die jährliche Nato-Übung Dynamic Manta statt. Kriegsschiffe mehrerer
       Nationen probten die Bekämpfung von U-Booten. In Sirte wird deswegen
       spekuliert, ob ukrainische Drohnen an der über weite Strecken
       menschenleeren Küste stationiert sind. Bereits kurz nach der Explosion auf
       der „Arctic Metagaz“ sprach der Kreml von einem Anschlag. Ein ukrainisches
       Drohnenboot sei von der libyschen Küste aus gestartet, so ein Sprecher.
       
       Da Russland mit dem in Ostlibyen herrschenden Feldmarschall Khalifa Haftar
       verbündet ist, macht Moskau damit indirekt die mit Haftar verfeindete
       libysche Regierung in Tripolis mitverantwortlich. Im Dezember war bereits
       das Tankschiff „Quendil“ von einer Drohne getroffen worden, die aus
       russischer Sicht in Libyen gestartet war.
       
       Die „Arctic Metagaz“ war wie zuvor wohl vom russischen Murmansk nach
       Ägypten unterwegs, entweder nach Alexandria oder Richtung Suezkanal, über
       den [3][die Schattenflotte] bisher Indien beliefert. Der Irankrieg ist ein
       Glücksfall für die russische Energiewirtschaft, die jetzt in Genuss höherer
       Preise sowie einer temporären Aufhebung von US-Sanktionen gegen bereits
       verschifftes Öl gekommen ist. Das russische Transportministerium glaubt, in
       Libyen stationierte ukrainische Spezialkräfte wollten nun den russischen
       Export von LNG auf andere Weise behindern.
       
       ## Russland setzt auf Ostlibyens General Haftar
       
       An der 2.000 Kilometer langen libyschen Mittelmeerküste ringen Moskau, die
       Türkei, die USA und mehrere EU-Länder um die Gunst der verfeindeten
       Machthaber in Bengasi und Tripolis. Die Söhne des ostlibyschen Herrschers
       Haftar waren im letzten Jahr mehrmals nach Moskau und Minsk gereist, immer
       wieder wird auch vom russischen Interesse am ostlibyschen Tiefseehafen
       Tobruk berichtet. Unter westlichen Sanktionen stehende russische
       Tankschiffe legen jeden Tag in den von Haftar kontrollierten Häfen Tobruk
       und Bengasi an. Sie liefern Benzin und exportieren Rohöl.
       
       Über Haftar versorgt Russland die [4][RSF-Rebellen in Sudan] und russische
       Stützpunkte in Zentralafrika mit Waffen und Benzin. Russische Waffen und
       Militärberater sowie Hightech aus den Vereinigten Arabischen Emiraten haben
       Haftar ermöglicht, eine schlagkräftige Armee aufzubauen. Die
       Parallelregierung in Ostlibyen investiert zurzeit mehrere hundert Millionen
       Dollar für Wiederaufbauprojekte, auch mit Einnahmen aus den Geschäften mit
       der russischen Schattenflotte. Ostlibyen liefert billiges Benzin,
       mittlerweile nach Recherchen des US-Thinktanks „The Sentry“ zu 90 Prozent
       aus Russland stammend, in die gesamte Sahel-Region.
       
       Die US-Regierung von Donald Trump will Libyen aber nicht Moskau überlassen.
       Delegationen des Afrika-Kommandos der US-Armee (Africom) und italienische
       Generäle sind regelmäßig in Haftars Hauptquartier in Bengasi zu Gast. Im
       April wird Africom in Sirte zusammen mit Militärs aus 30 Ländern das
       regelmäßige US-Afrika-Militärmanöver Flintlock organisieren.
       
       22 Mar 2026
       
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