# taz.de -- Journalist Ronen Steinke in Leipzig: Seine Klinge auch an widrigen Gedanken wetzen
       
       > Auf der Leipziger Buchmesse spricht Ronen Steinke über sein Buch
       > „Meinungsfreiheit“. Der Journalist sieht eine gefährliche
       > Machtverschiebung am Werk.
       
 (IMG) Bild: Protest gegen den Kulturstaatsminister Weimer: Es wird schwieriger, die eigene Meinung zu äußern, schreibt Ronen Steinke
       
       Weiße Schrift auf rotem Hintergrund: „Willkommen in der Weimerer Republik“
       steht auf einem Plakat an der Stellwand eines Indie-Verlags auf dem
       Leipziger Messegelände. Dazu ein Foto des grinsenden Kulturstaatsministers,
       dem das Lachen nach seiner von Buhrufen begleiteten Eröffnungsrede auf der
       Leipziger Buchmesse am Mittwochabend wohl im Hals stecken blieb.
       
       Die Empörung über den Kulturstaatsminister, der kürzlich drei linke
       Buchhandlungen von der Nominierungsliste für den Buchhandlungspreis
       streichen ließ, wird am ersten publikumsoffenen Tag in Leipzig deutlich
       spürbar. Aber wie sicher kann man sich derzeit fühlen, die eigene Meinung
       öffentlich zu äußern?
       
       „Noch nie hat es hierzulande so viele Ermittlungen wegen bloßer Worte
       gegeben“, schreibt der Journalist Ronen Steinke, der auch als Jurist tätig
       ist. [1][„Meinungsfreiheit“] heißt sein neues Sachbuch – auf der Buchmesse
       spricht er darüber im Forum Offene Gesellschaft mit der Verlegerin Helga
       Frese-Resch.
       
       ## Grundrecht auf Blamage
       
       Die Stühle im Publikum sind dicht besetzt – was Ronen Steinke zur
       Diskussion stellt, scheint einen Nerv zu treffen. Steinke, bekannt für
       seine politischen Analysen, plädiert in seinem vielbeachteten neuen Buch
       für die freie Rede. Seine These: Wer heute die eigene Meinung öffentlich
       kundtut, hat mit höherer Wahrscheinlichkeit strafrechtliche Konsequenzen zu
       befürchten als noch vor zehn Jahren. Eine Machtverschiebung, die Steinke
       [2][als hochgefährlich] einstuft, denn Grundrechte seien für Positionen
       erfunden worden, die der Obrigkeit nicht gefallen.
       
       Wenn also Wolfram Weimer das politische Programm einer Buchhandlung nicht
       gefällt und er versucht, das auf verfassungsrechtlichem Weg zu ändern,
       haben wir als Gesellschaft ein großes Problem. Im System, aber auch in
       unserem Umgang mit Streitkultur. Dem tritt Ronen Steinke auf der Buchmesse
       sachlich, aber mit zynischem Unterton entgegen: „Man muss seine Klinge
       wetzen an widrigen Gedanken.“
       
       Hätte man etwa nur noch Bücher im Regal, die Wolfram Weimer empfiehlt, sei
       auch daraus etwas zu gewinnen. Denn, so formuliert es Steinke in klugen
       Worten: Die Gegenposition zu kennen, „bewahrt einen davor, denkfaul zu
       werden“. In einem funktionierenden Rechtsstaat müsse jeder Mensch die
       Chance bekommen, sich mit der eigenen Meinung zu zeigen – und mitunter auch
       zu blamieren. Ein Grundrecht, von dem zumindest der Kulturstaatsminister
       anscheinend [3][sorglos Gebrauch macht.]
       
       20 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ronen-Steinkes-Buch-Meinungsfreiheit/!6156932
 (DIR) [2] /Debatte-um-Kulturstaatsminister-Weimer/!6162276
 (DIR) [3] /Weimer-und-die-Nationalbibliothek/!6163620
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ella Rendtorff
       
       ## TAGS
       
 (DIR) wochentaz
 (DIR) Schwerpunkt Leipziger Buchmesse
 (DIR) Wolfram Weimer
 (DIR) Meinungsfreiheit
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Wolfram Weimer
 (DIR) Schwerpunkt Leipziger Buchmesse
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Wolfram Weimer und die Kultur: Kontrolle und Gunsterweisung
       
       Die Causa Weimer ist mehr als Kulturkampf: Die Doppelrolle der Kunst von
       Bewahrung und dem Herausfordern sozialer Routinen geht nicht mehr auf.
       
 (DIR) Kritik an Kulturstaatsminister Weimer: Hufeisen und Nazikeulen
       
       Die Eröffnungsrede von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer auf der
       Leipziger Buchmesse wird mit Buhrufen quittiert. Der verteidigt sich mit
       Habermas.
       
 (DIR) Ronen Steinkes Buch „Meinungsfreiheit“: Niemand hat das Recht, nicht kritisiert zu werden
       
       Ronen Steinke zeigt in seinem gleichnamigen Sachbuch, dass es in
       Deutschland zunehmend schlecht um die Meinungsfreiheit bestellt ist – trotz
       aller guten Absichten.