# taz.de -- Brückentechnologie für die Marine: Bundestag spielt Schiffe versenken
       
       > Weil es mit der Wunschfregatte nicht klappt, organisiert die Bundeswehr
       > übergangsweise neue Boote für den U-Boot-Kampf. Es geht um
       > Milliardensummen.
       
 (IMG) Bild: Teure Aussichten: Verteidigungs-minister Boris Pistorius (rechts) mit dem spanischen General Pérez bei einem Manöver im Februar
       
       Das Chaos bei dem Großprojekt der Bundeswehr schien komplett, jetzt soll es
       ein anderes Unternehmen richten: Für schätzungsweise eine Milliarde Euro
       pro Stück will die deutsche Marine vier neue Kriegsschiffe anschaffen – als
       Übergangslösung. Nach Angaben aus [1][dem Verteidigungsministerium]
       bewilligten die Haushälter*innen im Bundestag am Mittwoch Teilkosten
       für die Verlängerung eines entsprechenden Vorvertrags mit dem Hersteller
       TKMS (Thyssen-Krupp Marine Systems). Weil die Schiffe des Typs Meko laut
       Verteidigungsministerium aus dem Katalog bestellt werden, also ohne
       Sonderwünsche, sollen sie schon 2029 fertig vor Anker liegen.
       
       Doch angesichts der Vorgeschichte und zahlloser Traumata bei der
       Beschaffung ist zumindest Skepsis bei diesen Ankündigungen angebracht.
       Eigentlich wünscht sich die Marine ein ganz anderes Schiff. Schon 2020 gab
       der Bundestag eine Milliardensumme [2][für den Bau von vier neuen Fregatte
       der Klasse 126 frei.]
       
       Die Mehrzweckkampfschiffe waren für alle möglichen Einsatzszenarien
       gedacht: über lange Zeiträume in allen Weltmeeren patroullieren,
       Handelsblockaden überwachen, sich im Seekampf auch gegen U-Boote
       durchsetzen. Den Zuschlag für den Bau erhielt die niederländische
       Damen-Werft – zum Ärger der deutschen Industrie.
       
       Auch aus dem Grund, so viel wie möglich von der Wertschöpfung in
       Deutschland zu erhalten, sollte das Schiff dann nach niederländischen
       Plänen hier gefertigt werden. Doch der Bau im Ostseehafen Wolgast
       verzögerte sich. Als ein Hauptgrund wurde dabei genannt, dass die
       Konstruktionspläne aus den Niederlanden nicht vernünftig übertragen werden
       konnten. In Fachmedien und informierten Kreisen im Haushaltsausschuss gilt
       als sicher, dass die Damen-Werft nun an der Entwicklung der F-126-Fregatte
       nicht weiter beteiligt wird.
       
       ## Ein Exportschlager aus Deutschland
       
       Unklar ist dagegen, was mit dem investierten Geld passiert. Nach
       Informationen [3][des Fachblatts Hardthöhenkurier,] das sich auf
       Bundestagsdokumente beruft, sind fast zwei Milliarden Euro in die
       Entwicklung der Fregatte geflossen. Für deutsche Firmen und auch die IG
       Metall, die gleichsam gegen das niederländische Abenteuer Sturm gelaufen
       waren, dürfte das Aus hingegen eine gute Nachricht sein.
       
       Denn das Verteidigungsministerium nährt die Hoffnung, dass das Geld für die
       F 126 nicht sinnlos versenkt wurde. Das Projekt soll nun von dem
       Unternehmen Naval Vessels Lürssen weiterverfolgt werden. Die Lürssen-Werft
       wurde zum 1. März von Rheinmetall gekauft – der Rüstungsriese hat bislang
       jedoch keine Erfahrung im Marineschiffbau.
       
       Es ist also unklar, wann und wie die Wunschfregatte der Marine tatsächlich
       vom Stapel läuft. Die Bundeswehr verweist auf Nato-Ziele, die vorsähen,
       dass Deutschland ausreichende Kapazitäten zur U-Boot-Jagd vorhält. Um hier
       nicht ins Hintertreffen zu gelangen, sollen es also die Meko-Schiffe
       richten, die das Verteidigungsministerium als „Brückenlösung“ präsentiert.
       Meko steht dabei für Mehrzweckkombination. Die Schiffe, die nach
       unterschiedlichen Kampfbedürfnissen moduliert werden können, sind ein
       deutscher Exportschlager und kommen von der Türkei bis nach Australien
       weltweit zum Einsatz.
       
       19 Mar 2026
       
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