# taz.de -- Die Wahrheit: Lebenslänglich Bayer: Fünf fünfte Jahreszeiten
       
       > Das Bier geht in die Füße, heißt es im trink- und torkelseligen München.
       > Aber was ist eigentlich genau mit der „fünften Jahreszeit“ gemeint?
       
       Auch wenn man es weiß, ist es kaum zu verhindern. Man stolpert, kann sich
       schier nicht auf den Beinen halten und muss dabei zusehen, wie die Beine
       nach links abbiegen, obwohl das Hirn sie eigentlich nach rechts gesteuert
       hat. Es ist Starkbierzeit in München, und wer schon des Öfteren mal mehr
       als eine Mass dieser zuckersüßen Biere in sich hineinbugsiert hat, weiß,
       dass die Wirkung dieses üblen Gesöffs nicht lange auf sich warten lässt.
       
       Während das Hirn noch in der Lage ist, eine profunde Analyse der
       wichtigsten Nachrufe auf Jürgen Habermas zu erstellen, versagen die Beine
       längst ihren Dienst. Das Bier geht direkt in die Füße, so heißt es in
       München. Und so stolpern in diesen Wochen aus den großen Bierhallen der
       Stadt oft die klügsten Gedanken volltrunken nach Hause und sind am nächsten
       Tag im Bierdunst der Vergessenheit leider nicht mehr aufzufinden. „Die
       fünfte Jahreszeit“ nennen sie in München jene rauschigen Tage.
       
       Weil das Bier in der Nacht von den Füßen in den Kopf steigt, gilt der
       Starkbierkater als besonders heftig. Auch deshalb wird gerne eine größere
       Pause eingelegt vom letzten Faschingsschwips zum ersten Starkbierrausch.
       Der Fasching sei in München mal ein ganz großes Ding gewesen, so steht es
       Jahr ums Jahr in irgendeiner der Zeitungen der Stadt, in denen an großen
       Bälle in der Stadt erinnert wird, auf denen sich die Stadtgesellschaft mit
       all ihren Schickis und Mickis so richtig habe gehen lassen.
       
       Das Faschingsleben der Gegenwart ist eher mau. Und seit die Münchner
       Faschingsgesellschaft Narrhalla den von ihr gestifteten Karl-Valentin-Orden
       2019 an den österreichischen Musikanten Andreas Gabalier verliehen hat,
       dessen Volksrock man getrost als völkisch bezeichnen kann, ist der Fasching
       in der Stadt eigentlich nur bei Verzehr großer Mengen Alkohols halbwegs zu
       ertragen. Die fünfte Jahreszeit nennen sie in München jene nicht mehr
       wirklich narrischen Tage, mit den für den Kopf oft folgenschweren Räuschen.
       
       ## Juhei, Maibock!
       
       Schädelwehzeit ist eigentlich immer in München. Auf den Osterrausch folgt
       bald die Maibockzeit. Auch zur Feier dieses Gebräus werden immer häufiger
       folkloristische Events in den großen Brauereigaststätten zelebriert, bei
       denen in Lederhosen gewandete Mannsbilder und mit Dirndls aufgebrezelte
       Frauen zu Musik auf die Bänke steigen, die sie nüchtern als abscheulich
       bezeichnen würden. Bald schon werden sie diese Zeit in München als fünfte
       Jahreszeit bezeichnen.
       
       So wird bisweilen auch die gerade beginnende Spargelzeit genannt. Aber weil
       es dafür kein eigens angesetztes Gebräu gibt, mit dem man Beine und/oder
       Verstand außer Kraft setzen könnte, wird sich diese Bezeichnung wohl eher
       nicht durchsetzen. Dabei wäre im Kalender zwischen Juni und September noch
       jede Menge Platz für fünfte Jahreszeiten. Wenn dann zur Oktoberfestzeit die
       ganze Stadt unter Erbrochenem zu versinken droht, braucht man keinen
       wirklich guten Riecher, um zu erkennen, dass in München gerade die fünfte
       Jahreszeit läuft.
       
       20 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Bayern
 (DIR) München
 (DIR) Bier
 (DIR) Bayern
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Antisemitismus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Die Wahrheit: Die scheußliche Goaßmass
       
       Lebenslänglich Bayer: Es ist Kommunalwahlkampf in Bayern, und der hat etwas
       mit einem Getränk zu tun, das nicht einmal Ziegen trinken sollten.
       
 (DIR) Die Wahrheit: Land der Hymnen
       
       Lebenslänglich Bayer: Markus Söder hat eine neue fantastische Idee und
       stellt die gesangliche Textsicherheit seiner Untertanen auf die Probe.
       
 (DIR) Die Wahrheit: Lebenslänglich Bayer: Scheinheilige Nacht
       
       Lebenslänglich Bayer: Allgegenwärtig vor Weihnachten ist in Bayern die
       Versdichtung „Heilige Nacht“ des immer noch populären Antisemiten Ludwig
       Thoma.