# taz.de -- Krieg im Iran: Wohin flüchten die Anhänger des Regimes?
> Die Angriffe der USA und Israels halten an. Und wenn das Regime doch
> zusammenbricht? Angehörige wichtiger Entscheider sind bereits im Exil in
> Oman.
(IMG) Bild: Zerstörung in Iran nach einem Luftangriff. Wohin flüchten seine Anhänger, wenn das Regime fällt?
Bevor du einen hohen Turm klaust, muss du einen Versteckplatz finden. Das
ist ein altes persisches Sprichwort. Und es beschreibt die derzeitige Lage
der Machthaber in der Islamischen Republik: Wohin sollten und könnten sie –
im Falle des Falles – fliehen? Fast nirgendwohin, ist die einfache Antwort.
Zumindest, wenn es legal sein sollte.
Kein muslimisches Land, nicht einmal die Taliban im Nachbarland
Afghanistan, wäre bereit, eine große Gruppe schiitischer Revolutionäre bei
sich zu dulden. Mit Ägypten gibt es seit der Revolution vor 47 Jahren keine
diplomatischen Beziehungen mehr. Und [1][für Präsident Ahmed al-Scharaa in
Damaskus] gilt die Islamische Republik als Hauptfeind – noch gefährlicher
als Israel oder Russland.
[2][Von den Golfstaaten ganz zu schweigen, die in diesen Tagen Ziel
iranischer Drohnen und Raketen sind,] und allgemein keine guten Beziehungen
zum Regime pflegten. Die Ausnahme hier ist Oman – dazu später mehr.
## Potenziell gefährdet: Sicherheitskräfte und Mullahs
Doch wer könnte fliehen – und wie groß wäre die Zahl dieser potenziellen
Flüchtlinge?
In der Islamischen Republik gibt es insgesamt 16 Geheimdienste mit etwa
100.000 Mitarbeitern. Revolutionsgardisten und die Paramilitärs, genannt
Basidsch, haben annähernd 380.000 aktive Kämpfer. Allein im
Sicherheitsapparat gibt es also annähernd 500.000 Menschen, samt ihrer
Familien.
Doch es gibt noch eine andere Gruppe, die zahlenmäßig ähnlich ausfällt –
und die an einem hypothetischen Tag danach nicht nur ihren Wohnort, sondern
wohl auch ihr Äußeres und ihren Habitus ändern müsste. Nach einer Erhebung
des Senders BBC kommt in Iran auf je 200 Einwohner ein Geistlicher. Von
diesen ca. 450.000 Mullahs arbeiten 250.000 als sehr einflussreiche Beamte
beim Staat. Sie sind Lehrer, Richter, mächtige Bürokraten,
Geheimdienstmitarbeiter, Kulturschaffende.
Selbst in staatlichen Schlachtereien sind für sie geeignete Stellen kreiert
worden. Vor vier Jahren berichtete die Nachrichtenagentur Fars: Iranische
Geistliche, die für die Überwachung Halal-konformer Schlachtung in die
Türkei entsandt worden seien, erhielten monatlich umgerechnet 2.500 Euro.
In den Provinzen, in allen großen und kleinen Ortschaften, werden diese in
gehobenen Positionen arbeitenden Mullahs als Verkörperung der Herrschaft
wahrgenommen. Jeder kennt sie. Bei [3][einem Regime Change] ist für sie ein
weiterer Verbleib in diesen kleinen Orten mehr als risikoreich. In den
sozialen Netzwerken kursieren bereits Namen, an denen sich so mancher nach
einem Umsturz rächen wolle.
## Ein Zufluchtsort im Nordosten des Landes
Nach der Revolution 1979 mussten mehrere Hunderttausend Staatsfunktionäre
das Land fluchtartig verlassen. Sie waren zum großen Teil gebildet, viele
von ihnen hatten im Westen studiert. Sie hatten wenig Probleme, sich in
ihren Gastländern zu integrieren. Rund um die Welt gibt es inzwischen etwa
7 Millionen Exiliranerinnen und -iraner.
[4][Den schiitischen Islamisten] würde es – neben vielen logistischen
Problemen – wohl auch kulturell schwerfallen, in anderen Gesellschaften Fuß
zu fassen.
Die religiöse Großstadt Maschhad im Nordosten des Landes ist deshalb in
diesen Tagen zu einem bevorzugten Zufluchtsort der Regimetreuen
aufgestiegen. Maschhad, die Stadt, die wegen des dortigen Mausoleums des
achten Imams der Schiiten den Beinamen „Heilige Stadt“ trägt, liegt fast
1.000 Kilometer nordöstlich von Teheran und verfügt über den zweitgrößten
Flughafen des Landes.
Vor einigen Tagen berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim, Iran habe die
Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) aufgefordert, für
lebenswichtige Flüge den Flughafen Maschhad als sicheren Flughafen zu
deklarieren. Israel bombardiert seit Kriegsbeginn regelmäßig und sehr
gezielt den Teheraner Flughafen Mehrabad, auf dem ausschließlich
Inlandflüge stattfinden. Am Montag meldete die israelische Armee: In
Mehrabad sei der Regierungsflieger zerstört worden, [5][der vom
mittlerweile getöteten Obersten Führer Ali Chamenei] genutzt wurde. Damit
„ist dem iranischen Regime ein weiteres strategisches Gut entzogen worden“,
so eine auf Persisch verfasste Meldung.
## Oman scheint Regime-Familien aufzunehmen
Teheran ist für die wenigen Entscheider in der Islamischen Republik bereits
[6][ein sehr unsicherer Ort].
Es gibt ein Land, in dem schon einige aus oder nahe der
Herrschaftsstrukturen Zuflucht gefunden haben sollen: Nach gesicherte
Informationen konnten die Familien hochrangiger Regimevertreter in zwei
großen Hotels in Maskat, Hauptstadt Omans, untergebracht werden. Dabei
handelt es sich wohl um Angehörige von [7][Ali Laridschani, Sekretär des
Nationalen Sicherheitsrates], Außenminister Abbas Araghtschi und
Gholam-Hossein Mohseni-Ejei, oberster Richter des Landes.
Und denjenigen, denen es gelungen ist, Iran über den [8][Grenzübergang Van
in die Türkei zu verlassen], habe die iranische Botschaft in Maskat bei der
Weiterreise Richtung Oman geholfen, und sichere Unterkünfte besorgt.
Augenzeugen berichten: Die Einkaufszentren in Maskat sei voller Frauen in
Tschadors und Männer mit geistlichem Aussehen – also vermutlich
Familienangehörige von Regimeoberen, so die Augenzeugen vor Ort. Auch
Bilder in den sozialen Netzwerken sollen sie zeigen.
Auch die Familie [9][des Polizeikommandanten Ahmad Reza Radan] ist offenbar
via Türkei in Oman eingetroffen. Radan selbst steht auf der Todesliste
Israels; wo er sich versteckt, ist ungewiss. Doch aus seinem Versteck
erklärte er erst diese Woche: 500 „Spione“, die Bilder und Videos an
Auslandssender übermittelt hätten, habe man in Iran festgenommen.
18 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ali Sadrzadeh
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