# taz.de -- Der Verfassungsschutz rückt näher: Alles durchleuchtet?
> Der Verfassungsschutz prüft immer mehr: NGOs, Bewerber:innen,
> Buchhandlungen. Ein politischer Trend und seine Folgen.
Wolfram Weimer hat es in kürzester Zeit geschafft, erst die Filmbranche und
nun auch den Literaturbetrieb gegen sich aufzubringen. Auslöser ist diesmal
der Deutsche Buchhandlungspreis: Drei linke Buchhandlungen wurden trotz
Jury-Auswahl von der Förderung ausgeschlossen – wegen
„verfassungsschutzrelevanter Bedenken“. Bei der Eröffnung der Leipziger
Buchmesse wurde der Kulturstaatsminister dafür lautstark ausgebuht.
Der Fall ist mehr als ein kulturpolitischer Eklat. Er verweist auf einen
politischen Trend, der seit Jahren an Fahrt aufnimmt: Immer mehr Bereiche
sollen vom [1][Verfassungsschutz mit überprüft werden]. Nicht nur
Buchhandlungen geraten ins Visier. Auch [2][Demokratieprojekte, NGOs] und
Bewerber:innen für den öffentlichen Dienst werden zunehmend Gegenstand
von Verfassungstreue-Checks. In Hamburg soll künftig sogar für den gesamten
öffentlichen Dienst abgefragt werden können, ob über Bewerber:innen
Erkenntnisse vorliegen.
Das weckt Erinnerungen an den Radikalenerlass der 1970er-Jahre. Damals
wurden Millionen Menschen überprüft, viele von ihnen wegen linken
Engagements. Heute wird die Rückkehr solcher Regelanfragen vor allem mit
der Gefahr durch Rechtsextreme begründet. Doch das Problem bleibt: Der
Verfassungsschutz arbeitet intransparent, seine Einschätzungen sind oft
nicht überprüfbar, die Folgen für Betroffene aber konkret. Wer auf diese
Behörde setzt, setzt auf ein Instrument, das selbst [3][immer wieder in der
Kritik stand] – vom NSU-Komplex bis zur Beobachtung von Linken und
Bürgerrechtlern.
Gleichzeitig will Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) den
Verfassungsschutz zu einem „echten Geheimdienst“ mit mehr Befugnissen
ausbauen. Mehr Personal, mehr Prüfungen, mehr Einfluss: Der Apparat wächst,
ebenso seine gesellschaftliche Reichweite. Dahinter steht der politische
Glaube, Freiheit lasse sich durch mehr Überwachung sichern.
Darüber spricht Moderatorin Martina Mescher mit Gareth Joswig, Konrad
Litschko und Malene Gürgen in der neuen Folge des Bundestalks. Es geht um
Wolfram Weimer, den Verfassungsschutz – und um die Frage, was passiert,
wenn Kontrolle zur politischen Routine wird.
20 Mar 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Martina Mescher
(DIR) Konrad Litschko
(DIR) Malene Gürgen
(DIR) Gareth Joswig
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