# taz.de -- US-israelischer Krieg in Iran: Die unerträgliche Arroganz der Macht
> Alle Szenarien für die Zukunft Irans sind zutiefst beunruhigend. Die
> Kriegstreiber haben nicht das Volk im Blick, sondern einzig eigene
> Interessen.
(IMG) Bild: Die Idee, man könnte die Islamische Republik schnell in die Knie zwingen, hat sich als Trugschluss erwiesen, Teheran 17.3.2026
Fast ein halbes Jahrhundert Unterdrückung und Gewalt. Wie viel Hass und Wut
muss sich bei den Menschen in Iran gegen das Regime der Mullahs aufgestaut
haben, dass sie einen militärischen Angriff gegen ihr Land bejubeln,
hoffend, dass dieser Angriff zu einem Regimewechsel und zu Freiheit und
Demokratie führt. [1][Doch diese Wünsche und Hoffnungen sind von der
Realität weit entfernt]. Der Glaube, die USA und Israel würden aus
humanitären Gründen und zur Unterstützung des iranischen Widerstands
bombardieren, ist ein unverzeihlicher Irrtum. Beide Staaten haben oft genug
deutlich erklärt, dass es nicht ihr Ziel sei, Freiheit und Demokratie für
das iranische Volk zu erkämpfen.
Israel geht es darum, wie Präsident Benjamin Netanjahu sinngemäß sagte,
Iran so zu schwächen, dass das Land über Jahrzehnte nicht mehr in der Lage
sein werde, sich als eine Regionalmacht zu behaupten. Seit 45 Jahren warte
er auf den Moment, zuschlagen zu können und die vermeintliche iranische
Gefahr für immer auszuschließen. Die Lage könne nicht günstiger sein: Iran
sei ökonomisch, militärisch, politisch stark geschwächt. Diese Chance dürfe
nicht verpasst werden. Tatsächlich führt Israel gerade einen
Vernichtungskrieg gegen Iran.
Beim US-Präsidenten [2][Donald Trump ist das Ziel so genau nicht zu
definieren]. Vieles scheint von seiner augenblicklichen Laune abzuhängen.
Zunächst war es nicht klar, ob sich die USA für einen Angriff gegen Iran
entscheiden würden. Die Verhandlungen machten Fortschritte, die
Erfolgsaussichten waren nicht gering. Trump betonte immer wieder, dass er
eine diplomatische Lösung bevorzuge. Doch dann kam, völlig überraschend,
der Sinneswandel und Trump gab dem Druck aus Tel Aviv nach. Auch ihn
kümmern Demokratie und Menschenrechte nicht.
Er will erreichen, dass Iran sein Atomprogramm vollständig aufgibt, sein
Raketenprogramm einschränkt, keine bewaffneten Gruppen mehr in der Region
unterstützt. Ihm geht es nicht, wie zuvor angekündigt, um einen Regime
Change. Inzwischen verlangt er von den Islamisten eine vollständige
Kapitulation. Das wird es mit der Islamischen Republik aber nicht geben.
Sie hat zwar ihre Führung verloren und erhebliche Verluste ihrer
Infrastruktur hinnehmen müssen, sich aber auch gewehrt. Und scheint
weiterhin in der Lage zu sein, die Funktionsfähigkeit des Staates
aufrechtzuerhalten.
Die Vorstellung, man könnte die Islamische Republik mit einem Blitzkrieg in
die Knie zwingen, hat sich als Trugschluss erwiesen. Das Regime ist nicht
eine normale Diktatur, die zerfällt, sobald man den Diktator beseitigt. Es
ist ein religiös verbrämtes, ideologisch verfestigtes, gut organisiertes
Gebilde, das seit 46 Jahren die Macht innehat. Selbst wenn nur 15 bis 20
Prozent der Bevölkerung diesen Staat unterstützen, wären es 14 bis 18
Millionen Menschen, die die Basis der klerikalen Diktatur bilden. Damit
erweist sich ein Regimewechsel zumindest kurzfristig als äußerst schwierig.
Noch gibt es in Iran keine ernstzunehmende Alternative zur bestehenden
Macht. Der Sohn des gestürzten Schahs, Reza Pahlawi, hat zwar Anhänger im
In- und Ausland, aber keine organisierte Basis im Land. Und ist nicht in
der Lage, einen Aufstand zu organisieren, um den bewaffneten Kräften des
Regimes die Stirn zu bieten. Sein letzter Versuch scheiterte, weil er
Menschen aufforderte, Polizeistationen, Behörden und Städte zu erobern.
Hilfe sei unterwegs, versprach er. Wie erwartet schlugen die Schergen der
Islamischen Republik, die zu jedem Verbrechen bereit waren, brutal zurück
und töteten mehrere Tausend Menschen.
Eine ernstzunehmende Alternative ist in Iran derzeit schwer zu erkennen.
Die Existenz von nach Autonomie strebender Ethnien, die zahlreichen
Strömungen von extrem links bis extrem rechts und die erfolgreiche
Verhinderung jeglicher Organisation der Opposition bis hin zum Verbot
unabhängiger Gewerkschaften und Verbände haben dazu geführt, dass bislang
alle landesweiten Demonstrationen niedergeschlagen wurden. Solange das so
bleibt, solange der Machtapparat funktioniert und das Gebilde des
Islamischen Staats zusammenhält, wird es keinen Regimewechsel geben, auch
nicht durch eine Bombardierung der Infrastruktur. Selbst wenn die USA sich
zu einer Bodenoffensive entscheiden würden, würde es einen langen Atem
brauchen und hohe Verluste bedeuten, um das Regime zur Kapitulation zu
zwingen.
Erst wenn der Druck von innen zu stark wird und das Gebilde Risse bekommt,
öffnen sich Möglichkeiten, die aber bedauerlicherweise auch nicht so rosig
erscheinen. Im Falle eines Regimesturzes würde ein Machtvakuum entstehen –
mit der Folge eines langjährigen Bürgerkrieges, bei dem hunderttausende
bewaffnete Anhänger des Regimes, Monarchisten, verschiedene Ethnien und
Splittergruppen um die Macht ringen würden. Oder es würde zu einer von
Israel angestrebten Balkanisierung kommen, eine Zerstückelung des Landes in
kleinere und am besten zerstrittene politische Einheiten.
Das würde die gesamte bisherige Staatenordnung im Nahen und Mittleren Osten
durcheinanderbringen. Schließlich könnte die Spaltung des Regimes dazu
führen, dass ein Teil der Machtelite, namentlich die Revolutionsgarden, den
Klerus entmachtet, eine mehr oder weniger säkulare Militärdiktatur
errichtet und sich mit Washington arrangiert. Sie könnte im Gegenzug zu
einer möglichen Aufhebung von Sanktionen den iranischen Markt für die USA
öffnen und ihr lukrative Angebote bereiten. Das wäre durchaus in Trumps
Sinne. [3][Für das iranische Volk hingegen bedeutete das noch mehr
Repression und Unterdrückung.]
Wie auch immer, die USA und Israel haben mit ihrer Intervention nicht nur
Iran und der gesamten Region einen ungeheuren Schaden zugefügt, sondern
auch gezeigt, dass das Gerede vom Völkerrecht und Bekenntnisse zu
Menschenrechten nichts anderes sind als Phrasen. Eigentlich müsste es über
diese Willkür, diese unerträgliche Arroganz der Macht, überall auf der Welt
einen Aufschrei geben. Aber die Welt schaut zu – und die Geschichte geht
weiter.
19 Mar 2026
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## AUTOREN
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