# taz.de -- Israels Krieg gegen den Iran: Ein Funktionär und Strippenzieher
> Israel meldet, es habe Ali Laridschani bei einem Luftangriff getötet.
> Welche Folgen hätte der Tod des 67-jährigen Sicherheitschefs?
(IMG) Bild: Soll bei einem israelischen Luftangriff getötet worden sein: Ali Laridschani
dpa | Israel hat nach eigenen Angaben weitere Top-Führungsfiguren des Irans
getötet. Der einflussreiche Generalsekretär des Sicherheitsrats [1][Ali
Laridschani] sei bei einem gezielten Angriff in der Nacht ums Leben
gekommen, erklärte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz. Der
67-jährige Laridschani war nach dem [2][Tod des obersten Religionsführers
Ali Chamenei] zu einer zentralen Figur im iranischen Machtapparat
aufgerückt. Eine Bestätigung durch Teheran gab es zunächst nicht. Die
politischen und militärischen Folgen sind unklar.
Außerdem sei der Kommandeur der iranischen Basidsch-Einheiten,
Brigadegeneral Gholamresa Soleimani, getötet worden, teilte das israelische
Militär mit. Aus dem Iran gab es auch dafür keine Bestätigung. Die
Basidsch-Einheiten unter Soleimanis Führung seien für die blutige
Niederschlagung der Proteste im Iran im Januar verantwortlich, schrieb die
israelische Armee. Israel hat im Iran-Krieg bereits Dutzende führende
Persönlichkeiten des iranischen Machtapparats getötet, darunter Irans
obersten Führer Ali Chamenei. Das [3][Schicksal seines Nachfolgers und
Sohns Modschtaba Chamenei] ist weiter ungewiss.
Der Iran setzte seinerseits seine Angriffe fort. Die Islamische Republik
nahm unter anderem Ziele in Israel, Kuwait, Irak und den Vereinigten
Arabischen Emiraten ins Visier. Derweil wurde die iranische Hauptstadt und
Millionenmetropole Teheran erneut schwer bombardiert.
## Experten sehen Verhandlungslösung erschwert
Laridschanis Tod würde die [4][Entscheidungsstrukturen des Landes] nicht
lahmlegen, „da das System darauf ausgelegt ist, solche Verluste zu
verkraften“, schrieb der Iran-Experte Hamidreza Aziz. Allerdings könne sein
Verlust „den Kreis erfahrener politischer Entscheidungsträger allmählich
verkleinern und den Einfluss stärker in Richtung militärisch geprägter
Akteure verschieben“, so der Gastwissenschaftler bei der Stiftung
Wissenschaft und Politik auf X.
Laridschani galt als wichtige Stimme, die den Iran auch nach außen vertrat.
Seine Tötung dürfte es für die USA folglich erschweren, eine
Verhandlungslösung für ein [5][mögliches Ende des Krieges] zu finden, so
Simon Wolfgang Fuchs, Professor für Islamwissenschaften an der Hebräischen
Universität in Jerusalem auf X. Dies sei ganz im Interesse Israels.
Aus Sicht des israelischen Iran-Kenners Meir Javedanfar war Laridschani ein
vergleichsweise kompetenter Politiker im iranischen politischen System.
Israel und die USA wollten aber, dass der Iran von inkompetenten Personen
geführt werde, schrieb er auf X. Das würde „zum endgültigen Zusammenbruch
des Regimes beitragen, ganz im Sinne der Wünsche Israels, der USA und eines
Großteils der (iranischen) Bevölkerung.“
## USA hatten hohe Summe für Hinweise ausgesetzt
Laridschani entstammte einer politisch und religiös prominenten Familie,
die oft als die „Kennedys des Iran“ bezeichnet wurde. Er studierte
Mathematik und galt als „Mann des Systems“: Wie viele heutige Politiker im
Iran, machte er zunächst Karriere bei den Revolutionsgarden und stieg bis
zum Brigadegeneral auf, ehe er Anfang der Neunzigerjahre aus dem aktiven
Dienst ausschied.
Von 2008 bis 2020 war er Sprecher des iranischen Parlaments, verhandelte
für den Iran über das Atom-Abkommen und vertrat in den vergangenen Jahren
wiederholt moderatere Positionen, deshalb galt er manchen als Pragmatiker.
[6][Im Jahr 2021 wollte er zu den Präsidentschaftswahlen im Iran antreten],
wurde aber nicht zugelassen.
Im August 2025 wurde Laridschani auf den Posten im Sicherheitsrat berufen.
Zuvor hatte er als Berater des am 28. Februar getöteten Religionsführers
Ajatollah Chamenei gearbeitet. Die USA hatten zuletzt eine Belohnung von
bis zu zehn Millionen Dollar für Hinweise auf iranische
Führungspersönlichkeiten angeboten, darunter auch auf Laridschani.
## Lockerung der Blockade der Straße von Hormus?
Die faktische [7][Blockade der Straße von Hormus] durch den Iran könnte für
Tanker unter irakischer Flagge gelockert werden. Iraks Ölminister Hajan
Abdul Ghani al-Sauad erklärte der staatlichen Agentur INA zufolge: „Es
besteht Kommunikation mit Iran bezüglich der Genehmigung der Passage
einiger irakischer Öltanker.“ Dem Fernsehsender al-Scharkija sagte er,
seine Regierung habe bereits Signale erhalten, dass einigen Tankern die
Durchfahrt erlaubt werden könnte.
Für den Iran gilt der Irak als strategisch wichtiger Partner. Die Führung
in Teheran hat großen politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Einfluss auf das Nachbarland, unter anderem durch mächtige, Iran-treue
Milizen.
Die Straße von Hormus, ein Nadelöhr zwischen Iran und den Vereinigten
Arabischen Emiraten, ist eine wichtige Route für den internationalen
Transport von Öl und Flüssiggas. Der Schiffsverkehr dort ist wegen des
Iran-Kriegs und drohender iranischer Angriffe praktisch zum Erliegen
gekommen.
## Israel verstärkt Angriffe im Libanon
Israels Militär geht inzwischen auch massiv gegen die schiitische
Hisbollah-Miliz im nördlichen Nachbarland Libanon vor. Der Einsatz begann
infolge von Raketenangriffen aus dem Libanon und beschränkte sich zunächst
auf Luftangriffe, inzwischen gibt es aber auch Einsätze am Boden.
Ein Militärsprecher kündigte am Montagabend an, den Einsatz von
Bodentruppen im Südlibanon auszuweiten. Die Armee mobilisiere weitere
Reservisten, sagte Sprecher Effie Defrin. Gegenwärtig seien bereits mehr
als 100.000 Reservesoldaten an allen Fronten im Einsatz. Im Libanon besteht
die Sorge vor einer großangelegten Bodeninvasion Israels mit anschließender
Besatzung im Süden des Landes.
17 Mar 2026
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