# taz.de -- Kommunalwahlen in Bayern: Stichwahlen mit Spannung erwartet
       
       > Zugelegt haben AfD und Linke, die Chefsessel gehen aber meist an CSU,
       > Freie Wähler und SPD. Und Münchens OB kämpft um sein politisches
       > Überleben.
       
 (IMG) Bild: Fühlt sich wohl mit den FC-Bayern: Dieter Reiter (SPD), Oberbürgermeister von München feiert mit Manuel Neuer die Meisterschaft 2022
       
       Nach der Wahl ist vor der Wahl. [1][Bis zu zwei Tage hat es wegen des
       komplizierten Wahlrechts gedauert], bis in Bayern nicht nur feststand, wer
       die neuen Oberhäupter der Gemeinden und Landkreise sein werden, sondern
       auch, wer in die Stadt- und Gemeinderäte sowie die Kreisräte einzieht. Doch
       schon blickt alles gespannt auf die Stichwahlen in elf Tagen.
       
       Vor allem in der Landeshauptstadt München wird nach dem schlechten Ergebnis
       von Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) auch die ganz große Überraschung nicht
       mehr ausgeschlossen: Könnte tatsächlich der erst 35-jährige Grüne Dominik
       Krause den 67-jährigen Reiter nach zwölf Jahren als Oberbürgermeister vom
       Sockel stoßen? Bei der Abstimmung in den Wahllokalen lag Krause bereits vor
       Reiter, nur dank der Briefwahlstimmen erreichte Reiter in der ersten Wahl
       einen Vorsprung von 6,1 Prozentpunkten gegenüber Krause. 35,6 Prozent – ein
       historisches Tief für einen SPD-Oberbürgermeister. 2020 war Reiter noch auf
       47,9 Prozent gekommen.
       
       Ein klares Zeichen dafür, dass die Münchner vor allem mit dem jüngsten
       Auftreten ihres Oberbürgermeisters unzufrieden waren. Vor allem die
       „Nebenjobaffäre“, wie sie die Grünen nennen, kam nicht gut an. Reiter ist
       nicht nur Fan des FC Bayern, sondern saß seit Jahren im Verwaltungsbeirat
       des Fußballvereins; kürzlich wurde er zudem in den Aufsichtsrat gewählt.
       Allein für die Mitgliedschaft im Verwaltungsbeirat bekam er in den
       vergangenen fünf Jahren 90.000 Euro – ohne die nötige Erlaubnis des
       Stadtrats.
       
       Vor der Wahl entschuldigte sich der OB, nach der Wahlschlappe vom Sonntag
       nun kündigte er an, sich aus den Ämtern zurückzuziehen. Das Geld, das er
       vom FC Bayern bekommen hat, will er für soziale Zwecke spenden. Auch wegen
       anderer Punkte bekam Reiter zuletzt heftige Kritik zu hören. Tempo-30-Zonen
       auf dem Mittleren Ring, die wegen nicht eingehaltener Grenzwerte nötig
       geworden waren, ließ er in Gutsherrenmanier aufheben. Eine Entscheidung,
       die der Bayerische Verwaltungsgerichtshof wiederum aufhob.
       
       ## N-Wort im Stadtrat
       
       Und dann verwendete er in einer Stadtratssitzung auch noch das N-Wort –
       wenn auch nicht in rassistischer Absicht, sondern indem er beim Blättern in
       Unterlagen ein altes Zitat des bayerischen Humoristen Fredl Fesl vor sich
       hinsagte: „So, wo samma, sagen die N…“ Auch hierfür entschuldigte er sich
       noch vor der Wahl. Doch in der Häufung ließen seine Auftritte den OB nicht
       gut aussehen.
       
       Die Grünen in München dagegen haben einen Lauf. Zum einen wegen des guten
       Ergebnisses des OB-Kandidaten, der es nicht nur geschickt vermied, in
       Fettnäpfchen zu treten, sondern bei vielen Wählerinnen und Wählern vor
       allem mit einer Eigenschaft gepunktet haben dürfte: nicht Reiter zu sein.
       Zum anderen aber auch, weil sie weiterhin die stärkste Fraktion im Münchner
       Stadtrat stellen. Am Montag sah es anfangs noch so aus, als hätte die CSU
       die Grünen überrundet, dann aber stellte sich heraus: Die Grünen bekommen
       21 der 80 Mandate, die CSU nur 19. Die SPD ist mit 15 Sitzen weit
       abgeschlagen.
       
       Betrachtet man die Situation bayernweit, gehören freilich sowohl Grüne als
       auch CSU und SPD zu den Verlierern der Wahl. Richtig zulegen konnten in den
       Gremien vor allem die AfD und die Linke, auch wenn es beiden Parteien nicht
       gelang, Bürgermeister- oder Landratsposten zu ergattern.
       
       In den Landkreisen und kreisfreien Städten kam die CSU im Landesschnitt nur
       noch auf 32,5 Prozent – ihr schlechtestes Kommunalwahlergebnis seit 1952.
       Die Spitzenkandidaten liefen allerdings immer noch in vielen Fällen als
       erste ins Ziel: Viele Landrats- und OB-Sessel wurden schon im ersten Anlauf
       von Christsozialen erobert. In vielen Fällen kommt es allerdings auch zu
       Stichwahlen, so in fast der Hälfte der Landkreise und fast allen
       Großstädten. Dort sind meist die Sozialdemokraten die Rivalen, auf dem Land
       sind es eher die Freien Wähler.
       
       ## Grüne verlieren landesweit
       
       Landesweit gesehen mussten die Grünen freilich noch stärker Federn lassen
       als die CSU. Sie kamen nur noch auf 13,6 Prozent. 2020 waren es noch 17,5
       Prozent. Im ersten Anlauf konnten sie bei dieser Wahl allerdings keine
       Chefsessel besetzen. Außer in München hofft die Partei nun vor allem auf
       Erfolge in Landsberg am Lech und Fürstenfeldbruck, wo sie nach einem Sieg
       in der Stichwahl jeweils eine Landrätin stellen würden. Ansonsten regiert
       bereits in Würzburg ein grüner OB. Der ist allerdings schon im vergangenen
       Jahr gewählt worden.
       
       Die SPD holte im Landesschnitt 12,3 Prozent und steht in mehreren
       Stichwahlen, etwa auch in [2][Nürnberg], Augsburg und Regensburg. Die AfD
       folgt ihr dicht mit 12,2 Prozent – was deutlich unter ihren Umfragewerten
       auf Landesebene liegt, wo die Rechtsextremen regelmäßig auf 18 bis 19
       Prozent kommen. Die Freien Wähler konnten sich mit 12,1 Prozent halten,
       [3][die Linken konnten die Zahl ihrer Mandate nach eigenen Angaben etwa
       verdoppeln]. Gerade in großen Städten kamen sie oft auf Ergebnisse deutlich
       über 5 Prozent. Aber auch auf dem Land legte die Partei zu.
       Landratskandidatin Melanie Falkowski etwa kam im Landkreis Deggendorf auf
       8,3 Prozent. Das ist wenig im Vergleich zu Amtsinhaber Bernd Sibler von der
       CSU – aber mehr, als alle anderen Landratskandidaten ihrer Partei anderswo
       holten.
       
       11 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kommunalwahlen-in-Bayern/!6160905
 (DIR) [2] /Kommunalwahlen-in-Bayern/!6156464
 (DIR) [3] /Kommunalwahlkampf-in-Bayern/!6158739
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominik Baur
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl Bayern
 (DIR) Bayern
 (DIR) Kommunalwahlen
 (DIR) München
 (DIR) Kommunalwahlen
 (DIR) Kommunalwahl
 (DIR) Kolumne Press-Schlag
 (DIR) Kommunalwahlen
 (DIR) Bayern
 (DIR) SPD Bayern
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Stichwahl in München: Der Mann, der nicht Dieter Reiter ist
       
       Erstmals hat ein Grüner Chancen, Oberbürgermeister der bayerischen
       Landeshauptstadt zu werden. Dabei agierte Dominik Krause bisher eher blass.
       
 (DIR) Kommunalwahlen in Hessen: Ueberau bleibt rot
       
       Nach dem vorläufigen Endergebnis legt die CDU landesweit zu, ebenso AfD und
       Linke. SPD und Grüne haben Verluste. Aber was ist mit der DKP?
       
 (DIR) Kommunalwahlen in Hessen: CDU bleibt stärkste Kraft
       
       Bei den Kommunalwahlen in Hessen verbessert sich die CDU leicht, die AfD
       legt zu und verdrängt die Grünen vom dritten Platz. Die Sozialdemokraten
       verlieren kaum.
       
 (DIR) Münchens OB und der FC Bayern: Der rote Reiter zieht die Notbremse
       
       In München diskutiert man über die gut bezahlte Nähe des Oberbürgermeisters
       Dieter Reiter zum FC Bayern München.
       
 (DIR) Kommunalwahlen in Bayern: Das Reiter-Denkmal wackelt
       
       Bayern muss noch mal ran: Die wichtigsten Entscheidungen der Kommunalwahl
       fallen erst in der Stichwahl. Besonders hart für Münchens OB Dieter Reiter.
       
 (DIR) Kommunalwahlkampf in Bayern: Läuft bei der Linken in Bayern – eigentlich
       
       Die Mitgliederzahlen brummen, die Umfragewerte können sich sehen lassen.
       Für die Linke in Bayern läuft es gut – wären da nicht extrem rechte
       Angriffe.
       
 (DIR) Kommunalwahlen in Bayern: Aus dem sozialen Wohnungsbau ins Rathaus
       
       Nasser Ahmed will für die SPD Oberbürgermeister in Nürnberg werden. Er wäre
       der erste Schwarze OB und kandidiert auch gegen rechte Verfassungsfeinde.