# taz.de -- Kommunalwahlen in den Niederlande: Stimmungstest für die Niederländer
> An diesem Mittwoch wird in den niederländischen Gemeinden gewählt. Die
> linke wie die rechte Opposition will darin eine Antwort auf die
> Regierungspolitik sehen.
(IMG) Bild: Eine Person studiert ihren Stimmzettel in einer Wahlkabine im Rijksmuseum Twenthe
Keinen Monat nach dem Antreten der neuen Mitte-rechts-Regierung gehen die
Niederländer*innen wieder an die Urne: Bei den Wahlen zu den
Gemeinderäten in 340 Kommunen sind 8.554 Sitze in lokalen Parlamenten neu
zu vergeben. Knapp 62.000 Kandidat*innen stehen zur Wahl. Zahlreiche
Protagonist*innen aus Den Haag, darunter Premier Rob Jetten (D66) und
Jesse Klaver, Chef der größten Oppositionspartei GroenLinks-PvdA, mischten
sich im Wahlkampf unter die Bevölkerung.
Ähnlich wie zuletzt in Frankreich sind die Kommunalwahlen auch hier als
Antwort auf die „große“ Politik zu verstehen. Das liegt nahe, da sie
zeitgleich im ganzen Land stattfinden. Dabei gibt es im Wesentlichen drei
Linien: Die liberale D66, die mit Rob Jetten erstmals den Premier stellt,
versucht mit dem Slogan „Wählt wieder D66“ ihre Erfolgswelle der
Parlamentswahl im Herbst weiterzureiten. Inhaltlich vorweisen kann sie nach
einer so kurzen Zeit natürlich noch nichts.
Auf der Linken gibt das Bündnis GroenLinks-PvdA, das im Sommer zu einer
gemeinsamen Partei fusionieren wird, unter dem Motto „Grün und sozial“ den
Startschuss ihrer Opposition gegen die Spar-Pläne von [1][Jettens
Minderheitsregierung.]
Beteiligt sind an der Regierung auch Christdemokrat*innen sowie die
liberal-rechte VVD. Letztere, seit 2010 permanent an der Macht in Den Haag,
drückte mit enormen Einschnitten im sozialen Bereich sowie im
Gesundheitssektor einen deutlichen Stempel auf den Koalitionsvertrag. Die
rot-grüne Opposition ruft nun zur „progressiven Antwort auf den Rechtsruck“
auf.
## Kein Sieg über den Rechtspopulismus
Internationale Ohren dürfte diese Rhetorik zunächst überraschen, denn der
hauchdünne Wahlsieg der D66 vor der rechtspopulistischen PVV im vergangenen
Oktober wurde in liberalen Medien weltweit etwas vorschnell als Sieg über
den Rechtspopulismus bejubelt.
Was dabei oft übersehen wird: Die bürgerlich-rechten JA21 sowie die
Rechts-außen-Partei Forum voor Democratie (FvD) profitierten von den
Verlusten der PVV. FvD ist immer mehr zu einem Sprachrohr von
Verschwörungsanhängern geworden, hat deutlich extremistischere Züge als die
PVV und ist seit den Parlamentswahlen im Oktober mit 7 statt 3 Sitzen im
Parlament vertreten.
Bei den Kommunalwahlen entzündet sich [2][rechter Protest] gegen die Den
Haager Regierung vor allem an den geplanten [3][Asyl-Wohnheimen. Proteste
dagegen gibt es schon seit Jahren, geschürt werden sie vor allem von der
PVV und ihrem Chef Geert Wilders.] Fraglich ist, ob die PVV damit die
rechte Wähler*innenwanderung zur FvD aufhält.
All diese Entwicklungen gilt es allerdings im niederländischen Kontext zu
sehen: Denn keiner dieser Akteure wird auch nur annähernd so viele Stimmen
erzielen wie die lokalen Parteien, die Teil der Legitimationskrise der
etablierten Politik sind. Oft profitieren sie auch von einem vermeintlich
pragmatischen, unideologischen Ansatz und ihrem Abstand zum politischen
„Den Haag“.
Das Ergebnis am Mittwochabend wird insofern zwar ein Bild der politischen
Stimmung im Land abgeben, allerdings mit seinen eigenen Verzerrungen. Eine
Folge der oft turbulenten jüngsten Entwicklungen im Parteienspektrum mit
schnellen Aufstiegen und bisweilen rapiden Abstürzen ist ja, dass längst
nicht alle Parteien über eine landesweite Struktur mit Mitgliedern und
Ortsverbänden verfügen. Daher fehlen sie vielerorts auf dem Wahlzettel.
18 Mar 2026
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(DIR) Tobias Müller
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