# taz.de -- Niederländische Kommunalwahlen: Der Rechtsruck geht weiter
       
       > Die Lokalparteien siegen, die rot-grüne Opposition schwächelt. Das Forum
       > voor Democratie schneidet gut ab – trotz rechtsextremer Mitglieder.
       
 (IMG) Bild: Wahlparty der Partei Hart voor Den Haag in Scheveningen am 18. März 2026
       
       Bei den [1][niederländischen Kommunalwahlen] am Mittwoch dominierten einmal
       mehr lokale Parteien. Zusammen erreichten sie rund 35 Prozent aller Stimmen
       und damit etwas mehr als bei den letzten Wahlen 2022. Von den großen,
       landesweit aktiven Parteien wurde die Listenverbindung aus GroenLinks und
       der sozialdemokratischen Arbeitspartei (PvdA) mit knapp 14 Prozent die
       stärkste. Ein zufriedenstellendes Ergebnis ist das keineswegs: 2022
       erreichten beiden Parteien, die im Sommer fusionieren werden, zusammen noch
       16 Prozent. Ein wenig gestiegen ist dagegen die noch immer niedrige
       Wahlbeteiligung: 54,1 Prozent gegenüber 51 Prozent vor vier Jahren.
       
       Auf kommunaler Ebene zeigt sich damit besonders stark die hohe Fluktuation,
       die die niederländische Parteipolitik in den letzten Jahren auszeichnet. In
       mehreren Gemeinden gewannen Parteien, die 2022 noch gar nicht auf dem
       Wahlzettel standen. Auffällig ist, dass Lokalparteien, deren Kampagne sich
       explizit gegen die Unterbringung von Asylbewerber*innen gerichtet
       hatte, gut abschnitten. Deren gleichmäßige Verteilung über die Kommunen,
       eigentlich 2024 per Gesetz beschlossen, wird von rechten Parteien weiterhin
       bekämpft. Proteste gegen Unterkünfte flackern im ganzen Land regelmäßig
       auf.
       
       Unter den Erfolgen der Lokalparteien sticht der Erfolg der populistischen
       Hart voor Den Haag hervor. Zum einen, weil sie ausgerechnet am
       Regierungssitz mit gut 31 Prozent der Stimmen einen Erdrutschsieg landete,
       der sich am Wahlabend bereits in den ersten Nachwahlbefragungen
       abzeichnete.
       
       Zum anderen ist Den Haag damit unter den großen Städten eine Ausnahme: in
       Rotterdam lag GroenLinks-PvdA bei gleicher Zahl an Sitzen knapp vor der
       populistischen Leefbaar Rotterdam. In Utrecht gewann die künftige
       Fusionspartei deutlich. In Amsterdam, wo noch nicht alle Stimmen gezählt
       sind, liegt sie ebenfalls vorne.
       
       ## Großer Zuwachs für rechtes Forum voor Democratie
       
       Das Abschneiden in den Metropolen täuscht freilich nicht darüber hinweg,
       dass die beschlossene Fusion beiden Parteien zum wiederholten Mal keinen
       Zuwachs beschert. Im Gegenteil: landesweit büßten sie sogar 135 Sitze in
       Stadt- und Gemeinderäten ein. Das ist umso auffälliger, weil erst letzten
       Monat in Den Haag die neue Mitte-Rechts-Regierung vereidigt wurde.
       
       Deren Sparpläne stellten für die größte Oppositionspartei eigentlich eine
       Steilvorlage für einen dezidiert linken, sozialen Wahlkampf dar, den sie –
       vor allem in Amsterdam – auch führte. Allerdings offenbar ohne Erfolg. Die
       Parteien der liberalkonservativen Den Haager Koalition, D66, VVD und CDA,
       lagen jeweils zwischen 9 und 11 Prozent und damit im Vergleich zu 2022
       stabil.
       
       Den größten landesweiten Zuwachs erzielte das rechtsextreme Forum voor
       Democratie (FvD). Das war insoweit zu erwarten, als die Partei seit Monaten
       von einer Verschiebung im rechten Teil des Spektrums profitiert. Schon bei
       den [2][Parlamentswahlen im Herbst] konnte sie Wähler:innen von der
       Partij voor de Vrijheid (PVV) von Geert Wilders abziehen. Letztere spielt
       bei Kommunalwahlen in der Regel keine große Rolle, da sie nur in relativ
       wenigen Gemeinden antritt.
       
       FvD dagegen stand dieses Mal in doppelt so vielen Kommunen auf dem
       Wahlzettel wie 2022 und konnte seine Stimmenanzahl vervierfachen. Im
       Vorfeld der Wahlen waren mehrere Kandidaten wegen ihrer [3][rechtsextremen
       Vergangenheit] in die Schlagzeilen geraten, etwa durch Mitgliedschaften bei
       der Neonazipartei Nederlandse Volks-Unie (NVU) oder der Organisation
       Voorpost. Offenbar hat dies der Partei nicht geschadet. Eine Teilnahme an
       lokalen Regierungen ist trotzdem so gut wie ausgeschlossen.
       Fraktionsvorsitzende Lidewij de Vos freute sich dennoch über einen
       „fantastischen Abend“ und bilanzierte: „Wir haben nun überall einen Fuß in
       der Tür.“
       
       19 Mar 2026
       
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 (DIR) Tobias Müller
       
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