# taz.de -- Neues Kabinett in den Niederlanden: Rechtsliberale Hardlinerin
> Dilan Yeşilgöz wird Verteidigungsministerin im Kabinett Jetten. Sie
> dürfte zum Machtzentrum in der Minderheitsregierung werden.
(IMG) Bild: Im Zentrum der Macht angekommen: Dilan Yesilgöz (VVD), designierte Verteidigungsministerin und Vize-Premierministerin der Niederlande
Ende Oktober war [1][Rob Jetten, der künftige niederländische
Premierminister], der strahlende Held in Den Haag. Angesichts des
überraschenden Wahlsiegs seiner linksliberalen Partei Democraten66 (D66)
stand Dilan Yeşilgöz eher im Hintergrund. Was logisch ist, denn mit ihr als
Spitzenkandidatin hatte die ebenfalls liberale Volkspartij voor Vrijheid en
Democratie (VVD) leichte Verluste erlitten. D66 gilt gemeinhin als
„linksliberal“, agiert inzwischen aber eher im Zentrum. Die VVD, an deren
Spitze Yeşilgöz seit 2023 steht, ist eine bürgerlich-rechte Partei und wird
im Ausland gerne als „rechtsliberal“ bezeichnet.
Mit „rechtsliberal“ ist im übrigen auch Yeşilgöz treffend charakterisiert.
Die 48-Jährige, in Ankara geboren und im Städtchen Amersfoort aufgewachsen,
steht längst wieder mitten im Rampenlicht: In den vergangenen Monaten war
sie als Chef-Unterhändlerin der VVD maßgeblich an der Bildung der
Minderheitsregierung beteiligt, der als Dritte im Bunde die
Christdemokrat*innen angehören. Unter den Kabinettsmitgliedern, die am
23. Februar vereidigt werden, ragt Yeşilgöz heraus – nicht nur, weil sie
hinter Jetten stellvertretende Regierungschefin wird. Als
Verteidigungsministerin bekleidet sie künftig auch eine der absoluten
Schlüsselpositionen in Den Haag.
In der Koalition, [2][die ohne Mehrheit in beiden Parlamentskammern vor
einer turbulenten Legislaturperiode steht], dürfte Yeşilgöz zu einem
wichtigen Machtzentrum werden. Einerseits repräsentiert sie eine Partei,
die in den letzten drei Jahrzehnten an nahezu jeder Regierung beteiligt
war, während ihre künftigen Partner steile Auf- und Abstiege verzeichneten.
Hinzu kommt: Der Koalitionsvertrag enthält im Kern VVD-Politik. Markenkern
sind ein harter Austeritätskurs mit tiefen Einschnitten in den Bereichen
Gesundheit und Soziales. Nutznießer davon ist in erster Linie Yeşilgöz'
Ressort, das wegen des 2025 beschlossenen 5-Prozent-Ziels für
Nato-Verteidigungsausgaben Geld braucht.
## Die Brandmauer eingerissen
Unter Linken wird die einstige Stadträtin in Amsterdam damit kaum populärer
werden. Yeşilgöz, die unter ihrem Parteikollegen Mark Rutte – inzwischen
Nato-Generalsekretär – Staatssekretärin für Klima und Energie sowie Justiz-
und Sicherheitsministerin war, hatte bei den Wahlen 2023 als VVD-Chefin die
Brandmauer zur rechtspopulistischen PVV eingerissen, indem sie diese nicht
länger als Koalitionspartnerin ausschloss. Die chaotische Rechtsregierung
unter PVV-Ägide und dem parteilosen Noch-Premier Dick Schoof war die Folge.
Selbst hat die neue Superministerin einen bemerkenswerten Weg durch das
politische Spektrum hinter sich: Ihre politische Karriere begann einst bei
der Socialistische Partij, es folgten Stippvisiten bei GroenLinks und bei
der Arbeitspartei. Ihre Eltern, die Mutter türkisch, der Vater kurdisch,
waren als Menschenrechtsaktivist*innen in der Türkei „links“, wie
Yeşilgöz einmal erklärte. Auch sie habe sich daher zunächst so verstanden.
Gemeinsam mit ihrer Mutter kam sie als Kind im Rahmen des Familiennachzugs
in die Niederlande. Heute vertritt Yeşilgöz als Teil des rechten
VVD-Flügels eine harte Asyl- und Migrationspolitik. Zugleich bezeichnet sie
sich selbst als klassische Liberale und individuelle Freiheit und
Selbstbestimmung als „höchstes Gut“, für die es „jeden Tag zu kämpfen“
gelte.
10 Feb 2026
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(DIR) Tobias Müller
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