# taz.de -- Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz: Die Letzte macht die Ampel aus
> Noch regiert die FDP in Rheinland-Pfalz. Aber ob sie es wieder in den
> Landtag schafft, ist unklar. Wie Daniela Schmitt ums Überleben ihrer
> Partei kämpft.
(IMG) Bild: Fliegt die FDP in Rheinland-Pfalz aus dem Landtag, scheitert auch die letzte Ampel-Koalition
Daniela Schmitt wartet, aber niemand kommt. Sie steht in Mertesdorf, nahe
der Mosel, vor dem Weingut Weis. Heute soll sie Bernhard Busch, den
FDP-Direktkandidaten im Wahlkreis, unterstützen. Schmitts Presseteam hat
zwei Kameras dabei. Bei einer Weinwanderung will man ins Gespräch kommen,
mit den Menschen, den Wähler*innen. Gekommen ist bisher eine Professorin
aus Trier, ein Freund des Pressesprechers, der Winzer Dr. Carl von Schubert
und ein Rauhaardackel.
Wenn es blöd läuft für die FDP, dann ist das ein Symbolbild. In wenigen
Wochen sind in Rheinland-Pfalz Landtagswahlen. Schmitt ist die
Spitzenkandidatin der FDP und Ministerin für Wirtschaft, Verkehr,
Landwirtschaft und Weinbau. Das Problem: In aktuellen Umfragen wird die FDP
nicht mal mehr abgebildet.
[1][Auch bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg am Wochenende schaffte
es die FDP nicht über die Fünfprozenthürde.] Die Union lockt schon die
verbliebenen FDP-Wähler:innen zu sich. Johannes Steiniger, Generalsekretär
der CDU Rheinland-Pfalz, sagte der taz: „Dass die FDP aus dem Landtag in
[2][Baden-Württemberg] geflogen ist, ist ein Signal, dass die Partei keine
Rolle mehr spielt und es sich nicht lohnt, für sie zu stimmen.“
Schafft es die FDP bei den Landtagswahlen am 22. März nicht ins Kabinett,
endet dort die letzte Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP. In
Rheinland-Pfalz regieren die drei Parteien seit 2016. Viele sprechen hier
von der „guten Ampel“ in Abgrenzung zur gescheiterten Bundesregierung. Auch
Schmitt sagt, man habe gut zusammengearbeitet.
## Die nicht ganz so gute Ampel
Historisch war die FDP in Mainz fast immer, nämlich an 15 von 18
Regierungen beteiligt. Zwar gab es hier weniger Drama als im Bund. Ganz so
„gut“ war die Ampel aber nicht immer. Da war zum Beispiel die
Flutkatastrophe im Ahrtal. Mit 153 Toten und der Frage, ob man das hätte
verhindern könne. Es folgten die Rücktritte der früheren
Landesumweltministerin und späteren Bundesfamilienministerin Anne Spiegel
(Grüne) sowie des Landesinnenministers Roger Lewentz (SPD). Bis heute hat
sich die Regierung nicht entschuldigt.
Nachdem sie erfolglos gewartet haben, läuft die Gruppe aus Direktkandidat
Busch, Spitzenkandidatin Schmitt, Professorin, Dackel und Winzer ein
Stückchen die Weinberge hoch. Vielleicht ist niemand gekommen, weil die
falsche Uhrzeit im Amtsblatt stand, spekuliert Busch. Dann erzählt er von
Querterrassierung der Weinreben und Bewässerungssystemen, Schmitt hört zu
und nickt. Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut. Dabei steckt der
Weinbau in der Krise. Seit 2010 hat sich die Zahl der Betriebe um ein
Drittel verringert. Die Gründe: die Inflation, der Klimawandel und
Menschen, die weniger Wein trinken.
Manche Winzer werfen Schmitt vor, zu wenig für sie zu tun. Winzer Carl von
Schubert wünscht sich eine gezieltere Unterstützung im Steinlagenweinbau,
findet aber, dass die Zusammenarbeit mit dem Ministerium gut funktioniere.
Außerdem wäre es „äußerst schade“, würde die FDP aus dem Landtag
verschwinden. Gerade, wenn die Linke es stattdessen ins Parlament schaffe,
sagt von Schubert.
## Schmitt kämpft
Dass es die FDP nicht schafft, davon will Schmitt nichts hören. „Wir
kämpfen bis zum letzten Tag“, sagt sie. Wenn sie unterwegs sei, habe sie
das Gefühl, viele seien noch unentschieden. Schmitt lächelt viel,
plakatiert unter dem Motto „Zartlinerin“ und wirbt mit den Erfolgen der
Ampel-Koalition. Klar, gegen die eigene Regierung lässt sich schlecht
Wahlkampf machen. Dafür hat die FDP eine Website mit „100 Taten“ für
Rheinland-Pfalz erstellt. Darunter finden sich etwa die Ansiedlung des
Pharmakonzerns Eli Lilly in Alzey, ein modernes Bestattungsgesetz und der
Motorradführerschein ab 15 Jahren.
Schmitt verweist auf die Erfolge ihrer Regierung, die Beziehung zu ihrer
Partei wirkt dagegen wie ein ständiger Kampf. Das begann schon 2020:
Schmitt folgte auf Volker Wissing, der erst als Generalsekretär und später
als Verkehrsminister in die Bundespolitik wechselt. Wissing gilt bis heute
als einer der Architekten der Ampel, sowohl in Rheinland-Pfalz als auch im
Bund. Schmitt musste nach seinem Wechsel einen „[3][Blitzstart aus der
zweiten Reihe]“ hinlegen, schrieb die taz. Spricht man Schmitt heute auf
Wissing an, reagiert sie verhalten. 15 Jahre hatten beide
zusammengearbeitet. Als die Bundes-Ampel scheiterte, trat Wissing aus der
FDP aus. Sie will sich zu ihm nicht mehr offiziell äußern, sagt Daniela
Schmitt. Die Rheinpfalz schreibt: „Es ist ein offenes Geheimnis, dass das
Verhältnis abgekühlt ist – und dass Wissing ihr die Führung des
Landesverbands nicht zutraut“. Zuletzt sprach Wissing im Deutschlandfunk
eine indirekte Wahlempfehlung für die SPD aus. Man merkt Daniela Schmitt
die Enttäuschung an.
Mit seinem Austritt machte Wissing auch den Landesvorsitz frei. Daniela
Schmitt folgte – wieder, und wieder nicht ohne Widerstände. In der Partei
befürchtete man, dass die FDP die Landtagswahlen mit Schmitt als Kandidatin
verlieren könnte. Schmitt entgegnet, sie habe 2021 einen erfolgreichen
Wahlkampf geführt. Die FDP zog mit 5,5 Prozent in den Landtag ein.
Schließlich wählten die Mitglieder Schmitt – ohne Gegenkandidat*in, aber
trotzdem nur mit 67 Prozent.
## Weniger Einfluss auf Bundespartei
Im Wahlkampf ist es keine große Hilfe, dass sowohl die FDP als auch die
Ampel keinen guten Ruf haben. „Die gescheiterte Bundes-Ampel ist eine
schwierige Hypothek“, sagt Schmitt. Seit die FDP aus dem Bundestag geflogen
ist, muss sich die Partei neu finden. Unterstützung bekomme sie trotzdem,
sagt Schmitt. Der Parteichef [4][Christian Dürr] war da, Wolfgang Kubicki
auch.
Aber auch das Verhältnis zur Bundespartei scheint angespannt. Schon im Mai
2025 wurde Schmitt nicht mehr ins Präsidium gewählt. Stattdessen wurde
Susanne Seehofer aus Bayern gewählt, Tochter des früheren
Ministerpräsidenten. Die Rheinpfalz titelte: „Wie peinlich ist das denn“?
Heute sagt Schmitt: „Klar hätte ich es mir gewünscht. Es hätte auch ein
bisschen mehr Rückenwind für den Wahlkampf gegeben.“ Sie verliert damit
auch Einfluss in der Partei.
Mittlerweile ist die FDP nur noch in 7 von 16 Landesparlamenten vertreten.
Neben Rheinland-Pfalz ist sie nur noch in Sachsen-Anhalt an einer Regierung
beteiligt. Aber auch dort droht die Partei im Herbst aus dem Parlament zu
fliegen.
Zurück vor dem Weingut gibt es zum Abschluss gelben Glühwein. Bei
potenziellen Wählern wäre das vielleicht gut angekommen. Nur dass von denen
kaum einer da war.
12 Mar 2026
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