# taz.de -- Fragwürdiges Finanzkonzept vorgestellt: Hamburg rechnet sich Olympia schön
> Hamburg legt ein Finanzkonzept für die Olympia-Bewerbung vor, das es so
> noch nicht gegeben hat: Mit Olympia würde die Stadt sogar Gewinn machen.
(IMG) Bild: Könnte ein Sinnbild für aus dem Ruder laufende Kosten werden: Drohnen bilden zum Start der Hamburger Olympia-Kampagne einen Zweier
Ein Hort des „hanseatischen Kaufmannsprinzips“ will Hamburg seinem
Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) zufolge also auch bei Olympia sein: Am
Mittwoch stellte der rot-grüne Senat die Eckdaten seines Finanzkonzepts
vor, mit dem er sich für die Austragung Olympischer und Paralympischer
Spiele für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 bewerben will. Demnach sollen
Kosten von 4,8 Milliarden Euro entstehen, doch die prognostizierten
Einnahmen würden diese sogar leicht übersteigen.
„Wir können uns die Spiele leisten und bei der Durchführung und
Organisation der Spiele in Hamburg ist es möglich, dass ein Überschuss
erzielt werden kann, der den Hamburgerinnen und Hamburgern zugutekommen
wird“, freut sich Dressel. Dass es sich dabei allerdings um eine
[1][seriöse Kostenprognose] handelt, bezweifelt nicht nur die Initiative
Nolympia, die für ein Nein beim Ende Mai anstehenden [2][Referendum über
die Bewerbung] wirbt.
Auf 4,8 Milliarden Euro kommt der Senat, in dem er die sogenannten
Organisations- und Durchführungskosten summiert: Darunter fallen „temporäre
Infrastruktur, Dienstleistungen, Personal, Technologie, Marketing und
Kommunikation“; kurzum: alles, was Hamburg noch ausgeben müsste, um
reibungslos die sportlichen Wettkämpfe stattfinden zu lassen. Inbegriffen
sind auch 628 Millionen Euro für unvorhergesehene Ausgaben, was 15 Prozent
des Gesamtbudgets entspricht. Ausgearbeitet seien diese Berechnungen von
externen Finanzgutachtern.
Der doppelte Clou an diesem Finanzkonzept: Nicht nur wäre die
Olympia-Planung um mehrere Milliarden Euro günstiger als noch 2015, als der
rot-grüne Senat schon einmal eine Bewerbung angestoßen hatte. Damals waren
11,2 Milliarden Euro veranschlagt worden, hätten die Spiele 2024 in Hamburg
stattgefunden. Diese Bewerbung wurde aber von der Mehrheit der
Hamburger:innen bei einem Referendum abgelehnt. Die nun deutlich
geringere Summe ergebe sich aus der Tatsache, dass für Olympia bereits ein
Großteil der Sportstätten existiere und keine umfassenden Bauprojekte
anstünden.
## Nolympia kritisiert „unseriöse“ Planung
Dieses Mal bedeuten Olympische Spiele in Hamburg den Berechnungen zufolge
sogar einen finanziellen Gewinn: Mit 4,9 Milliarden Euro Einnahmen rechnet
der Senat, womit ein Überschuss von 100 Millionen Euro entstünde. Die
Einnahmen ergeben sich aus der internationalen Vermarktung sowie
„Sponsoring-, Ticketing-, Hospitality- und Lizenzierungserlöse“. „Es fehlt
kein Geld an anderer Stelle“, verspricht denn auch Innen- und Sportsenator
Andy Grote (SPD).
Nicht einberechnet sind in die Kostenplanung aber 1,3 Milliarden Euro, die
der Senat als „Investitionsbudget“ bezeichnet. Darunter würden Maßnahmen
fallen, die „über die eigentliche Durchführung der Spiele hinaus einen
langfristigen Nutzen für die Stadt und die Hamburgerinnen und Hamburger
entfalten“ – etwa Kosten der Modernisierung von Wettkampf- und
Trainingsstätten oder für den Ausbau von Straßen, Radwegen oder für den
öffentlichen Nahverkehr. „Daraus ergeben sich jährliche durchschnittliche
Olympia-bezogene Investitionen von etwas über 100 Millionen Euro, die sich
in den ohnehin schon milliardenschweren Investitionshaushalt der Stadt gut
integrieren lassen“, erklärt der rot-grüne Senat.
Ob das die wahlberechtigten Hamburger:innen überzeugt, dem Senatswunsch
nach einer Bewerbung zuzustimmen? Nach Ansicht der [3][Initiative Nolympia,
die für ein Nein beim Referendum am 31. Mai plädiert], handelt es sich
jedenfalls nicht um eine seriöse Einschätzung der tatsächlichen Kosten
Olympischer und Paralympischer Spiele. „Wer solche Zahlen verbreitet,
sollte nicht mit der Durchführung eines der finanziell riskantesten
Megaprojekte überhaupt betraut werden“, sagt Nolympia-Sprecher Eckart
Maudrich.
Die Liste der Kritik ist lang: So ergebe sich ein Gewinn für Hamburg von
100 Millionen Euro etwa nur, weil Hamburg auf der Einnahmenseite mit einer
200-Millionen-Euro-Förderung des Bundes plant. „Die öffentliche Hand
spendiert 200 Millionen Euro und nimmt davon 100 Millionen zurück und nennt
das Gewinn im Durchführungsbudget“, sagt Maudrich. Unseriös sei auch, dass
der Senat Kostenpunkte nennt, diese aber erst in mitunter 18 Jahren
anfielen – dann allein durch die Inflation also viel höher ausfielen.
Auch die Hamburger Linksfraktion spart nicht mit Kritik: „Unverantwortlich
ist, dass der Senat die öffentlichen Ausgaben für Logistik und Sicherheit
überhaupt nicht in seine Kalkulation einbezieht“, sagt Fraktionschef David
Stoop. Das seien aber entscheidende Kostenfaktoren. „An anderer Stelle des
Konzepts wird stets Paris als ‚Benchmark‘ herangezogen. Die Ausgaben allein
für Sicherheit betrugen dort 1,4 Mrd. Euro.“
Nolympia wie die Linke kritisieren zudem eine große Leerstelle im
Finanzkonzept, die gemeinhin für Olympische Spiele zentral ist: ein
Olympiastadion. Das gibt es bislang in Hamburg nicht, allerdings wird nach
dem Wunsch des Senats bis dahin eins stehen. Eine Multifunktionsarena für
Sport und Konzerte für mindestens 60.000 Zuschauer:innen habe die Stadt
dringend nötig, beteuert der Senat; [4][das für diese Zwecke bislang
genutzte Volksparkstadion des Hamburger SV sei ohnehin zu marode.] Und weil
nicht die Stadt, sondern ein Investor eine solche Arena bauen werde, die
dann aber für Olympia genutzt wird, muss sie nicht im Finanzkonzept
auftauchen. Von einem „Finanztrick“ spricht die Linke.
12 Mar 2026
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## AUTOREN
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