# taz.de -- Olympiabewerbung Nordrhein-Westfalens: „Söder zeigen, was eine Harke ist“
> Auf einer Informationsveranstaltung in Köln wird für die Olympischen
> Spiele und positives Denken geworben. Kritische Nachfragen gibt es kaum.
(IMG) Bild: Noch ein weiter Weg zum olympischen Feuer: So sieht man das auf dem Kölner Rosenmontagszug
Einen prestigeträchtigeren Ort als die „Champions Hall“ im deutschen Sport-
und Olympia-Museum hätte sich der Kölner Stadt-Anzeiger kaum aussuchen
können. Am Mittwochabend hatte die Zeitung zu einer
Informationsveranstaltung über die Olympiabewerbung Nordrhein-Westfalens
eingeladen. Umgeben von Artefakten aus der Olympiageschichte wollten sich
die etwa 250 Zuhörer*innen ein Bild von dem Konzept machen, mit dem
Köln als Zugpferd das Internationale Olympische Komitee (IOC) überzeugen
will.
Die Gäste auf dem Podium brachten jede Menge Olympiaerfahrung und
Begeisterung mit: [1][Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD]),
ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes
(DOSB), [2][Fechterin Britta Heidemann], Goldmedaillengewinnerin der Spiele
2008 in Peking und Niklas Börger, Projektleiter der Olympiabewerbung aus
der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei informierten über die Bewerbung
von „KölnRheinRuhr“.
Geladen hatte der Stadt-Anzeiger, weil in den kommenden Tagen bei den
817.000 wahlberechtigten Kölner*innen Briefwahlunterlagen eingehen
werden. Die Stadt lässt darüber abstimmen, ob sich Köln für die Olympischen
und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 bewerben soll. Dasselbe
passiert in den 16 anderen Kommunen der Region Rhein-Ruhr.
Das Ergebnis wird am 19. April feststehen. Der DOSB will im September
entscheiden, welche Stadt er ins Rennen schickt. [3][Die Münchnerinnen und
Münchner] hatten sich im vergangenen Oktober bereits für eine Bewerbung
ausgesprochen, Hamburg und Berlin sollen folgen.
## „Deutschland wieder dran“
Burmester, seit November 2025 im Amt, wünscht sich eine Kölner
Stadtgesellschaft, die nicht auf jede Idee mit einem „Nein, weil…“, sondern
mit einem „Ja, wenn…“ antwortet. Denn mit einer pessimistischen
Einstellung, so Burmester, könne man Köln in zehn Jahren abschließen.
Britta Heidemann unterstrich, dass Sport in positiver Sicht viel bewegen
könne, wofür sie Applaus erntete. Zusammen mit Niklas Börger, der zu Beginn
einen Kurzvortrag über das Bewerbungskonzept gehalten hatte, stellte die
Runde klar, dass die Olympischen Spiele ein Katalysator für
gesellschaftliche, wirtschaftliche und sportliche Entwicklungen in
Deutschland sein können. Börger hob hervor, dass aus der Sportwelt bereits
zu spüren sei, „dass Deutschland wieder dran“ sei. Das Konzept sei
einzigartig, weil es eine kompakte Umsetzung der Spiele ermögliche, auf
Nachhaltigkeit setze und die Bevölkerung durch die Ratsbürgerentscheide mit
einbinde.
Burmester und Börger präsentierten sich als sachliche Projektmanager.
Börger hob den Unterschied zwischen Durchführungskosten, die das IOC trägt,
und Investitionskosten des Ausrichters hervor. Insgesamt sei die
Einnahmen-Ausgaben-Prognose derzeit positiv – auch, weil die
Bundesregierung eine deutsche Olympiabewerbung finanziell unterstützen
will.
Um Kritik zuvorzukommen, erklärten Burmester und Heidemann, wie sich das
IOC gewandelt habe: Früher hätten sich die Ausrichterstädte an den Spielen
ausrichten müssen, mittlerweile habe sich das umgekehrt. Auch die
Entscheidungsprozesse seien transparenter geworden.
Der langjährige Sportfunktionär zog immer wieder Beispiele von den Spielen
2024 in Paris heran, weil es dort gelungen sei, „etwas auszulösen“. Neue
Schwimmbäder seien gebaut und zusätzliche Sportstunden in Grundschulen
geschaffen worden. Gleichwohl müsse auch über Kritikpunkte wie Klimabilanz
und soziale Gerechtigkeit gesprochen werden.
Das vorgelegte Konzept könne nichts garantieren, betonte Börger, aber im
Groben könnten schon Ideen entwickelt werden, um die Stadtentwicklung, den
öffentlichen Personennahverkehr und den Wohnungsbau in Köln und den anderen
Ausrichterstädten weiterzuentwickeln.
In Köln ist allerdings die Haushaltslage extrem angespannt. Die Kölner
Verkehrsbetriebe vermelden Jahr für Jahr Rekorddefizite. In den kommenden
Jahren müssen drei wichtige Rheinbrücken saniert werden. Und nicht zuletzt:
Der Zustand der Kölner Sportstätten ist weitgehend desolat. Mehr als 80
Prozent müssten wieder in Schuss gebracht werden.
Burmesters Prestigeprojekt scheint der neue Stadtteil Kreuzfeld im Kölner
Norden zu sein, in dem das Leichtathletikstadion und das olympische Dorf
ihre Heimat finden sollen. Die geschaffene Infrastruktur soll danach zu
Wohn- und Geschäftsräumen umgewandelt werden. Pläne für den Bau dieses
Stadtteils gibt es bereits seit Anfang der 1990er Jahre.
Die anvisierten Infrastrukturprojekte für Köln überzeugten nicht alle
Zuhörenden, weil katastrophale Kölner Langzeitbaustellen wie die Oper nicht
gerade das Gefühl vermitteln, die Millionenstadt am Rhein könnte eine vom
olympischen Geist getragene Renaissance durchleben.
Doch kritische Nachfragen und Kommentare kamen im Olympia-Museum kaum auf.
Die Runde hätte zudem gut durch andere Perspektiven wie zum Beispiel von
NOlympia-Colonia oder Vertreter*innen aus dem Breitensport ergänzt
werden können.
Viel Erwartbares wurde erzählt. In seinem Schlusswort konnte Torsten
Burmester dann doch noch mit einer besonderen Motivation für die Kölner
Bewerbung überraschen. Er sagte, er wolle „Markus Söder zeigen, was eine
Harke ist“.
12 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Arne Steinberg
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