# taz.de -- Studierendenproteste in Senegal: „Das ist nicht mehr meine Regierung“
       
       > In Senegal protestieren die Studierenden schon seit Monaten wegen nicht
       > ausgezahlter Stipendien. Nun eskaliert die Lage weiter.
       
 (IMG) Bild: Dakar, Senegal, 10. Februar: Studierende auf der Straße, nachdem die Universität UCAD vorübergehend geschlossen wurde
       
       „Das ist nicht mehr meine Regierung“, sagt Thierno. Der 24-Jährige ist
       Medizinstudent an der Universität Cheikh-Anta-Diop (UCAD) in Dakar. Am
       vergangenen Montag war bei Protesten an der größten Universität des
       westafrikanischen Landes ein Student getötet worden.
       
       Seither fordert die Studierendenschaft Rechenschaft und Aufklärung. Denn
       Abdoulaye Ba, ein Zahnmedizin-Student, starb, als Sicherheitskräfte
       gewaltsam das Campus-Gelände stürmten. Aufnahmen zeigen von Tränengas und
       Flammen verrauchte Gebäude, Studierende, die in alle Richtungen fliehen,
       und Polizei, die mit Schlagstöcken prügeln.
       
       Während der Staatsanwalt von Dakar am Samstag noch bekannt gab, dass es für
       Gerüchte über körperliche Gewalt gegen das Opfer keine Beweise gäbe,
       spricht der mittlerweile veröffentlichte Autopsiebericht eine andere
       Sprache. Von mehreren Rippenbrüchen, einer Gehirnerschütterung und inneren
       Blutungen ist dort die Rede.
       
       Unter der Studierendenschaft herrscht Empörung. Auch Thierno ist wütend.
       Darüber, dass die Regierung sich bis auf ein kurzes Statement, in dem der
       Tod des Studenten als tragisch bezeichnet wurde, nicht geäußert hat.
       
       ## Seit November protestieren die Studierenden immer wieder
       
       109 Studierende waren an besagtem Montag im Rahmen der Razzia festgenommen
       worden. 106 sind in der Zwischenzeit wieder freigelassen wurden, drei sind
       weiterhin in Haft, bestätigt Anwalt Ngone Diop. Er ist Teil eines
       Anwaltskollektivs, das sich bereit erklärte hat, die Studierenden
       kostenfrei vor Gericht zu vertreten. Den drei Inhaftierten wird
       vorgeworfen, den Protest organisiert zu haben.
       
       Seit November kommt es im ganzen Land immer wieder zu Studentenprotesten.
       Hintergrund sind Stipendien, die seit mehreren Monaten nicht ausgezahlt
       wurden.
       
       „Auf dieses Geld sind viele von uns angewiesen“, sagt der Student Khadim.
       Die Höhe des Stipendiums hängt von den Noten und dem Studienjahr ab. Ein
       Masterstudent kann zum Beispiel 60.000 CFA (etwa 100 Euro) monatlich
       bekommen, während ein Bachelorstudent im ersten Jahr 20.000 CFA (etwa 35
       Euro) erhält.
       
       Senegals Wirtschaftslage ist prekär und die Bevölkerung sieht sich mit
       kontinuierlich steigenden Lebenshaltungskosten konfrontiert. Dass seit
       nunmehr fast einem Jahr die finanzielle Unterstützung des Staates ohne
       Erklärung ausbleibt, hatte schon im November dazu geführt, dass die
       Studierenden sich mit den Sicherheitskräften regelrechte Schlachten
       lieferten und mit Steinen gegen Tränengas anschmissen.
       
       ## „Unverhältnismäßige Gewaltanwendung“
       
       Der Einsatz am Montag, bei dem Sicherheitskräfte das Campusgelände stürmten
       und sich nicht, wie sonst, auf das Verriegeln der Aus- und Eingänge
       beschränkten, markiert dabei jedoch eine Eskalation. Mehrere
       Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International Senegal,
       verurteilten die „unverhältnismäßige Gewaltanwendung“.
       
       Der Unterricht geht nun weiter, doch die Studentenwohnheime sind vorerst
       geschlossen. „Das ist vor allem für diejenigen unter uns ein Problem, die
       von weit her kommen und keine Unterbringungsmöglichkeiten in Dakar haben“,
       sagt Thierno.
       
       [1][Die Wahl von Präsident Bassirou Diomaye Faye im Jahr 2024 hatte vor
       allem unter der Jugend des Landes Hoffnung auf Veränderung geweckt]. Sein
       Parteikollege, der heutige Premierminister [2][Ousmane Sonko,] hatte
       Arbeit, eine Senkung der Lebenshaltungskosten und die regelmäßige
       Auszahlung der Stipendien versprochen – [3][und damit auch gegen das Regime
       des damaligen Präsidenten Macky Sall gewettert.]
       
       Doch die Realität nach Amtsantritt war brutal:Kurz nach Amtsübernahme
       wurde ein Haushaltsloch von 13 Milliarden Dollar festgestellt. Versteckte
       Schulden in einer Höhe, die ihresgleichen sucht. Über Jahre waren unter der
       Vorgängerregierung Bilanzen gefälscht worden, die das wahre Ausmaß von
       Senegals Verschuldung vertuschten.
       
       Die Auswirkungen zeigen sich nun in vielen Bereichen. Die Studenten Thierno
       und Khadim sind sich jedoch einig: Das eine sei die Verschuldung. Das
       andere aber ist die Gewalt, mit der gegen sie und andere Studenten
       vorgegangen wird: jene Polizeigewalt, die Ousmane Sonko und Diomaye Faye
       vehement verurteilt hatten, als sie noch unter Vorgängerpräsident Macky
       Sall verübt wurde.
       
       17 Feb 2026
       
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