# taz.de -- Staatliche Homophobie in Senegal: Hohe Strafen für „widernatürliche Handlungen“
> Senegals Linksregierung will Homosexualität mit zehn Jahren Haft
> bestrafen. In der Debatte vermischt sich das mit Pädokriminalität und
> HIV/Aids.
(IMG) Bild: „Nein zur Homosexualität, so ist man nicht“: Anti-LGBT-Demonstration in Senegals Hauptstadt Dakar, 14. Februar
Der Vorstoß kommt nicht überraschend: Senegals Premierminister Ousmane
Sonko will das bestehende Gesetz zur Bestrafung von Homosexualität
verschärfen. Künftig, [1][wie Sonko persönlich am Dienstag vor dem
Parlament ausführte], sollen gleichgeschlechtliche Beziehungen mit bis zu
zehn Jahren Haft geahndet werden. Damit verdoppelt sich das mögliche
Strafmaß. Bisher sah Artikel 319 des senegalesischen Strafgesetzbuchs ein
bis fünf Jahre Haft für sogenannte „widernatürliche Handlungen“ vor.
Sonko, dessen Partei Pastef (Afrikanische Patrioten in Senegal für Arbeit,
Ethik und Brüderlichkeit) 2024 mit einem Diskurs der Selbstbehauptung der
marginalisierten afrikanischen Jugend gegen die alte Kolonialmacht
Frankreich [2][die Wahlen gewonnen] hatte, hat sich bereits in der
Vergangenheit mehrfach durch homophobe Äußerungen hervorgetan.
Der Gesetzentwurf wird von einer breit angelegten Kampagne gegen
Homosexualität begleitet, verknüpft mit dem Vorwurf der vorsätzlichen
HIV-Übertragung und Pädophilie. Seit rund zwei Wochen kommt es landesweit
zu Festnahmen mutmaßlich homosexueller Personen.
Am vergangenen Wochenende waren Demonstrierende in der Hauptstadt Dakar auf
die Straße gegangen, um eine weitere Verschärfung der entsprechenden
Gesetze zu fordern – kurz bevor Sonko die entsprechenden Pläne vorstellte.
Der Bürgerinitiative gehe es um den Kampf gegen Homosexualität, den Schutz
von Kindern, den Kampf gegen die vorsätzliche Übertragung von HIV sowie die
Bewahrung der gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Werte, erklärt
Initiator Tidiane Dia. Sein mit Lautsprechern ausgestatteter LKW rollte
durch die Straßen. Auf der Ladefläche: Dia, umringt von Vertreterinnen und
Vertretern aus Zivilgesellschaft, Bildungswesen, Elternschaft und lokalen
Autoritäten, die sich über den regen Zulauf freuten.
## Pädokriminelle Verbindungen nach Frankreich
Während Homosexualität in Senegal weithin gesellschaftlich geächtet wird,
hat die Ablehnung in den vergangenen zwei Wochen eine neue Schärfe
bekommen. Auslöser ist das Bekanntwerden von zwei unterschiedlichen Fällen:
zum einen die Verhaftung einer Gruppe von Männern, denen Homosexualität
vorgeworfen wird, zum anderen die [3][Aushebung eines mutmaßlichen
pädokriminellen Netzwerks] mit Verbindungen nach Frankreich. In beiden
Fällen werden die Verdächtigen auch der vorsätzlichen Übertragung von HIV
beschuldigt.
Seither vermischen sich in der öffentlichen Debatte die Themen und damit
die Grenze zwischen Straftat, Krankheit und sexueller Identität. Mindestens
30 Menschen wurden im Zuge der Kampagne gegen Homosexuelle in den letzten
zwei Wochen verhaftet. Als Reaktion veröffentlichen nun immer mehr
Menschen, denen homosexuelle Handlungen vorgeworfen werden, negative
HIV-Testergebnisse in sozialen Netzwerken, um sich gegen entsprechende
Anschuldigungen zu verteidigen.
Laut der in Paris ansässigen Organisation [4][„Stop Homophobie“] erwägen
aufgrund des feindlichen Klimas zudem immer mehr Mitglieder der
senegalesischen LGBT-Community das Exil. Allein in den vergangenen Tagen
seien 18 Anfragen mit Bitte um Unterstützung bei der Ausreise eingegangen,
berichtet Generalsekretär Terrence Khatchadourian.
## Ghana will ebenfalls Gesetze verschärfen
Mit dem Vorstoß für eine Verschärfung bestehender Gesetze steht Senegal in
Westafrika nicht allein da. [5][Auch in Ghana] wurde in der vergangenen
Woche ein Gesetzentwurf zur „HumanSexual Rights and Family Values Bill“
erneut formell ins Parlament eingebracht. Dieser sieht vor, ähnlich wie in
Senegal die bereits bestehende Kriminalisierung von LGBT-Menschen zu
verschärfen und jegliche Unterstützung zu bestrafen. Zudem soll der Zugang
zu Gesundheitsversorgung und anderen grundlegenden Dienstleistungen massiv
eingeschränkt werden.
Während des Wahlkampfes 2024 hatte der Wahlsieger, Ghanas heutiger
Präsident John Mahama, öffentlich erklärt, dass er das Gesetz sofort
unterzeichnen werde, sollte das Parlament es verabschieden.
25 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=UQTeVpwnCvw
(DIR) [2] /Nach-Wahlen-in-Senegal/!5997745
(DIR) [3] https://www.bbc.com/news/articles/cy4wy2xy300o
(DIR) [4] https://www.stophomophobie.com/
(DIR) [5] /LGBTQ-in-Ghana/!6057846
## AUTOREN
(DIR) Helena Kreiensiek
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