# taz.de -- Rheinland‑Pfalz nach der Wahl: SPD, AfD und die traurige Ost‑West‑Front?
       
       > Drei Bundestagsabgeordnete in dieser Podcastfolge im Gespräch: Wallstein,
       > Wagner, Gürpinar diskutieren SPD-Krise, AfD-Erfolge und Wege zu neuer
       > linker Mehrheit.
       
       „Ich habe mein Leben lang SPD gewählt.“ Der Satz klingt nach Loyalität.
       Nach Geschichte. Nach einem politischen Zuhause.Die Person, die uns
       schreibt, kommt aus Rheinland-Pfalz. Ein Bundesland, in dem die SPD lange
       so etwas wie eine politische Selbstverständlichkeit war. Aufstieg durch
       Bildung, genau das ist der Familie der Person gelungen. Aber jetzt kippt
       etwas in der Person. „Immer mehr weiß ich nicht, wofür ich die SPD noch
       wählen soll.“ Was passiert, wenn selbst die anfangen zu zweifeln, die der
       Partei über Jahrzehnte treu waren? Wenn sich nicht Wut breitmacht, sondern
       Entfremdung? Es ist keine wütende Nachricht. Es ist ein leiser Zweifel und
       genau deshalb so politisch.
       
       Die SPD verliert nach 35 Jahren die Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz an die
       CDU, die mit 31 Prozent die Landtagswahl gewonnen hat. Mit 25,9 Prozent
       erzielt sie ihr bislang schlechtestes Ergebnis. Die Linke und auch die FDP
       verfehlen die Fünfprozenthürde und sind nicht im Landtag vertreten. Die
       Grünen erreichen 7,9 Prozent. Die AfD holt mit 19,5 Prozent ihr bisher
       bestes Resultat in einem westdeutschen Bundesland.
       
       Das ist [1][die Ausgangslage nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz],
       über die sich Dennis Chiponda in der neuen Folge von „Mauerecho – Ost
       trifft West“ mit den Bundestagsabgeordneten Maja Wallstein (SPD), Johannes
       Wagner (Bündnis 90/Die Grünen) und Ates Gürpinar (Die Linke) unterhält. Die
       drei Abgeordneten beleuchten gemeinsam mit Chiponda Ost-West-Konfliktlinien
       in der Politik, die AfD-Erfolge im Westen, die Vertrauenskrise, in der sich
       die SPD befindet, sowie linke Utopien und Strategien für eine zukünftige
       progressive Mehrheit in Deutschland. „Ich glaube, wir brauchen da einfach
       eine Erzählung von Gerechtigkeit, von Klimaschutz, von Wohlstand, die eben
       den vielen dient und nicht den wenigen“, sagt Wagner (Die Grünen).
       
       ## Ost-West-Abgleich: Persönliche und politische Realitäten
       
       Im „Ost-West-Abgleich“ geben die Abgeordneten Einblicke in den Stand des
       Einheitsprozesses aus dem Bundestag heraus. Die Gäste teilen zunächst ihre
       persönlichen Zugänge zur Einheit, bevor sie den politischen Betrieb in die
       Verantwortung nehmen. Sie thematisieren fehlende Augenhöhe im Umgang mit
       Ostthemen sowie eine dominierende, westzentrierte Erzählung, in der
       Lernpotenziale aus dem Osten ungenutzt bleiben. „Wenn in Reden davon
       gesprochen wird, so ein Rückblick gemacht wird und Deutschland der 70er,
       und ich mir so denke: Na ja, also Westdeutschland der 70er“, so Wallstein
       (SPD)
       
       In der Wahlanalyse teilen die Abgeordneten ihre Einblicke in die
       Rheinland-Pfalz-Wahl aus der Sicht ihres Bundestagsmandats. Gürpinar ist
       motiviert, trotz des Scheiterns an der Fünfprozenthürde auf diesem bislang
       besten Ergebnis der Linken in diesem Bundesland aufzubauen. Wagner ist
       zufrieden mit dem Ergebnis, da die Grünen schon immer einen schweren Stand
       in Rheinland-Pfalz hatten. Er ist jedoch besorgt über die wachsenden
       Regierungsmehrheiten rechts der Mitte. Wallstein glaubt nicht, dass es am
       Spitzenkandidaten oder am Landesverband lag, möchte sich dazu aber kein
       abschließendes Urteil erlauben, da sie die Gegebenheiten des Bundeslandes
       wenig kennt. Bei einer Sache ist sie sich jedoch sicher: Sie betont
       europaweite rechtsnationale Strategien, die auch in diesem Wahlkampf zum
       Tragen gekommen sind und ihr Sorgen bereiten.
       
       ## Bürgersprechstunde
       
       In der Bürgersprechstunde, einer Kategorie im Podcast „Mauerecho – Ost
       trifft West“, reagieren die Abgeordneten auf ein Schreiben einer Zuhörerin.
       Darin wird geschildert, dass die SPD als entkernt und von ihrer
       Kernwählerschaft entkoppelt wahrgenommen wird. Es wird die Frage
       aufgeworfen, wofür die SPD noch steht und wie sie sich von den Grünen und
       der Linken unterscheidet. Wallstein beschreibt ein Regierungsdilemma. Ihre
       Partei steht zwischen der Verteidigung des Sozialstaats gegenüber der Union
       und dem gesellschaftlichen Druck, eine möglichst reibungslos
       funktionierende Koalition zu liefern.
       
       Gürpinar analysiert zudem strukturelle Schwächen wie fehlende lokale
       Präsenz in ländlichen Regionen, wo die AfD mittlerweile Lücken füllt, die
       die SPD im Westen und die Linke im Osten hinterlassen haben, sowie
       Glaubwürdigkeitsprobleme bei sozialen Vorhaben, etwa der Erbschaftssteuer.
       Die Lösungsansätze der Abgeordneten liegen in mehr direkter Ansprache,
       einem progressiven Wettstreit um linke Ideen und gemeinsamen Erzählungen
       von Gerechtigkeit als Gegenentwurf zu rechten Trends, anstatt diese
       mitzutragen.
       
       Die Diskussion spitzt sich zu, als Chiponda nachfragt, ob die SPD durch die
       angekündigten Reformen Vertrauen zurückgewinnen kann, wenn aktuell auch
       Vorwürfe im Raum stehen, dass die Regierung mit dem Sondervermögen im Jahr
       2025 vor allem Haushaltslöcher gestopft habe. Noch kontroverser wird es bei
       der Frage, an welcher Stelle Kompromisse für Demokratie und
       Regierungsfähigkeit notwendig sind und an welcher Stelle dabei eigene Werte
       aufgegeben werden.
       
       „Mauerecho – Ost trifft West“ ist ein Podcast der [2][taz panterstiftung].
       Er erscheint alle zwei Wochen donnerstags auf [3][taz.de/mauerecho] sowie
       überall, wo es Podcasts gibt. Besonderer Dank gilt unserem neuen Cutter
       Sebastian Jautschus.
       
       26 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /AfD-Ergebnis-in-Rheinland-Pfalz/!6165094
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dennis Chiponda
       
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