# taz.de -- Ausbildungsplatzumlage: Umfrage zeigt breite Skepis
       
       > Statt von CDU und SPD geforderter 2.000 neuer Ausbildungsverträge liegen
       > weit weniger vor – trotz aller Anstrengungen, meint Unternehmensverband
       > UVB.
       
 (IMG) Bild: Die Diskussion um die im Koalitionsvertrag von CDU und SPD vereinbarte Ausbildungsplatzumlage hält weiter an
       
       Die näher rückende Ausbildungsplatzumlage wird nach neuesten Zahlen kaum zu
       mehr Ausbildungsplätzen führen. Laut der Frühjahrsumfrage der
       Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), dem Spitzenverband der
       regionalen Wirtschaft, unter ihren rund 60 Mitgliedsverbänden erwarten
       sogar 50 Prozent, dass es als Folge eines solchen Gesetzes weniger Plätze
       geben wird. Von einem Wachstum gehen nur 3 Prozent aus. 47 Prozent glauben,
       dass sich an der Zahl nichts ändern wird.
       
       CDU und SPD hatten sich [1][in ihrem Koalitionsvertrag im Frühjahr 2023]
       auf Drängen der Sozialdemokraten auf eine solche Umlage geeinigt. Sie soll
       diejenigen belohnen, die ausbilden und sie dabei unterstützen. Beide
       Parteien haben dabei vereinbart, dass es eine solche Umlage geben sollte,
       wenn bis 2025 nicht 2.000 zusätzliche unterschriebene Ausbildungsverträge
       vorliegen würden. Verwendet wird in der Diskussion auch der Begriff Abgabe.
       Zahlen sollen [2][grundsätzlich erst mal alle Unternehmen], unabhängig
       davon, ob sie ausbilden oder nicht. Wer dann ausbildet, soll dafür Geld aus
       einem Fonds bekommen.
       
       Führende Wirtschaftsvertreter hatten das fast durchweg kritisiert und von
       einer Zwangsabgabe gesprochen. Sie gaben zwar an, das Ziel von mehr
       Ausbildung zu teilen, lehnten das von der schwarz-roten Koalition
       vereinbarte Modell jedoch als zu bürokratisch ab. Sie verwiesen zudem auf
       negative Erfahrungen aus Bremen, wo das Landesparlament eine solche Umlage
       schon 2023 beschloss. Die nun vom UVB vorgestellte Studie aber stellt diese
       ablehnende Haltung gegenüber dem Vorhaben auf ein deutlich breiteres
       Fundament.
       
       Von der taz in der Pressekonferenz nach der Senatssitzung mit der Studie
       konfrontiert, sprach sich Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) – sie
       gilt nicht als größte Anhängerin der Umlage – für eine verbesserte
       Darstellung aus: „Wir müssen diejenigen, die ausbilden, auch in die
       Position bringen, dass sie sich auch wirklich unterstützt fühlen.“ Ihre
       SPD- und Senatskollegin vom Ressort für Arbeit und Soziales, Cansel
       Kiziltepe, ging nicht auf die Zahlen ein, wonach nur 3 Prozent mehr, 50
       Prozent aber weniger Ausbildungsplätze als Folge der Abgabe erwarten. Sie
       verwies auf die Vereinbarung im Koalitionsvertrag, die einzuhalten sei.
       
       ## Wirtschaft zählt bislang 1.100 zusätzliche Plätze
       
       Laut UVB-Hauptgeschäftsführer Alexander Schirp sind in Berlin im Bereich
       der Industrie- und Handelskammer und des Handwerks 1.100 zusätzliche
       Ausbildungsverträge zusammengekommen. Die Zählung bei den freien Berufen
       sei noch nicht abgeschlossen, wird die Anzahl nach seinen Worten aber nicht
       auf die Zielgröße 2.000 bringen.
       
       Schirp sieht die Zahl von mindestens 1.100 aber nicht als Niederlage,
       sondern als Erfolg der Berliner Wirtschaft. Denn dieser Zuwachs sei „völlig
       abgekoppelt“ von einer ansonsten bundesweit rückgängigen Entwicklung. Der
       UVB-Chef erwartet von der Koalition, vor diesem Hintergrund und angesichts
       gegenüber 2023 völlig anderer Rahmenbedingungen, sich flexibel zu zeigen
       und nicht an der Zahl 2.000 festzuhalten.
       
       Am 20. März will laut Giffey und Kiziltepe das ebenfalls durch den
       schwarz-roten Koalitionsvertrag auf den Weg gebrachte „Bündnis für Arbeit“
       abschließend bilanzieren und über das weitere Vorgehen sprechen. Die
       schwarz-rote Koalition hat schon Anfang Oktober [3][einen Gesetzentwurf ins
       Abgeordnetenhaus eingebracht], der einen „Ausbildungsförderungsfonds“
       festschreibt. Der wurde dort seither auf Ausschussebene beraten, und zwar
       gleich in drei Gremien. Eine abschließende Debatte – und Beschlussfassung
       im Hauptausschuss als wichtigstem Parlamentsausschuss steht aber noch aus.
       
       Und die wird offenbar so schnell nicht erfolgen. Aus der CDU-Fraktion hieß
       es am Dienstag gegenüber der taz, man habe „noch sehr viel
       Änderungsbedarf“. Man müsse dahin kommen, das Gesetz so zu gestalten, dass
       es „kein Bürokratiemonster“ werde und die Wirtschaft nicht belaste.
       Fraktionsintern will man das Thema dem Vernehmen nach auch bei einer
       Klausurtagung Ende März besprechen.
       
       10 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.berlin.de/rbmskzl/politik/senat/koalitionsvertrag/
 (DIR) [2] https://www.berlin.de/sen/arbeit/top-themen/ausbildungsumlage/artikel.1604431.php
 (DIR) [3] https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/vorgang/d19-2552.pdf
       
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