# taz.de -- LGBTQIA in der Ukraine: Justiz stärkt schwulem Paar den Rücken
       
       > Das Oberste Gericht der Ukraine erkennt eine Beziehung zweier Männer als
       > Familie an. Die Entscheidung dürfte weitere Klagen auslösen.
       
 (IMG) Bild: Kyjiw war Gastgeber des ersten Gleichstellungsmarsches, 2024, seit Beginn der groß angelegten russischen Invasion
       
       In der Ukraine ist es ein Präzedenzfall. Zum ersten Mal hat das Oberste
       Gericht eine gleichgeschlechtliche Beziehung als Familie anerkannt. Zoryan
       Kis und Timur Lewtschuk sind in der Ukraine landesweit bekannt. Kis ist
       Menschenrechtler, Aktivist und in der LGBTQIA-Bewegung engagiert – genau
       wie sein langjähriger Partner Lewtschuk.
       
       Seit 2013 leben die beiden zusammen, 2021 heirateten sie in den USA. Drei
       Jahre später wurde Kis zum ersten Sekretär an der ukrainischen Botschaft in
       Israel berufen. Für beide stand fest, zusammen ins Ausland zu gehen.
       
       Das hingegen lehnte das ukrainische Außenministerium ab. Zur Begründung
       hieß es, laut ukrainischer Gesetzeslage müsse eine Familie aus einem Mann
       und einer Frau bestehen. Kis und Lewtschuk klagten vor einem Kyjiwer
       Gericht auf [1][eine Legalisierung ihrer Beziehung].
       
       Im Juni 2025 erging das Urteil: Darin heißt es, dass das Paar „in einer
       faktischen ehelichen Beziehung“ lebe. Damit war der Fall juristisch jedoch
       noch nicht erledigt – so wie zum Beispiel für die Organisation „Vsi razom“
       („Alle zusammen“). Die Bewegung tritt für eine traditionelle
       Rollenverteilung zwischen Mann und Frau ein, beschwört christliche Werte
       und Moral.
       
       ## Im Schock
       
       „Vsi razom“ ließ verlauten, die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen
       mit aller Macht verhindern zu wollen und brachte die Angelegenheit vor das
       Oberste Gericht. Artikel 51 der Verfassung definiere die Ehe ausschließlich
       als Verbindung zwischen Mann und Frau. Diese Verfassung sei das oberste
       Gesetz der Ukraine. Es gebe auch eine Bestimmung im ukrainischen
       Zivilgesetzbuch, zitiert das Onlineportal „Nastojaschee vremja“ Ruslan
       Kuchardtschuk, den Leiter von „Vsi razom“. Man sei über die Entscheidung
       absolut schockiert.
       
       „Vsi razom“ ging in Berufung, doch das Gericht schmetterte die Berufung ab
       und bestätigte damit die Entscheidung der Vorinstanz. Eine Partei, die
       nicht an einem Verfahren beteiligt und von der Entscheidung des Gerichts
       nicht betroffen sei, könne keine Berufung einlegen hieß es.
       
       Vertreter*innen der ukrainischen LGBTQIA-Bewegung begrüßten die jüngste
       Gerichtsentscheidung. Nun erwägten auch andere Paare, die in langjährigen
       Beziehungen leben, ähnliche Klagen einzureichen, um ihre Beziehung als
       Familie anerkennen zu lassen, sagt Oleg Maksimjak von der Bewegung
       gegenüber „Nastojaschee vremja“. „Solche Klagen sind bereits von einem Paar
       aus der Armee eingereicht worden. Ich denke, dass es nun eine weitere
       Klagewelle geben wird.“
       
       11 Mar 2026
       
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