# taz.de -- Atomgipfel in Paris: Mit Mini-AKWs in die verstrahlte Zukunft
> Beim Atomgipfel stellt EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen Pläne
> vor, Milliarden in die „Renaissance der Kernenergie“ in Europa zu
> investieren.
(IMG) Bild: Atomkraftwerk in Frankreich: Zum Jahrestag von Fukushima will die EU Milliarden in die Kernforschung stecken
In Paris fand am Dienstag auf Einladung von Staatspräsident Emmanuel Macron
und mit der Patenschaft der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO)
der zweite internationale Gipfel zur zivilen Atomenergie statt. Im Zentrum
stand klar der Bau neuer AKWs in der Welt. Am Dienstag ist es 15 Jahre her
seit der Katastrophe von Fukushima und bald 40 Jahre seit Tschernobyl.
[1][Zuletzt war die Atomenergie durch die Katastrophen und ungelösten
Probleme der Atommüllentsorgung deutlich weniger populär]. Jetzt [2][steigt
offenbar erneut das Interesse daran.]
EU-Kommissionsvorsitzende Ursula von der Leyen bezeichnete beim Gipfel den
europäischen Rückzug aus der Atomkraft als „strategischen Fehler“. Denn bei
der Atomenergie handele es sich um eine „zuverlässige, bezahlbare Quelle
emissionsarmer Energie“. Sie befürwortet eine Rückkehr der EU zum
Atomstrom, dessen Anteil 1990 noch rund 30 Prozent betragen habe, dann aber
auf circa 15 Prozent gesunken sei.
Die CDU-Politikerin von der Leyen stellte dazu einen Plan vor, der dem
[3][Bau von Mini-AKWs, sogenannten Small Modular Reactors (SMR),] vor den
„herkömmlichen“ Großanlagen den Vorzug gibt. Die EU unterstütze mit einer
Garantie in der Höhe von 200 Millionen Euro die Entwicklung neuer
Nukleartechnologien durch private Unternehmen. Europa müsse bis Anfang der
2030er-Jahre führend im SMR-Bereich sein, der zu einem Exportschlager
werden könne. Zudem soll die Atomenergie dazu beitragen, die Strompreise
für die Verbraucher zu senken und die internationale Wettbewerbsfähigkeit
der europäischen Unternehmen zu stärken. Der nächste EU-Haushaltsplan soll
5 Milliarden Euro für die Forschung im Bereich der Kernfusion vorsehen.
## IAEO-Generaldirektor Grossi: 40 Staaten haben „klares Interesse“ an
Atomreaktoren
Die kriegsbedingte Erdölversorgungskrise in der Golfregion verhalf dem
internationalen Gipfeltreffen in Paris zu zusätzlicher Aktualität und
Bedeutung. Die Situation veranlasse, dass Europa seine energiepolitischen
Modelle überprüfen müsse, erklärte Gastgeber Macron: „Diese müssen in der
Lage sein, die Dekarbonisierung, Beschäftigung und Unabhängigkeit in der
Energieversorgung unter einen Hut zu bringen.“
Für Frankreichs Staatschef, wo 57 Reaktoren mehr als 70 Prozent des Stroms
produzieren, steht der weitere Ausbau der Atomenergie mit 6 neuen Reaktoren
im nächsten Jahrzehnt bereits fest. Und er hofft sehr, dass andere Länder
in diesem Sinne mitziehen und dabei insbesondere auf die französische
Technologie zurückgreifen. Derzeit betreiben 30 Länder insgesamt rund 450
Reaktoren. Doch laut IAEO-Generaldirektor Rafael Grossi hätten 40 andere
Staaten, darunter namentlich Argentinien [4][und Südafrika], „klares
Interesse“, ihre Elektrizität mit Atomreaktoren zu produzieren. 40 Staaten
waren am Gipfel vertreten, nicht eingeladen war Russland.
Die Nachfrage nach elektrischem Strom steigt weltweit. Nicht zuletzt wegen
des enormen Energieverbrauchs für Serveranlagen der künstlichen
Intelligenz. Für Fatih Birol, dem Direktor der Internationalen
Energieagentur (IEA), besteht die Antwort darauf in einer „forcierten
Rückkehr zur Atomenergie“, ergänzend zum Ausbau von Solar-, Windrad- und
anderen erneuerbaren Energien.
Wie andere NGOs kritisierte Greenpeace am Rande des Pariser Gipfels diese
ungeteilte Begeisterung für die Zukunft der Atomspaltung oder -fusion als
kostengünstige Energiequelle und Lösung für die Energiewende. Das Bundesamt
für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) in Berlin [5][hatte 2024
in einer Studie gewarnt], Nachteile und ungeklärte Fragen von Mini-AKWs
überwögen, die Markteinführung sei nicht absehbar.
10 Mar 2026
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(DIR) [1] /Strom-durch-Atomkraft-sinkt-weltweit/!6001172
(DIR) [2] /USA-und-Armenien-vereinbaren-Zusammenarbeit-bei-Atomkraft/!6153275
(DIR) [3] /Mini-Atomkraftwerke-in-der-Kritik/!5999640
(DIR) [4] /US-Angriff-auf-Venezuela/!6142929
(DIR) [5] https://www.base.bund.de/DE/themen/kt/kta-deutschland/neuartige-reaktorkonzepte/alternative-reaktorkonzepte-gutachten.html
## AUTOREN
(DIR) Rudolf Balmer
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