# taz.de -- taz-Recherche zur rechten Jugendgruppe: „Patriotische Bewegung“ im Vorfeld der AfD
> Mit rechtsextremen Codes wirbt die „Patriotische Bewegung“ gezielt um
> rechte Jugendliche. Eine taz-Recherche zeigt: Initiator ist ein AfDler
> aus Bayern.
(IMG) Bild: Beim Angriff auf eine Antifakundgebung in Solidarität mit Maja T. traten die Nazi-Gruppen erstmals öffentlich auf
Mitte Januar machten sich 17 Nachwuchs-Rechte auf den Weg zum Oranienplatz,
um eine linke Demonstration für die in Ungarn inhaftierte Antifaschistin
Maja T. zu stören. Zu der „Aktion gegen Links“ hatten mehrere extrem rechte
Jugendgruppen aufgerufen. Doch ihre Provokation endete für die Jung-Nazis
schmerzhaft: Direkt nach ihrer Ankunft am Moritzplatz gerieten sie in eine
Auseinandersetzung mit Antifaschist:innen. Mehrere der jungen, allesamt in
Schwarz gekleideten Rechten, hatten Pfefferspray abbekommen und wurden
danach von der Polizei in den U-Bahnhof begleitet, wo sie sich teilweise am
Boden kauernd, gegenseitig die Augen mit Wasser ausspülten.
Mobilisiert hatten laut dem [1][Berliner Register] drei eher neue, bislang
nur wenig in Erscheinung getretene Gruppen: „Berliner Jugend“, „Deutsche
Patrioten voran“ und „Patriotische Bewegung“, deren Ableger in der Stadt
auch als „Berliner Patrioten“ agiert. Verbal unterschiedlich radikal,
buhlen alle diese Gruppen um eine rechte Jugend: ohne ausgearbeitete
Ideologie, Hauptsache deutsch und gegen links. Die bislang aktivste rechte
Jugendgruppe „Deutsche Jugend Voran“ suchte zuletzt [2][den Kontakt zur
Neonazipartei Die Heimat]. Andere Gruppen vermeiden jeden Parteibezug. Die
„Patriotische Bewegung“ allerdings sticht heraus mit ihrem klaren Versuch,
Anschluss an die AfD herzustellen.
Schon ihr Logo deutet darauf hin: Es zeigt zwei Flaggen in einem Kreis:
eine schwarz-rot-goldene und eine blaue. Als Webseite dient der Gruppe
„Jonathans Stolz Shop“, in dem sich Werbemittel der Patriotischen Bewegung,
Sticker mit einem Soldaten in Wehrmachtoptik und inoffizielles
AfD-Merchandise erwerben lassen, etwa ein Partei-Baseballcap oder „Alice
für Deutschland“-Aufkleber, ergänzt um den Hinweis auf den Instagramkanal
@jonathan.deutsch1. Seinen fast 120.000 Followern präsentiert sich der
anonyme Accountinhaber, der manchmal als Jonathan Großmann auftritt, als
Initiator der „Patriotischen Bewegung“. Die Gruppierung hat bereits in
mehreren Städten Lokalableger gegründet.
Seit Ende vergangenen Jahres werben die „Berliner Patrioten“ im Netz mit
Propagandaaktionen, vom Aufhängen schwarz-rot-goldener Fahnen, über
Gruppenbilder mit Pyrotechnik bis hin zu einem Video einer militärisch
anmutenden Waldwanderung. Mit einer ersten öffentlichen Aktion traten sie
Anfang Januar in Erscheinung: eine Mahnwache gegen „linken Terror“ an der
Weltzeituhr. Im Februar trafen sich etwa 20 Gruppenmitglieder zu einem
„Stammtisch“ in einem Berliner Lokal – mit dabei auch „Jonathan Deutsch“,
der sich in einem Instagrampost darüber freute, „endlich mal“ in Berlin zu
sein.
Sich selbst bezeichnet „Deutsch“ in einem Video als „rechtskonservativ“. In
ihrer einzigen Selbstbeschreibung präsentiert sich die „Patriotische
Bewegung“ als „bürgerlich“, man trete lediglich „für deutsche Werte“ ein.
Im Kontrast dazu stehen Aktionen wie die versuchte Störung einer linken
Demo und verwendete rechtsextreme Codes, die sich gezielt an eine
O[3][nline-sozialisierte, rechte, wenn auch ideologisch kaum gefestigte
Jugend] richten.
## Hinweise auf AfD-Verbindung
Ein Stammtisch wie in Berlin fand nur Wochen zuvor auch in einem Münchener
Wirtshaus statt, wurde aber von der Polizei gesprengt, da die
Teilnehmer:innen zuvor als Mob durch die Stadt gezogen waren. Laut
einem Bericht der Süddeutschen Zeitung wurden dabei 37 Personen
kontrolliert und eine Strafanzeige wegen eines mitgeführten Schlagrings
aufgenommen. Die Teilnehmer:innen seien laut Staatsschutz zuvor nicht
in der Szene in Erscheinung getreten. „Organisator soll ein Mann aus dem
Raum Augsburg sein, er bezeichnet sich selbst als AfD-Mitglied“, hieß es in
der SZ.
Dafür spricht auch eine Video-Nachbesprechung auf dem Discord-Channel der
„Patriotischen Bewegung“, in der der stets vermummt auftretende „Jonathan
Deutsch“ eine Art Protokoll des Vorfalls einblendet, in dem es heißt: „Mein
AFD-Ausweis (sic!) wurde groß herumgereicht.“ Das Verstecken seines
Gesichts begründet „Deutsch“ damit, einst von Antifas überfallen worden zu
sein. Doch womöglich geht es darum, die Tätigkeiten als Organisator einer
rechten Jugendclique und sein Engagement in der AfD zumindest öffentlich
getrennt zu behandeln.
Ein Eintrag im Netz liefert einen Hinweis darauf, wer sich hinter dem Alias
und der Vermummung versteckt. Demnach wurde im vergangenen Sommer versucht,
die Markenrechte der Patriotischen Bewegung beim Deutschen Patent- und
Markenamt einzutragen – auf den Namen Julian Henschen. Eine Person mit
demselben Namen aus dem bayerischen Kissing betrieb bis vor Kurzem auch
einen inzwischen gelöschten Ebay-Shop, der ebenfalls mit rechten Stickern
handelte. Die dort verwendete E-Mail-Adresse wiederum führte zu „Julian
Deutsch.“
## Kandidat für die AfD Kissing
Nach einer Konfrontation mit der Recherche an eben jene Alias-Adresse
meldet sich Julian Henschen bei der taz. Er räumt ein, dass er die Person
hinter dem Pseudonym ist – und AfD-Mitglied.
Der 23-Jährige kandidierte für die AfD am vergangenen Sonntag bei der
Gemeinderatswahl in Kissing auf Listenplatz sechs. Trotz rund 2.000 Stimmen
reichte es für ihn, anders als für seinen Bruder, aber nicht zum Einzug.
Der taz schreibt er: „Ein persönliches politisches Engagement und eine
parteiunabhängige Initiative sind für mich zwei getrennte Dinge.“ Laut
Henschen ist die „Patriotische Bewegung“ „keine Vorfeldorganisation der
AfD“, auch bestünden „keine organisatorischen Verbindungen“. Ebenso erfolge
der Verkauf von AfD-Merchandise „unabhängig und ohne Abstimmung mit
Parteien“.
Es handele sich um eine „patriotische Initiative“, die „sich für Ordnung,
Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzt“, schreibt
Henschen. Seine „Initiative“ sei „unvereinbar“ mit Organisationen rechts
der AfD. „Den Vorwurf, unsere Gruppe würde gegen bestimmte
Bevölkerungsgruppen ‚hetzen‘, weise ich zurück“, schreibt er.
Zu einer anderen Einschätzung kommt die Berliner [4][Rechercheplattform zur
Identitären Bewegung]. Sie bezeichnet die „Patriotische Bewegung“ als
„rechtsextreme, außerparlamentarische Jugendgruppe“ und
„AfD-Vorfeldgruppe“. Sie schreibt: „Zusätzlich zur offiziellen
Jugendorganisation soll hier ein Sammelbecken für aktionsorientierte
Rechtsextremisten entstehen.“ Mit „Frakturschrift, schwarz-weiß-rotem
Dogwhistling und Anti-Antifa-Klebern“ sollen gezielt Neonazis angesprochen
werden. In Konkurrenz zur sogenannten Identitären Bewegung gehe es darum,
„Babynazis“ für das Vorfeld der AfD zu gewinnen.
Eine antifaschistische Vernetzung aus Dachau, die die Aktivitäten der
Rechten verfolgt, schreibt auf Anfrage der taz: Die „Patriotische Bewegung“
sei „ein Produkt des gesellschaftlichen Rechtsrucks“ und der „Versuch ein
Social-Media-Phänomen in die Realität zu überführen“. Dabei spielten
politische Inhalte „eine untergeordnete Rolle“. Die „Patriotische Bewegung
möchte ein aktionistischer Haufen sein, der die AfD unterstützt“. Zwar gäbe
es eine verbale Abgrenzung zu Neonazis und den Identitären, diese sei „aber
wenig glaubhaft“.
12 Mar 2026
## LINKS
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(DIR) [2] /Neonaziszene-in-Ostberlin/!6106603
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